Da ich direkt angesprochen werde, antworte ich auf dieses Thema doch noch einmal. Und zwar nicht nur als privater 2CV-Fan, sondern eben auch als Oldtimer-Journalist mit mittlerweile mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Als ich anfing über alte Autos zu schreiben, wurde das Thema 2CV nur recht selten behandelt, weil die Ente nur so halb als richtiger Oldtimer galt und ihr vielerorts auch noch das Image des Öko- und Studentenautos anhaftete. Wert hatten weder alte noch neuere 2CV - eher im Gegenteil. Mit den Nullerjahren setzte dann allerdings ein tiefgreifender Wandel ein. Die Preise für Enten stiegen kontinuierlich an und die Wertsteigerungen waren und blieben enorm - auch im Vergleich mit anderen Old- und Youngtimern. Gleichzeitig wurde die Ente zu einem der beliebtesten Oldtimer. Um den 2CV herum etablierte sich eine breite professionelle Szene, die heutzutage die gehobenen Ansprüche einer in der Regel doch eher solventen Klientel bedient. Letztere ist gemeinhin zwischen 40 und 60, gehört zu den Besserverdienern und kauft heute eine Ente primär als Freizeitauto (für den Alltag gibt es deutsche Mittel- und Oberklasse), aber eben auch als Oldtimer mit positiver Wertsteigerungsprognose. Und - sorry, dass ich das so unverblümt sage - auch hier im Forum verkauft niemand mehr Autos und Teile zu den Preisen wie in den 70ern oder in den 80ern, sondern zu Preisen, die dieser allgemeinen Preisentwicklung durchaus Rechnung tragen. Wir haben 2020: Niemand schweißt heute mehr eine Ente für einen Kasten Bier oder im Tausch gegen 4 gute Reifen - außer vielleicht, man ist gut befreundet. Ansonsten kostet eine Stunde Schweißen in "Nachbarschafthilfe" 30 bis 35 Euro. Wenn es allerdings um einen Service geht, der durchaus mit Zeitaufwand verbunden ist und nicht zuletzt auch Fachwissen und ein gut sortiertes Archiv vorraussetzt - und der nebenbei auch noch hilft Geld zu sparen - haben wir plötzlich wieder 1985. In diesem Forum melden sich u.a. auch Menschen an, die für fünfstellige Beträge ein Auto kaufen und dann einfach die Kohle für ein Typenblatt vom TÜV sparen wollen - das entspricht durchaus einer neoliberalen Ethik, hat aber in der Realität des Jahres 2020 mit der Entenromatik vergangener Tage genauso viel gemein, wie eine dicke Harley mit dem Spirit von Easy Rider. Und noch eine kleine Anmerkung: Auch in einem 2CV-Buch steckt jede Menge Enthusiasmus, der nicht honoriert wird, zumindest, wenn der Autor eine gewisse Qualität anstrebt (von Mindestlohn kann man da übrigens bestenfalls träumen). Die deutsche "Geiz ist geil"-Mentalität hat nämlich auch bei den Buchpreisen durchaus ihren Niederschlag gefunden - komischerweise kommt aber da keine Diskussion, warum 2CV-Bücher in Deutschland eigentlich so billig sind und was eigentlich bei Autoren, Lay-Outern und auch den Verlagen hängenbleibt...