Die gesamte Biologie-Fachsprache ist voll von Begriffen, die eigentlich seit dem Zweiten Weltkrieg zumindest hinterfragt gehörten.
Die zweite Zeile des Zitats hat für mich einen anderen Hintergrund. Das ist schlicht Gossensprache, die es in die Mitte der Gesellschaft geschafft hat, weil es bei der Jugend hipp ist, gar nicht mehr richtig Deutsch können zu wollen. Da gibts Deutsche, die in D geboren sind und deren Eltern und Grosseltern schon deutsch sprachen, als Muttersprache, die aber doch nicht richtig Deutsch sprechen. Das ist seit etwa zehn Jahren modern.
In der Schweiz gibt und gabs in der Zeit zum Beispiel etliche Werbespots, in denen Schweizerdeutsch mit hörbar ausländischem Akzent gesprochen wird, bis hin zu absichtlich falscher Grammatik. Warum verstehe ich nicht, vermute aber, dass das Weltoffenheit und Multikulturalität suggerieren soll.
Mittlerweilen ist die Jugend in D und CH so weit, dass sie zwar mehrere Sprachen spricht, aber keine davon richtig, auch und vor allem nicht die Muttersprache. Ausgehend von zwei Sprachen, die wild gemischt werden, nennt man das soweit ich weiss "doppelte Halbsprachigkeit".
Mangels Wissen zu Vokabular und Grammatik entstehen dann Ausdrücke, die auf Behinderungen oder Behinderungssymptome anheben. Da ist nicht nur dieser Ausdruck, sondern der komplette Sprachgebrauch unüberlegt und Gedankenlos. Ich persönlich halte das in solchen Fällen auch nicht mehr für einen quasi "mildernden Umstand" den man zu verzeihen hat, sondern schlicht und einfach für ärgerlich bis provokant; spätestens ab dem Punkt, wo auch solche mitmachen oder mitmachen sollen, die es sehr wohl besser wüssten.
Nun ist es aber so, dass Sprache sich schon immer laufend weiterentwickelte. Wird sich also nicht aufhalten lassen.
Nur: Wer den Begriff Spastik mal nachgeschlagen hat, der wird wissen, dass allenfalls diejenigen "Sprachspastiker" sind, die mit dem Begriff - und auch noch in verstümmelter Form - danach trachten, andere herabzuwürdigen.
Spastik und Spasmen - nicht das Selbe! - sind Begleiterscheinungen von Lähmungen. Die, die dran leiden, habens sich nicht ausgesucht und machen das nicht extra. Die SIND behindert. Das dann als Schimpfwort gebrauchen zu wollen deutet meiner bescheidenen Ansicht nach auf geistige Defizite hin. Jedenfalls, wenn man das dann auch noch mit Gedankenlosigkeit entschuldigen soll.
Schreibt einer, der zum Glück nur an leichten und nicht durchgängigen Spasmen leidet, und dem Spastik immer mal wieder das Leben und die Bewegung schwer macht, wenn auch ebenfalls nur in leichterer Form.
Und: Ja, klar, behindert bin ich auch. Und? Soll mich das jetzt entwürdigen? Glaube nicht. Zu dem: Behindert sind menschen. Eher selten sind es Dinge und dynamische Vorgänge nichtbiologischer Art. Und so gut wie nie sinds die Dinge, die eine gewisse - ich nenns mal provokativ erkenntnisbehinderte - Klientel im Sinne der obigen Pseudoredewendung bezeichnet.
Allenfalls ist das eine Spastik des Geistes. Das würde begrifflich sowas wie eine geistige Lähmung oder Schädigung bedingen.
Nichts, was geeignet wäre, die mit diesem Sprachgebrauch Bedachten auch nur irgendwie unangenehm zu berühren.