Das Problem an all diesen Ansätzen ist, dass man mit grundsätzlich innovativen Technologieansätzen versucht ungeeignete Verbrauchsszenarien zu bedienen, nur weil man an diese Verwendungsmuster schon mal gewöhnt ist. Benzin = Betanken von PKW, also muss synthetisches Benzin ebenfalls zuallererst für das Betanken von PKW sinnvoll sein. Statt zu überlegen, in welchen Bereichen vielleicht synthetischer Treibstoff wirklich einen Vorteil haben könnte.
Ich hatte heute ein Gespräch über Wasserstoff aus Schadholz und Klärschlamm - höchst innovativer Ansatz, aber der erste Gedanke, der dem euphorischen Projektplaner kam, war: "Dann brauchen wir keine Elektroautos, sondern warten auf das Wasserstoffauto. BMW plant da ja schon was".
Also anstatt zu sagen: "Hey super, wir können synthetische Treibstoffe oder Wasserstoff verwenden, dort wo andere Lösungen schwer umsetzbar sind (Schwerlast, Industrie, Flugverkehr etc.)", versteift man sich darauf, dass man unbedingt vorrangig das Betanken eines banalen PKW in die Energiewende hineinretten muss. Und man weckt damit unweigerlich bei weiten Bevölkerungsteilen falsche Erwartungen, die die notwendige Transformation im Mobilitätsbereich verzögern und boykottieren.
Wenn ich von jedem, der zu mir schon gesagt hat "Ich warte auf das Wasserstoffauto", in 20 Jahren 10 Euro bekäme, wenn er bis dahin noch immer keines fährt, könnte ich mich auf einen angenehmen finanziellen Polster im Ruhestand vorbereiten