Hallo,
seit gestern habe ich einen originalen Geschwindigkeitsregler in meinem Activa.
Und das geht so:
1. Bestandsaufnahme:
Mir wurde von verschiedener Seite berichtet, daß in meinem 97er X1 der Kabelbaum bereits vorhanden sei. Wie sich später herausstellte, ist das nur teilweise richtig: Motorraumseitig ist nichts vorhanden, im Innenraum alles. Der Innenraumkabelbaum endet am Multiplexstecker zum linken Kotflügel, die Kabelage wird dort nicht weitergeführt.
2. Einkaufen gehen :
• Hebel an der Lenksäule
• Schalter im Armaturenbrett
• Bremspedalschalter (der hat im Gegensatz zu dem ohne Tempomat einen weiteren Schalter, einen Unterbrecher der beim Tritt aufs Pedal einen Stromkreis öffnet und so dem Tempomat-Steuergerät den Impuls gibt, abzuschalten)
• Kupplungsschalter (gleiche Funktion wie der Bremspedalschalter)
• Tempomat-Steuergerät
• Relais mit Fassung
• Unterdruckdose, Vakuumpumpe, Magnetventil
• 15 Meter Kabel
Bremspedal- und Kupplungsschalter hab ich mir bei Citroën als Neuteile besorgt (ca. 70,-/ 25,- Euro). Die Teile aus Schlachtautos zu bekommen, ist etwas schwierig, da Schaltwagen höchst selten mit Tempomat verkauft wurden (zumindest den X2 gab es meines Wissens in Deutschland gar nicht mit Handschaltung und Tempomat zu ordern!).
Die untere Lenkradverkleidung gibt es in spezieller Ausführung mit Öffnung für den Tempomathebel, da die Halterung für den Hebel aber in allen Verkleidungen bereits drin ist, hab ich die Öffnung einfach hineingeschnitten.
Alle übrigen Teile mit Ausnahme des Hauptschalters (siehe unten) stammen aus einem X2 Exclusive V6.
Kostenmäßig kamen trotz gebrauchter Teile rund 200,- Euro zusammen. Ein Nachrüsttempomat wäre billiger, aber mir gefällt vor allem die Bedieneinheit nicht. Auch regelt z. B. ein Waeco MS50 nur bis ca. 160 km/Std., dem Werkstempomaten ist die Geschwindigkeit ab – ja, ab wann regelt er eigentlich ?!? – egal.
Nachdem ich auf der vergeblichen Suche nach dem motorraumseitigen Kabelbaum bereits das halbe Auto auseinandergenommen hatte, entschied ich mich, Vakuumpumpe und Magnetventil nicht am werksseitig vorgesehenen Platz vor der Hupe im vorderen linken Kotflügel zu montieren, sondern an der freien Stelle neben Steuergerätekasten und rechtem Kotflügel. Grund ist ein bereits vorhandener Kabeldurchbruch im Beifahrerfußraum (da laufen die Kabel meiner Hydractiv- und AFS-Anzeige durch), außerdem sitzen die Bauteile dort gut zugänglich und geschützt. Ferner sollten die Kabel dieser Bauteile direkt an das Steuergerät gelegt werden, das unter dem Beifahrersitz plaziert und damit einfacher erreichbar als von der linken Seite ist.
3. Mit dem Schaltplan bewaffnet ans Werk ! Bitte entschuldigt die schlechten Bilder, ich mach´s später besser.
Einbau des Hauptschalters. Es ist (noch, bald aus Handlinggründen nicht mehr) der rechte. Siehe da, der grüne Stecker dazu fehlt nicht. Wer einen Schaltplan hat, ist klar im Vorteil: Der Sperrschalter für die hinteren Fensterheber ist identisch belegt wie der Tempomatschalter. Gelegentlich wird er aus kosmetischen Gründen ausgetauscht.
Der Bedienhebel. Auch hier ist der Stecker bereits vorhanden, er will nur gefunden und aus seiner Schaumstoffverpackung befreit werden. Die untere Lenkradverkleidung hat mittels Messer und Feile ein passendes Loch erhalten, innen sind die Befestigungspunkte erfreulicherweise vorhanden.
Der Bremspedalschalter hat mit Tempomat 3 Pins, der Anschluß auch – sollte passen.
Der Stecker sitzt ganz weit oben am Pedal und ist kaum zu erreichen. Ein starker Rücken ist bei der Über-Kopf-Arbeit, auf dem Schweller liegend, hilfreich. Es darf mal herzlich geflucht werden.
Der kaum zu erkennende rote Pfeil zeigt übrigens auf den Anschluß des Versorgungskabels zum Relais.
Der braune 2-Pol-Stecker oberhalb des eingekringelten Bremsschalters ist der Anschluß des Kupplungsschalters.
Der Kupplungsschalter. Kein Bild, ich habe ihn nicht angeschlossen ! Mehr dazu später.
<< Kein Bild>> Kupplungsschalter
Das Unterdruckdöschen, das die Drosselklappe ansteuert. In der Bildmitte bzw. leicht links davon. Ist schön versteckt. Plug&Play, alle Halterungen und auch der Kugelkopf, mit dem die Betätigungstange der Dose an der Drosselklappenwelle eingeklipst wird, sind vorhanden !
Der Schlauch zur Vakuumpumpe verläuft unter der Zylinderkopfabdeckung nach vorne, dann oben auf dem Kühler in Richtung Steuergerätekasten.
