Das stimmt so schlichtweg nicht - die Optionen sind entweder personenbezogen, dann behält man sie ggf. auch für den nächsten Tesla, oder fahrzeugbezogen, dann werden sie natürlich auch auf den nächsten Besitzer übertragen, wie das bei zigtausenden gebrauchten Teslas mit aktiviertem Autopiloten und kostenlosem Supercharging natürlich der Fall ist. Bei einigen Baureihen gab es eine Beschränkung des kostenlosen Superchargings auf den Erstkäufer - das muss man sich halt vorm Kauf ansehen.
Der Fall auf den du anspielst, ist jener eines Zwischenhändlers, der einen gebrauchten Tesla mit irrtümlich freigeschaltetem Autopiloten weiterverkauft hat. Die Funktion wurde also defacto nie bezahlt. Ja, das war wohl ein Fehler bei Tesla selbst, aber als Gebrauchtwagenkäufer hat man bei Bedenken jederzeit die Möglichkeit vorab bei Tesla abzuklären, welche Optionen freigeschalten sind und bei Gebrauchtwagenkauf auch bleiben.
Ja, der Autopilot in seiner aktuellen Form funktioniert selbstverständlich im Betrieb auch ohne laufende Datenübertragung - eben rein offline über Sensorik und Software. Allerdings - und das betrifft aus meiner Sicht alle zukünftigen autonomen Systeme und deshalb halte ich die spezielle Aufregung über Tesla eben für nicht gerechtfertigt - geht es hier um das Thema Big Data und Machine Learning - derartige Datenmengen wie sie zur Verarbeitung notwendig sind, können weder vom Fahrzeug selbst erzeugt, noch vom Fahrzeug selbst verarbeitet werden. Deshalb wird man bei weiterentwickelten Systemen - vermutlich nicht dauerhaft, aber doch sehr regelmäßig - auch einen Abgleich von verarbeiteten Daten zulassen müssen. Die Offline-Variante funktioniert für einen einfachen Spurhalteassistenten auf der Autobahn, aber nicht für ein autonomes Fahrzeug.
Und hier gehts ja nicht darum mit jedem Rehlein kommunizieren zu können, sondern bereits verarbeitete Daten von einem vorausfahrenden Fahrzeug oder von der Straßeninfrastruktur selbst beispielsweise in die eigenen Berechnungen einfließen lassen zu können, oder die eigenen Sensordaten zur Weiterverarbeitung an eine zentrale Cloud zu schicken. Das sind Daten, wo es darum geht, je mehr gesammelt werden kann, umso besser funktioniert das System.
Aber ja, es ist eine Grundsatzentscheidung. Ich halte es im Gegenteil zu Precht weder für ein Grundrechtsdilemma, noch für ein Scheinargument, um möglichst viele Daten sammeln zu können, sondern für technisch notwendig, wenn man hier wirklich weiterkommen möchte. Die Angst vorm totalen Überwachungsstaat teile ich nicht, denn er hätte längst die Möglichkeit, viel intensiver auf vorhandene Daten zuzugreifen, um Bußgelder zu verteilen. Tut er aber nicht.
Persönlich hielte ich autonomes Fahren natürlich für sehr bequem - insbesondere am Land, wo man täglich weite Strecken mit großer Aufmerksamkeit zurücklegen muss und auch auf keinen Spurhalteassistenten zurückgreifen kann. Autobahn oder Stadt interessiert mich persönlich in diesem Zusammenhang dagegen weniger, denn für diese Strecken gibt es in der Regel öffentliche Verkehrsmittel, die das Fahren für mich erledigen. Aber genau am Land wird es am aller wenigsten wahrscheinlich zu autonomen Fahren in den nächsten 20 Jahren kommen. Somit für mich eine etwas nebensächliche Innovation, außer vielleicht für den Lastverkehr, wo es dadurch wirklich zu einer spürbaren Unfallreduktion kommen wird.
Aber sicher, wenn man sagt, wenn diese Technologie nur vernetzt funktioniert, will man das als Gesellschaft nicht, dann werden wir hier ohnehin so lange auf der bürokratischen Bremse stehen, bis wir auch hier wieder aufwachen und denken, dass die ganze Welt sich gegen uns verschworen haben, weil Innovation und Wirtschaftswachstum eben woanders stattfinden.
Nur es ärgert mich, wenn man sich bei diesem Thema medial wieder an Tesla abarbeitet, obwohl derartige Datenübertragungen bei allen anderen Herstellern ebenso vorkommen - mit Ausnahme möglicherweise der exzessiven Bildübertragung, die Tesla tatsächlich als Einziger ins Cloud Computing übermittelt, um die Autopilot-Software damit zu speisen und zu trainieren.
Und vor allem: Man hat jederzeit im Tesla die Möglichkeit diese Datenübertragung zu unterbinden. Dann kann man halt nicht den vollen Funktionsumfang nützen, sondern hat eben "nur" ein "ganz normales" Auto mit Abstandstempomat und Spurhalteassistenten.