Das zulässige Meinungspektrum zeigt sich erschreckend schmal, die Mehrheit sich äußernder Nichtteilnehmer käfft die verbliebenen Narrative unreflektiert nach.
Nie erlebte ich eine größere Menge friedlich fröhlicher und gut gelaunter Menschen, die aus weiten Teilen des Landes angereist, sich gemeinsam für die Freiheit einsetzten. Die Länge des Demonstrationszugs ist auf wenigen Straßenwölbungen oder Treppen lediglich zu erahnen, der Anfang oder das Ende sind nicht in Sicht. Keinerlei Ausschreitung, keine Eskalation, einfach Frieden, Party, Zwanglosigkeit, eingängige Mucke und Spaß, soweit ich das mitkriege. Die Polizei ist nicht präsent, hier und da stehen ein paar Beamte an Kreuzungen, Einmündungen, einige mit, einige ohne Maske, vereinzeltes Lächeln. Ist Wille zur Deeskalation angekommen oder simpler Personalmangel dem Glauben der eigenen Prognosen geschuldet? Ein paar Handvoll Antifa Gegendemonstranten zeigen mutig und tapfer den gesenkten Daumen zum „paranoiden“ Naziumzug. Warum lassen sich die Wichtel nur so instrumentalisieren und tragen bei 30° für ihre Atmung belastend Masken? Angst vor innerer Isolation, Angst alleine zu bleiben, schweißt das zusammen?
Organisation, Aufbau, Logistik und die reibungslose Umsetzung der Veranstaltung für diese Menschenmassen sind klasse, geschmeidig und phantastisch. Das nötige komplexe Denken wäre selbst nur in Teilen für etliche staatliche Institutionen absoluter Hauptgewinn; der Bahn zum Beispiel oder dem BER.
20.000; welch dreist unverschämte Lüge. Die klassischen Medien entblöden sich nicht ihrer eigenen fortschreitenden Diskreditierung; was muss die Journaille für Ängste haben, wenn Alpha – und Edelfedern solchen Unsinn verbreiten. Dazu passend der erbärmliche Abbruch durch irgendeine Funktionselite. Hier wäre ein einfach nutzbarer Weg zum Dialog, zu mehr Demokratie, zur Gesichtswahrung, für mehr verbindende Elemente zwischen Führung und dem dummen Volk gewesen. Grob 40 voll aufgerödelte Polizisten mit Helm in meinem Sichtbereich versuchen die Auflösung der Kundgebung bei den Teilnehmern praktisch durchzusetzen. Pfiffe, Spott und friedlicher Widerstand quittieren diese dämliche Anweisung irgendeines Psychopathischen. Müller später als Lachnummer im Fernsehen. Trotzdem macht mir Angst, wie wenig Entscheidungsträger verstehen und wie wenig souverän sie sich geben; da sind die Schatten der Diktatur. Die Polizisten tun mir leid mit ihrem nicht umzusetzenden Auftrag; Ricarda ficht das nicht an, „selbst schuld“ und ich gestehe ihr die unbedingte Loyalität entgegen eigener Meinung als wichtigste Einstellungsvoraussetzung zu. Da machen auch die 75,5% der letzten Bezüge als Pension im Vergleich zu meiner 38% Rente vom Bruttolohn inklusive 5 Jahre längerer Berufstätigkeit keinen wirklichen Freigeist wett; gehorchen, funktionieren, nicht denken. Und doch tun sie mir leid in ihrer Montur, so wie sie schwitzen und wie sie als Minderheit innerlich diese sinnfreie Maßnahme erklären mögen als plakatierte Freunde und Helfer, als Schutzmänner, mit ihren Familien, die wahrscheinlich genauso unter den schwachsinnigen Drangsalierungen leiden. Trotzdem erlaube ich mir harmlosen Widerstand, denn seit wann sagt mir ne Uniform von meinen Steuergeldern, was ich zu tun und zu lassen habe? „Darf ich Sie fotografieren?“, als einer mit Schweiß auf der Stirn und rotem Kopf mich an die Reihe nimmt, „Nein!“ während sein Kamerad mit der Kamera zur Sicherheit die Szene festhält. „Nichts hab ich gemacht und Sie drohen?“ „Wenn Sie den Anweisungen nicht Fol… wird für Sie unangen… Strafverfolgung… unbestimmte Zeit festhalten…bla, blub…“ klassische schwarze Pädagogik: „…unartig, ab in den dunklen Keller,“ der strafende allmächtige Gott, „ist schon gut,“ und gehe paar Schritte weiter. Dankbar wendet er sich dem nächsten zu, und so bleiben wir einfach noch. Ein paar weniger feixende Einsichtige werden in die Wagenburg geschleppt. Erst um 22.00 Uhr löst sich die Demo vorm Reichstag auf, ganz von alleine, die unter der Krise ebenfalls enorm leidenden Busunternehmen hatten u. a. die Abfahrt auf diesen Zeitpunkt gelegt und die Polizei in ihrer Minderheit hatte nie eine Chance.
Uns war es wichtig, da gewesen zu sein. Ein toller Tag, ich hab ihn sehr genossen, endlich raus aus der dumpfen Ohnmacht mit ihrer quälenden Gängelung. Ein deutliches Zeichen gegen Teilnahmslosigkeit, ein guter Tag für Demokratie.
Plakativ die Freiheit und die Maschine,
Gruß
Wolfgang