Ionity ist zwar bei Direktzahlung teuer geworden, bleibt aber für die Fahrzeuge des Ionity-Konsortiums (VW, BMW, Mercedes, Hyundai und Co.) mit ca. 30 Cent/kWh weiter vergleichsweise günstig. Für andere Kunden wird es ebenfalls über Drittanbieter billiger bleiben, nur wenn man direkt ohne Vertrag laden will, wird's eben teuer. Ich sehe das nicht als allzu großes Thema - über 90% der Ladungen erfolgen zuhause oder am Arbeitsplatz, dort weitestgehend zum Haushaltsstromtarif oder ohnehin über PV. Wie oben schon steht, auch Tanken an der Autobahn ist teurer, als wenn man daheim im Dorf an der Tanke nachfüllt. Niemand fährt abseits der Schnellstraßen und Autobahnen zum Schnelllader, einfach weil's nicht notwendig ist.
Es ist nicht verwunderlich und auch wir haben das auch hier bereits mehrfach diskutiert, dass natürlich in Zukunft die Ladeleistung ganz massiv den Ladepreis definieren wird. Wer schnell laden will, wird tiefer in die Tasche greifen müssen und ich halte das auch für fair. Ich war gerade wieder binnen zwei Tagen 700km kreuz und quer auf Österreichs Autobahnen mit dem i3 unterwegs und ein 15-minütiger Stopp alle 150 Kilometer, bricht wirklich keinem einen Zacken aus der Krone, wenn man so eine Fahrt alle paar Wochen mal macht. Und mit den neuen E-Autos mit 300km Reichweite und mehr und Ladeleistungen von 100kW und mehr, sind die Ladestopps auf Langstrecke schon überhaupt kein Thema mehr, weil man diese Pausen ohnehin braucht und auch mit dem Verbrenner in aller Regel macht. Nicht von ungefähr sind die Rastplätze auch abseits der Zapfsäulen voll. Dann kann man entscheiden, ob einem wichtiger ist, dass man 15 Minuten schneller am Ziel ist, oder 20 Euro weniger bezahlt. Man könnte ja ein Experiment wagen: Man bietet jedem an der Zapfsäule 20 Euro, wenn er noch 15 Minuten extra wartet. Ich bin mir sicher, mehr als die Hälfte der Leute würde die 20 Euro nehmen.
Und jetzt zu etwas Anderem - ein paar Eindrücke der E-Autos auf der Vienna Autoshow, die dieses Wochenende stattfindet: http://www.autoguru.at/2020/01/die-highlights-der-vienna-auto-show-2020-teil-1/
Und ein paar meiner persönlichen Eindrücke zu ausgewählten neuen E-Autos:
DS3 Crossback E-Tense: Aus meiner Sicht ein konstruktiver Rohrkrepierer. Katastrophale Türgriffe bei denen man sich beim Öffnen die Finger einzwickt, eingebunkert, überladener Innenraum, schlechtes Raumkonzept, teuer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es den lange geben wird. Das Besucherinteresse war endenwollend. Für mich definitiv kein Thema mehr.
MG ZS EV: Ein elektrisches Kompakt-SUV unter der MG-Marke, aber von chinesischem Hersteller. Wird ab sofort auch in Europa verkauft. Mein persönlicher Überraschungsmoment der Autoshow. Sehr gefälliges Design, gutes Platzangebot, hervorragende Verarbeitung im Innenraum. Dazu der Preis von rund 31.000 Euro (vor Förderungen). Zwar nur mittelmäßige technische Daten (44,5-kWh-Batterie für 263 Kilometer Reichweite), aber zu diesem Preis mehr als in Ordnung.
VW ID.3: Für mich der zweite Überraschungsmoment des Tages. Soviel Mut hätte ich VW nicht zugetraut. Das sehr offene, reduzierte Innenraumkonzept ähnelt stark dem Model 3, ist aber in ein paar Punkten aus meiner Sicht sogar besser gelöst (kleineres Mitteldisplay, dafür zusätzliches Display am Lenkstock - erinnert mich an CX, BX und Co.). Viel Platz im Fond, geräumiger Kofferraum, gute technische Werte. Langer Radstand, kurze Überhänge. Damit kann VW sich am E-Auto-Markt durchaus unter den innovativeren und mutigeren Lösungen einordnen. Nur die Innenraummaterialien fand ich eher als billige Plastikanmutung, der Golf 8 daneben war deutlich hochwertiger verarbeitet und so war auch das Fazit vieler Besucher, die ich dort diskutieren hörte.
Peugeot e-2008: Ich kann mich noch nicht entscheiden. Außen gefälliges Design, fast analog zum 3008er. (Zu) Wuchtige Front, steht sehr solide da und hat vergleichsweise gute Bodenfreiheit. Genug Platz im Fond, deutlich mehr als im e-208er. Eher kleiner Kofferraum, trotz Heckklappe, aber ausreichend. Sehr gute Verarbeitung und Materialanmutung. Das Armaturenbrett aus meiner Sicht zu überladen und verbaut. Für mich am schwierigsten: Die richtige Sitzposition. Ich konnte mit meinen 1,84m auch mit viel hin und her zu keiner angenehmen Sitzstellung finden, wo mir nicht das Lenkrad den Blick auf das i-Cockpit versperrte. Auch für die Beine eher schwierig, wenn ich am Gaspedal stehe, liegt das Bein an der hohen Mittelkonsole an, das empfinde ich leider als sehr störend. Die Sicht nach vorne ist durch die wuchtige Front eher schwer einsehbar. Muss ich definitiv bei einer Probefahrt testen, nur so vom Probesitzen kann ich mich nur schwerlich dafür aussprechen. Gute Leistungsdaten, aber wohl leider eher schlechte Antriebseffizienz, die 320km Reichweite nach WLTP werden aus meiner Sicht kaum zu erreichen sein. Interessant wäre auch zu wissen, ob tatsächlich die Ladeleistung in der Praxis bis zu 100kW beträgt, oder wie bei Kia und Hyundai nur knapp 70kW trotz angegebener 100kW. Generell bin ich ein Freund gemäßigter Akkukapazitäten, aber Tesla holt mit der gleichen Kapazität von 50kWh durch die bessere Effizienz im Alltag gut 100km mehr Reichweite heraus. Gepaart mit der fast doppelt so hohen Ladeleistung beim Tesla, braucht man somit weniger Energie und lädt deutlich schneller. Aber grundsätzlich ein gelungenes E-Auto, die beiden Fahrzeuge e-2008 und e-208 stoßen auf viel Andrang und Besucherinteresse und sobald sie dann endlich mal liefern können, wird sich das definitiv auch in Käufern widerspiegeln. Leider hat mir mein Händler gestern erzählt, dass es wohl selbst mit der Auslieferung des 208er noch einige Monate dauern wird. Relevante Stückzahlen werden wohl vor Sommer nicht auf den Markt kommen.
Peugeot e-Legend: Das war dann das besondere Gustostückerl. Deshalb wohl keine Chance auf Umsetzung...
Citroen war übrigens nicht vertreten. Insgesamt sieht man aber, dass E-Mobilität schön langsam im Modellalltag der Hersteller ankommt und sich die Hersteller auch besser mit dem Thema auskennen. Auch die Preise erschrecken im direkten Vergleich mit anderen Ausstellungsfahrzeugen längst nicht mehr. Da macht die eine oder andere Ausstattungsvariante zum Teil größere Preisunterschiede aus, als ob ich einen Diesel oder ein Elektroauto wähle.