Ich bringe mich zu meinem XM bewusst in ein Verhältnis, das im ersten Moment wenig erstrebenswert erscheint. Ich joche an, ich bunker mich freiwillig in dieses Verhängnis ein, um durch diesen Pakt der Unausweichlichkeit, Kraftreserven verschiedener Art in mir zu erschließen, ohne die immer wieder auftretenden Imponderabilien bei der Reparatur, unter den gegebenen tatsächlichen Bedingungen, niemals zu überwinden wären.
Manchmal schaut indes profan das Glück vorbei, oder es geschieht gar ein citroesques Wunder. Damit die eintreten, darf man nicht mit Wohlüberlegtheit, Wissen und Gelassenheit an die Aufgabe herangehen, das mögen Wunder nicht und drehen vorher ab, sondern mit Fahrigkeit, Impulsivität und Dickkopf als Fundament, um dann aber aus diesem irrationalen Konglomerat heraus, wenn eine mögliche Lösung schemenhaft aufflackert, am eigentlichen Ort (das Auto) eine Präsenz zu zeigen, die die Luft wie an einem Tag mit Rekordtemperaturen erflimmern lässt, die eine Stille schafft, die so bedrohlich wirkt, dass die Vögel aufhören zu singen; das Gegenteil von Wiedergeburt oder Auferstehung, wenn sich menschlicher Geist in nichts als reine Materie reinkarniert – Wunder dürsten nach diesem ätherischen Dünger, natürlich wohldosiert, sonst übersteht es weder Mensch noch Maschine.
Habt keine Angst, das ist alles keine Hexerei. Ich skizziere kurz, wie das in dem konkreten Fall mit dem Motorstart ablief.
S t ö b e r n in B e z ü g e n
Meine Klause zwei Etagen über der eigentlichen Wohnung dürfte hier bekannt sein, dorthin verkroch ich mich. Prinzipiell läuft es immer in drei Schritten ab, es sei denn eine Lösung wird vorzeitig gefunden.
Zunächst suche ich nach Antworten in Wissen, das in mir abrufbar ruht.
Danach, weil es heutzutage so bequem ist, geht es an den Rechner. Ich gebe in meine umfangreiche Sammlung aus vielen Foren in ganz Europa zum Thema Citroen XM (ZPJ4) das Stichwort „Motorstart“ ein, alles prägnant im email-account gespeichert, und schon habe ich für zwei Stunden Lesestoff.
Zum Schluss stöbere ich in meinen Büchern und Heften zu dem Punkt.
„Automobiles Peugeot“ 605, Motor ZPJ4, Benzineinspritzung – Zündung Bendix Fenix 4
DIN A4, 120 Seiten
Alles, was den Motorstart unmittelbar betraf, hatte ich mir natürlich schon dreimal durchgelesen. Aus einem Instinkt heraus blättere ich diesmal weiter, da erblicke ich unten auf einer Seite das Zauberwort „Zündung“ und auch Zündungsrelais, dazu eine Zeichnung, so dass ich sofort weiß, wo ich es im Motorraum finde.
Wie von der Tarantel gestochen, ging es zum Auto und diesmal direkt, denn wenn der Weihnachtsmann kommt, und du glaubst noch an ihn, was willst du dann vorher mit einem Bobbes?
Zuerst ein kleiner Schock, da wo die Teile sein sollten, war nichts zu sehen. Ah so, Zeichnungen sind zweidimensional, das wirkliche Leben hat aber eine Schicht mehr. Die Dinger müssen direkt unter dem LHM-Fass sitzen! Nee, nicht das ganze Fass ausbauen. Luftfilter und Doppelansaugrohr weg, damit man das Fass, in dem Fall den Weihnachtsbaum, anheben kann.
Dort liegen sie, meine zwei Geschenkpackungen, ein roter und ein gelber Stecker. Das Fass stört unangenehm, aber ich schaffe es beide Stecker zu öffnen, sprühe Kontaktspray hinein, klicke sie zusammen und montiere den Rest in den ursprünglichen Zustand.
In absoluter Tiefenmeditation setze ich mich ans Lenkrad und führe den weiter oben beschriebenen sakralen Zustand herbei, den Geheimcode an dieser Stelle einzugeben, erfährt eine noch nicht gespürte Bedeutung, drehe den Schlüssel, und die Normalität des Alltags erfüllte den Raum mit einem Motorgrunzen, so gleichzeitig und selbstverständlich, als ob vorher nichts gewesen wäre.