Noch was zu dem Thema.
Da ich ja gerade meinen 2.5er TD Motor draussen habe, bin ich kurz runter und habe ein Foto gemacht von einem Teil, welches ich heute ausgebaut und so vorher auch noch nicht zu Gesicht bekommen habe :
Ein Seitenanschlag für den Hauptsteuerriemen. Der hat im eingebauten Zustand deutlich Luft zum Riemen !
Da fragt man sich erstmal, wofür der da eingebaut wurde, wenn der doch gar keinen Kontakt zum Riemen hat.
Und damit kommen wir zum Thema dynamisches Schwingungsverhalten. Was in der Musik und bei einem Instrument gewünscht ist, resonante Schwingungen, möchte man im Motorenbau so weit es geht vermeiden ! Nun ist aber ein wie auch immer gespannter Zahn- oder Zahnrippen- oder Keilriemen nicht anderes als eine sich bewegende Saite. Die Bünde sind die Enden der Räder, da wo der Riemen ab- oder aufläuft, und dazwischen ist der Bereich wo der Riemen frei schwingen kann. Je nach Spannung, Drehzahl, Temperatur usw.
Und das tun so Riemen ja auch wenn man denen mal zuguckt bei abgebauter Verkleidung und Motorlauf. Da wird einem schonmal schwindelig. Ein zu loser Riemen "schlackert" sich sozusagen kaputt. Die gesamte Schwingungsenergie wird beim Auflaufen auf eine Riemenscheibe unweigerlich aprupt aber kontinuierlich, der Riemen läuft ja immer weiter, in Wärme umgewandelt. Die Beanspruchung fürs Gewebe und alles natürlich erhöht.
Spannt man jetzt stärker, um die Resonanzfrequenz hochzutreiben, kriegt man irgendwann unweigerlich unerwünschte Drücke auf die beteiligten Lagerstellen. Eine gesunde Grundspannung ist daher irgendwo bei so hoch daß die Lager das noch gut abkönnen, der Riemen aber bis zum unweigerlichen Materialermüdungsverschleißtod immer noch meistmöglich gespannt bleibt.
Oder man baut eben so einen seitlichen Anschlag ein, um die Amplitude der Auslenkung zu begrenzen, bzw. durch den Anschlag auch den Resonanzaufbau zu unterbrechen - Stichwort Finger auf eine schwingende Gitarrensaite auflegen - Ton stirbt sofort ab.
Schlauer Schachzug von den Citroeningenieuren übrigens, durch so eine simple Maßnahme die Lebenserwartung eines Zahnriemens deutlich nach oben zu treiben. Generell haben Citroen, oder PSA Motoren ja eher den Ruf langlebig zu sein was Riemenwechselintervalle angeht.
Man kann Neigung zu unerwünschten und meist schädlichen Schwingungen aber auch anderweitig entgegenwirken. Teilt man bei der Auslegung eines Riementriebes z.B. die einzelnen frei hängenden Abschnitte in teilbare Intervalle auf, weil das eben auf dem Reißbrett sich rechnerisch so anbietet (alle 2 cm eine Loch ... z.B., dann 4 cm nach oben ..), kommt man schnell in sich gegenseitig noch unterstützende Verhältnisse. Mögen sich die Intervalle der Teilstücke schwingunsmässig eher nicht (disharmonisch), verstärken die sich nicht sondern vertilgen sich gegenseitig sogar. Ist auch bei Auslegung von Kühlrippen, Gehäusedimensionen, Stahlbrücken so (Stahlbrücken: Soldaten nicht im Gleichschritt rüber !)
Man denke nur an die Probleme anfangs von Honda mit den Formel 1 Motoren in den letzten Jahren. Da war auch definitiv von Schwingungsproblemen die Rede. Möglich daß da auch zu symmetrisch, zu gleichmässig designt wurde. Eine gewissen Unruhe in den beteiligten Zahlenverhältnissen bringt Ruhe ins Schwingungssystem - eine gewisse Motoringenieursweisheit möglicherweise.
Oder auch kompletter Bullshit von mir und ich sollte jetzt lieber ins Bett gehen. Alle Angaben ohne Gewähr!
Auf jedenfall hat der Anschlag seinen Dienst verrichtet, was man an den deutlichen Laufspuren erkennen kann (der alte Riemen hatte ja auch erwartungsgemäß, nach 80000km die ich ihn gefahren habe, wer weiß wie lange der aber vorher schon drauf war, deutlich Luft (insgesamt jetzt 386tkm auf der Uhr, ein Wechselintervall aber zu erkennen an handgemachten Kennezeichen zur Einstellung an entsprechenden Stellen)):