Als didomats alter ego gebe ich eine Teilantwort. Wir sprechen nur über Deutschland, und das bedeutet, die Mentalität und die Unterschiede innerhalb unserer Republik müssen gesehen werden, zudem der Gegensatz zu anderen Ländern in Europa, wo ein Lockdown nicht so greift wie bei uns, aber auch sonstige erhebliche Unterschiede im Alltagsverhalten müssen bei den zielführenden Maßnahmen berücksichtigt werden.
Die Behauptung, dass sich die Infektionen hauptsächlich im privaten Kreis verbreitet hätte, das vergessen wir ganz schnell (hatte ich bereits vor einigen Tagen angedeutet). Heute hat es mein Lieblingsfeind erklärt - kann er nur sein, weil blitzgescheit und auf der gleichen Arroganz- und Humorebene wie Steinkult, Virologe Robert Zangerle.
Selbsterklärend liegt der Schlüssel zur Erklärung der erhöhten Infektionszahlen außerhalb der Privathaushalte. Der Einkauf (oft als shopping, das bedeutet event, also auch "Kneipe", nur ohne Bier) und natürlich die Gastronomie im weitesten Sinne, gehören zu den hauptsächlichen Infektionstreibern.
Bei der Rückverfolgung erinnern sich die Leute aber immer nur ans Private und niemals an den Eroscenter (außer ich, aber nur weil bewusstseinspaltfähig, also er war nicht da).
Warum liegen die Zahlen innerhalb der alten BRD in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz so niedirig? Weil dort abends die Bürgersteige hochgeklappt werden. In Berlin, Düsseldorf, Köln, Bremen, Hamburg da tanzt der große Bär und in dessen Pelz auch Covid.
Die Gastronomie liegt im Lande allgemein betrachtet darnieder. Also die offizielle Version, dass sie nicht verantwortlich für die hohen Zahlen sei, stimmt - aber auch nicht. Da, wo sie floriert, vor allem in den "angesagten" Läden, dort, wo viele Gäste auch von außerhalb kommen, liegt der Schlüssel, dort muss man konsequenter kontrollieren.
Ich gebe ein Beispiel - jeden Abend bin ich mein eigener Hund und gehe zweimal gassi, markiere meine Revier durch Einfälle, motorisch gesehen eine Mischung aus Flanieren und Joggen. Da schaue ich mir in meinem Viertel die reichlich vorhandene Gastronomie an und sehe täglich drei "In-Restaurants", nur eines kontrolliert die "Massen".
Der mit den selbstgmachten Burgers ist besonders schlimm - bildhübsche junge Frauen, es liegt "Eros" (mehr als Sex, auch mehr als Liebe) in der Luft. Wenig Stammkundschaft, die Leute stehen Schlange um reinzukommen, der Virus lacht sich schlapp und bedient sich. Es sind genau die Leute, mit den vielen Kontakten, in verschiedenen Städten. Dort muss man eingreifen. Also die Kontakte einschränken, und übrigens auch im richtigen Moment, aber das ist ein anderes Thema.
PS: Hier der heutige Beitrag von HIV Prof Zangerle, er haut manchmal unglaublich tiefe Sätze raus, etwa, Zitat: "Um die Anzahl der Ansteckungen stabil zu halten, brauchte es bei 40 Ansteckungen pro Tag die gleichen Maßnahmen wie bei 4000 pro Tag." Ein Satz von tiefer mathematischer und philosophischer Wahrheit, ein abstractum, das sollte es auch bleiben. Der darf niemals in die falschen Hände gelangen, dann sterben wir nämlich alle zu 100% an Hunger.
https://cms.falter.at/blogs/athurnher/2020/10/30/corona-je-spaeter-massnahmen-gesetzt-werden-desto-ungerechter-werden-sie/