Ist es ein Rollback, oder einfach ein Pendel, das den linken Totpunkt hinter sich lässt.??
Mir leuchtet immerhin die Anmerkung ein, dass Political Corectness Sache der Politik ist. Humor war noch nie korrekt. Weder politisch noch sonstwie. Humor ist gerade der Ausbruch aus Konventionen.
Daran, dass die Fessel der politischen Korrektheit den Diskurs - mittlerweilen in fast allen Themenbereichen - lähmt oder verunmöglicht, ist auch was dran. Mehr als gut ist sogar. So gesehen ist die Arroganz schon fast heilsam, weil sie sich über das gewöhnliche unbedingt hinwegsetzt.
Nun kann man natürlich der Ansicht sein, political corretness sei immer und überall einzuhalten. Aber: Ist nicht gerade eines der Totschlagargumente der Rechten das, dass man bestimmte Dinge nicht mehr sagen dürfe? Also: Giesst ruhig noch ein Kännchen Öl nach, indem ihr alles verteufelt, was sich nicht an die "Konvention" der selbsternannten Anständigen hält. Die gar keine Konvention ist. Eine Konvention würde einen Diskurs voraussetzen, dem eine Übereinkunft folgt. Diesen Diskurs verhindert man aber gerade mit Hinweis auf political correctness.
Für mich gehört Lisa Eckhart sicher nicht in die rechte Ecke. Die schlägt eher in die gleiche Kerbe wie Helge Schneider damals mit "Mein Führer" - Wird Zeit, dass man Perspektivwechsel auch der humoristischen Art langsam zulässt.
Mir fehlt die gute alte humanistische Bildung früherer Jahrzehnte als Basis für gesellschaftliche Diskussionen. Die brachte automatisch eine gewisse Fähigkeit zum Umgang mit verschiedenen Perspektiven und Konfliktfähigkeit durch Kenntnis der eigenen kulturellen Vergangenheit, die nicht immer kompatibel war mit dem, was heute gilt. Diese Kenntnis ist heute nicht mehr selbstverständlich, und das wird dann versucht, mit Denk- und Redeverboten zu beherrschen. Dabei wäre das offene Gespräch so wichtig. Eins, in dem nicht jeder ein Nazi ist, der die eigene Ansicht nicht teilt. Umso glaubwürdiger ist es dann, wenn man mal wirklich einem Nazi sagen muss, was er ist, und was man davon hält.
In Bezug darauf hat die heutige Deutsche Gesellschaft noch viel zu lernen.
Es kann nämlich auch sein, dass man irgendwann so oft unberechtigterweise "Nazi" und "Rechtsextrem" geplärrt hat, dass es dann kein Schwein mehr interessiert, wenns mal zu Recht so tönt. Und dann bricht das vierte fünfte Reich an, und man wird wissen, und sich sagen lassen müssen, dass man das durchaus hätte vermeiden können.
Was momentan geschieht ist sowas wie ein Versailler Vertrag bezogen auf den öffentlichen Diskurs. Und irgendwann kann es durchaus passieren, dass einer, der den niederreisst, es nicht so harmlos und integer angeht, wie eine Lisa Eckhart.
Was wir bräuchten, wäre ein Marshall-Plan für den Diskurs. Also nicht einfach alles Gefährliche verbieten, und jeden aus Prinzip schon prophylaktisch entwaffnen und agrarisieren, sondern dafür sorgen, dass die Leute was zu verlieren haben. Haben sie gerade nicht, wenn ganz normale Dinge unsagbar werden, weil irgend eine Gruppe meint, das sei politisch unkorrekt.