Bisher habe ich mich gewundert, was Leute, die einfach nur die Corona-Massnahmen für überzogen halten, mit Rechtsextremen gemein haben sollen.
Nur: Rechtsextreme warten auf sowas wie einen Kollaps des Staates, und suchen natürlich Gelegenheiten, zu so einer Situation zu kommen, um dann endlich mit allen Grundfreiheiten aufzuräumen und einen Staat nach eigener Willkür zu errichten, oder auch nicht, ganz, wies sich dann ergeben würde.
Corona-Leugner und einfach nur solche, welche die Gegenmassnahmen zuviel finden, kommen denen da grade recht, stellen sie doch den Staat ausgerechnet in der Kriese in Frage.
Dass Verschwörungstheorien und Rechtsextreme zusammenpassen, ist ja nichts neues. Erstens stellen auch die Anhänger von gleich welchen Verschwörungstheorien die offizielle Sichtweise in Frage, erst recht, wenn sie den Staat als an Verschwörungen beteiligt sehen. Zweitens Sind und waren Rechtsextreme immer schon selber Verschwörer und Verschwörungstheoretiker. Ein gut Teil der Geschichte gewordenen Feindbilder der braunen sind per Verschwörungstheorie aufgebaut worden.
Ich schlage vor, zumindest hier wieder auf eine etwas andere Ebene der Diskussion zurück zu finden. Es wäre nicht das erste mal, dass die Leitmedien kurz drauf das gleiche täten (kann Zufall sein). Der braunen Pampe, wird man nämlich nicht beikommen, indem man ihr allzu viel Raum gibt. Mit Blick auf die grade formulierten Zusammenhänge wäre das auch sinnlos. Den Rechten ist schlicht jedes Mittel recht, sich zu profilieren und - wenns sein muss auch nur scheinbar - zu destabilisieren. Und je mehr die, die instrumentalisiert wurden, auf Differenzierung drängen, umso mehr bleiben die braunen im Fokus.
Da hilft nur eins: Distanzierung.
Wer denn wirklich findet, die Coronamassnahmen gingen zu weit, der nutze halt eben andere Wege. Man kann beispielsweise sich direkt an Behörden und Politiker wenden, mit einem Brief oder einer Mail. Nur: Tut uns allen dabei den Gefallen und haltet euch an die gebührenden Umgangsformen. Zu einem Brief gehört unter nicht näher Bekannten die Höflichkeitsform, eine Absenderadresse, eine respektvolle Anrede, eine ebensolche Grussformel am Ende und eine eigenhändige Unterschrift, nebst ausreichendem Porto.
Man kann manchmal nicht verhindern, von anderen instrumentalisiert zu werden. Aber man kann aus Erfahrung klug werden und sich das nicht widerholen lassen. Man kann weiter versuchen, ein Gegengewicht zu schaffen, indem man sich nicht nur Inhaltlich, sondern im vorliegenden Fall auch der Form nach von dem braunen Mob distanziert. Legitime Kritik verdient eine Form, die dem Inhalt entspricht.
Nicht missverstehen: Ich finde die Corona-Massnahmen nicht übertrieben. Ich sags zum wiederholten mal: Ein Mund-Nasen-Schutz ist meines Erachtens eine einfache, relativ billige und nachvollziehbare Massnahme gegen Corona. Auch, weil er keinen sonstigen Schaden anrichtet, anders als ein Lockdown.