Es mangelt seit Jahren an Achtsamkeit, gegenüber allem. Das ist der tiefe Kern des Problems.
- sich selbst gegenüber: was brauche ich als Wesen, brauche ich den Konsum oder doch den Wald, die Natur ? Wer versteht noch die Signale des eigenen Körpers ? Leitbild vermutlich - es gibt doch moderne Chemie, gehts mir schlecht, krieg ich Pillen dann gehts wieder...
- dem anderen Menschen gegenüber: grad gestern hat uns ein EBiker mit drängeln vom Pfad weggestoßen, von uns auf den Corona- Abstand hingewiesen (während er wegfuhr) hat er sich nochmal umgedreht und uns aus 5-8m noch angehustet. Radeln auf dem Gehweg, Rasen vor Kindergärten, drängeln auf der Straße und im Beruf, alles egal, Hauptsache: me, myself and I. Leitbild scheinbar: Das Leben der anderen ist mir drecksegal.
- der Natur und dem Planeten gegenüber: Ich spare mir den Text, wir alle können das auswendig hier hinschreiben. Leitbild: mein Einfluss ist nur so klein, da kann ich ruhig... siehe Punkt 2.
Warum ist das so ? Ich suche seit Jahren. Warum wird offensichtlich Achtsamkeit durch Aggression ersetzt ? Ist es der immer zügellosere Hedonismus, der aus dem Kapitalismus folgt ? Sind es zerfallene, offene Strukturen in Gesellschaft (auf dem Dorf war man fest eingebunden, heute ? nix mehr, es regiert die Anonymität) ? Sind es die vielen nicht - intakten Familien, die keine echten Wurzeln mehr geben, wo man solche Basics nicht mehr lernt ? Ist es eine Menschen entwurzelnde Politik des Großkapitals, in dem Menschen als bewegliche Kostenfaktoren gelten ?
Für mich ist der Kontakt zu anderen, achtsamen, mitdenkenden (!) Menschen inzwischen sehr wichtig geworden.
Und mir ist relativ klar, das wir mit diesen nicht- achtsamen Typen keine Chance haben werden, das Ökosystem zu erhalten.
Wer sein kaputtes selbst mit 300 km/h auf der Autobahn zu heilen versucht, weil ganz tief drin, wo man nicht mehr Artikulieren kann, etwas fehlt, etwas schon abgestorben ist, dem geht der Regenwald, allein schon jegliches tieferes Nachsinnen und fühlen, jedes Denken an Andere, schlicht am Arsch vorbei.
Je länger ich mir diese Show hier (auf dieser Erde) ansehe, desto kulturpessimistischer werde ich. Leider.
Carsten