Lieber Schrauberli,
nun, da ich beide Fahrzeuge habe, einen HY mit 1600er Motor und einen T3 mit 2,1 WBX Motor, mische ich mich mal mit ein in die Diskussion. Und das mal eher vom emotionalen Standpunkt her gesehen...
Im Prinzip stimmt alles, was hier geschrieben wurde. Hätte ich mich hier vor meinem Kauf eines HY vollständig aufklären lassen, hätte ich ihn heute vermutlich auch nicht. Was aber sehr schade wäre... Ein bisschen Mut gehört schon dazu. Aber wie es in der Liebe ist: ein bisschen Leiden gehört auch dazu!
Die Jungs hier meinen es gut mit dir, auch wenn das teilweise alles abschreckend klingt. Aber wir haben ja alle mal mit ner Tafel Blech angefangen...
Einen T3 und einen HY kann man eigentlich nicht vergleichen, weil die Fahrzeuge, selbst wenn sie ähnlich alt sind, aus komplett anderen Generationen stammen. Im Prinzip ist jeder HY von 1949, egal, wann er produziert wurde. Der HY ist in seiner Grundkonzeption langsam und laut - aber er hat unvergleichliches Flair. Er ist ab Werk ein echter Franzose und kaum gegen Rost geschützt. Die Technik ist sehr robust und eigentlich simpel, erfordert aber ständig nicht zu unterschätzendes Insiderwissen. ATU wird dir da nicht weiterhelfen können... Auch Autoteile24 oder so werden dich - anders als beim T3 - nicht mit Teilen beliefern. Selbst so etwas banales wie originale Reifen (19 oder 17-400) sind schwer aufzutreiben und entsprechend teuer. Tatsächlich ist die Vorderachse ein großes Problem, weil es eben keine Teile gibt.
Ein T3 ist viel einfacher instandzusetzen und auch im Unterhalt um einiges (!!!) anspruchsloser. Und wie immer ist die bessere Ausgangsbasis natürlich der schlussendlich günstigere Kauf.
Der HY auf den Bildern scheint original und komplett (sofern man das sehen kann: beim Heck: Achtung: die obere Heckklappe hinten ist teuer!!!) , aber natürlich rostig. Da das Blech dünn ist, ist davon auszugehen, dass die Roststellen nicht nur oberflächlich befallen, sondern durch sind. Eigentlich sehr typische Stellen. Ich schätze mal, dass es ein HY neueren Datums ist, die alten mit den runden Kotflügeln hinten und ggf. mit der geteilten Scheibe haben oft besseres Blech. Schau dir die Bilder an: ein Vorbesitzer, der es nicht für nötig befunden hat, die sehr einfach und recht preiswert instandzusetzenden Sitze zu reparieren, wird wohl kaum ein Vermögen in die Wartung der Technik investiert haben. Also, was sagt uns das?
Wenn du verliebt bist, dann kauf ihn und schließ dich mit ihm in deiner Garage ein, es wird eine innige Freundschaft werden (müssen). Auf's Geld sollte man da nicht ständig gucken müssen und es sollte auch nicht dein einziges Auto sein. Die Vernunft rät dir eh von beiden Autos ab und rät dann eher zum T4 - aber was sagt das Herz?
Alles in allem glaube ich nicht, dass es hier jemanden gibt, der seinen HY summa summarum für deutlich unter 10k€ fahrbereit bekommen hätte, einen riesengroßen Anteil an Eigenleistung schon vorausgesetzt. Das ist schmerzlich, aber erklärt auch, weshalb gute und fahrbereite HY's mit TÜV halt teuer sind. Die Leute, die einen fahren, fahren ihn mit Herzblut.... Da musst du dich halt selber überprüfen, ob es dir das wert ist. Vergiß den Quatsch mit den Scheibenbremsen und den "Tuningmaßnahmen", auch der Rahmen des HY ist grundsätzlich sehr stabil. Da muss man nicht unbedingt mit Vierkantrohr bei. Vorsicht bei Viehtransportern, die wurden gerne mal regelmäßig ausgespritzt und das tut dem Boden halt nicht gut. Schau dir dein Objekt der Begierde gut vorher an. Sehr sinnvoll ist es, jemanden mitzunehmen, der sich mit dem H-Modell auskennt.
Wenn du es ehrlich meinst, gibt es hier auch jede Menge Hilfe. Hier sind viele dabei, die bereits mehrere Fahrzeuge ins Leben zurück geholt haben und auf deren Sachverstand ist Verlaß. Stell dich darauf ein, dass es auf jeden Fall ein mehrjähriges Projekt wird. Für meinen Bulli hab ich 6 Monate gebraucht, für den HY 5 Jahre....
LG, Bert