Vakuumpumpe und Magnetventil. Dies ist, wie erwähnt, nicht der werkseitige Einbauplatz, mir aber sympathischer. Die Einheit wird natürlich noch am Innenkotflügel verschraubt.
Der Kabelstrang (schwarzes Plastikrohr mit weißem Isoband) an der Spritzwand in Richtung Beifahrersitz, wo das Steuergerät liegt. Das Schutzrohr beinhaltet gerade mal 3 Kabel für Vakuumpumpe und Magnetventil, alles was sonst noch elektrisch ist liegt im Innenraum (original wäre noch das Relais im linken Kotflügel in einem wunderbaren Plastikkasten, den Blödsinn hab ich mir aber erspart..)
Das Steuergerät. Der Anschlußstecker liegt unterm Sitz direkt an der Traverse, und dahin verschwand das Steuergerät auch sofort nach Aufnahme dieses Bildes wieder.
Die 3 Kabel aus dem Motorraum habe ich direkt an die zugehörigen Pins des Steuergerätes geklemmt. Das ist einfacher, als im Kabelbaum hinter dem Armaturenbrett nach den Drähten zu suchen.
Das Relais (ein Sicherheitsrelais). Es befindet sich hier gerade unter dem Handschuhfach. Auch dieses habe ich direkt an die Geräte angeschlossen, also Steuerstrom ans Steuergerät, Schaltstrom Plus an den Bremspedalschalter, Schaltstrom Masse ans Steuergerät. Es findet seinen Platz neben dem Lüftermotor. Mein Mitgefühl gilt dem Monteur, der sich dereinst bei der Fehlersuche daran machen muß es zu finden.
Alle Verkabelungen habe ich natürlich nach Schaltplan gelegt.
4. Erprobung:
Zündung an, Hautschalter Tempomat Klick -> Peng, Sicherung F12 geflogen. Zur Sicherheit das Ganze noch mal probiert: Peng. Gut, soweit arbeitet der Tempomat schon mal zuverlässig !
Dann folgten 2 Tage Freizeitgestaltung durch Fehlersuche inklusive Durchmessen aller selbst gelegten Verbindungen sowie des natürlich verdächtig erscheinenden missbrauchten Fensterheberschalters.
Ergebnis: Der Kupplungsschalter legt in geschlossenem Zustand den Strom des Bremspedalschalters direkt auf Masse, echt tricky, und das steht auch so im Schaltplan. Falls ich nicht zu blöd bin ihn richtig zu lesen.
Also den Kupplungsschalter abgezogen, Fahrtest: Wunderbar. Alles geht wie es soll. Den Kupplungsschalter könnte ich jetzt mit kaum Aufwand so wie es sich gehört in den Stromkreis des Bremsschalters einbauen, mach ich aber nicht. Beim Fahren mit Tempomat wird die Motordrehzahl bei Schaltvorgängen so langsam erhöht, dass es nicht stört. Ohne Kupplungsschalter entfällt das erneute Einschalten des Tempomaten nach Schaltvorgängen, das ist mir angenehmer als wenn der Kupplungsschalter aktiv wäre. Außerdem hat die Pedalhalterung des X1 keine Aufnahme für den Schalter vorgesehen, vermutlich gab es diese erst beim X2. Möglich auch, dass ich den falschen Schalter erwischt hab, die Suche nach der Teilenummer ist eine Nummer für sich…
Beim Einschalten regelt der Regler schön sanft ein.
Aktivieren kann ich ihn ab knapp 40, und er läßt sich herunterregeln bis ziemlich genau 35 Km/Std.
Nach oben hin läßt er sich offenbar bei jeder Geschwindigkeit aktivieren (jaaaaa... wenn ich es mal richtig eilig habe, aktivier ich ihn bei 235 und drücke dann den Hebel nach oben, bis 270 erreicht sind ).
Etwas umständlich finde ich das Setzen einer neuen Geschwindigkeit z. B. nach einer Bremsung in einen Baustellenbereich hinein, dafür muß entweder die Zündung abgeschaltet (lassen wir besser mal auf der Bahn) oder der Hauptschalter betätigt werden, das hätte ich lieber am Hebel machbar. Ohne Abschalten des Tempomaten hat man nur die Möglichkeit, durch kurzes Hebel nach oben bewegen die zuletzt gespeicherte Geschwindigkeit wieder zu aktivieren.
Allerdings läßt sich die eingespeicherte Geschwindigkeit durch Herunter- oder Heraufbewegen des Hebels relativ fix ändern. Durch Tippen wird die Geschwindigkeit um offenbar 1-Km/Std.-Schritte verändert. Dabei reagiert der Tempomat sofort und recht sanft, es gibt ein kurzes Aufrauschen des 6ers unter der Haube bzw. das Gas wird ruhig und gleichmäßig weggenommen. Dauerndes Heraufdrücken des Hebels bewirkt kontinuierliche Geschwindigkeitszunahme, es fühlt sich leicht wellenförmig an, Herabdrücken bewirkt ein sehr sanftes Schließen der Drosselklappe, das würde mir etwas fixer besser gefallen.
Danke an Thomas und Frank für den Ausbau der Teile aus einem Schlacht-Exclusive und an Marcel für die Unterstützung mit seinem umfänglichen Geschwindigkeitsregler-Know-How.
Eine sehr hilfreiche, eigentlich unentbehrliche Funktionsbeschreibung fand ich hier, Danke an Carsten Bussmann:
http://www.citdoks.de/anleitung.php?cr_id=292
Viele Grüße
Torsten