Ich kenne da schon den einen oder anderen, der allen Grund zu vorwürfen hätte. Mein bester Freund ist über 70. Der ist zwar nicht hysterisch, aber gebildet genug, um zu erkennen, dass die coronaregeln durchaus ihren Sinn haben, und er zur Risikogruppe gehört. Der kann absolut nicht nachvollziehen, dass es zuhauf Menschen gibt, die am liebsten noch andere mit Absicht auf kürzeste Distanz anhusten. Einfach, weil sie das können... und er kann auch nicht nachvollziehen, was eine Maskentragepflicht mit der Verletzung von Grundrechten zu tun haben soll. Oder, warum man nicht von selber drauf kommt, an der Bushaltestelle, wo die Leute auf engstem Raum beisammen stehen, eine Maske zu tragen.
Mein zweitbester Kumpel ist Nierentransplantiert, und seit kurzem auch noch querschnittgelähmt. Für den würde, mit auch schon über 60, eine Corona-Infektion den sicheren Tod bedeuten. Der weiss schon aus seiner leidigen Erfahrung mit leider regelmässigen Harnwegsinfekten, was das für ihn und die Niere, die ihm vor rund 20 Jahren seine Frau schenkte, bedeutet. Der würde Dir mit absoluter Sicherheit was zu Deinem Vorschlag husten. Du hättst da Glück, dass der als Rollstuhlfahrer nicht mehr so schnell ist und nicht mehr so hart zuschlägt, wie früher mal...
Mit sehr viel mehr Todesfällen aufgrund diverser Krankheitserreger und einer nicht nur deswegen wesentlich kürzeren durchschnittlichen Lebenserwartung. Noch zu Bismarks Zeiten erreichte nicht jeder fast selbstverständlich das 60. Lebensjahr.
Die meisten sehen es als Fortschritt an, dass das heute anders ist. Covid19 scheint auch diesen Konsens in Frage zu stellen.
Danke für das Beispiel. Der Gedanke kam mir als Jurist schon vor geraumer Zeit. Aber der Vergleich zieht , so dachte ich, genau deshalb nicht, weil doch auch im Strassenverkehr schon jeder sich selbst der nächste ist. Es gibt allzu viele, die diese Grundregel schon im Zuge der Ausbildung für den Führerschein nie gelesen haben. Die gängigen Lehrbücher (bzw. Lernsoftware) beschränken sich ja auf praktische Anwendungsbeispiele der konkreteren Verkehrsregeln, und schon das ist den meisten zu viel.
Danke. Du lässt im Beispiel der Fitnesstudios zwar die Problematik der Aerosolkonzentratien und der Luftreinigung weg,, triffst den Nagel ansonsten aber gut auf den Kopf. Danke auch für den Hinweis zur Gesetzgebungs"mechanik". So ist es.
Wer verlangt, dass da mehr auf Gesetzesstufe geregelt sein müsse, der ist nur ein gut getarnter Gegner der Corona-Massnahmen. So schnell sind Gesetze gar nicht machbar, wie sich die Situation bezüglich Covid19 ändert. Das kann man (von der Dynamik her) mit einer Kriegssituation vergleichen. Wie realistisch ist es denn, im Verteidigungsfall den Oberbefehl über die Armee dem Parlament zu belassen? Sogar in der direktdemokratischen Schweiz, die zudem durch eine Milizarmee viel weniger Gefahr läuft, dass die Armee gegen die eigenen Leute eingesetzt werden kann, ernennt im Ernstfall einen General als Oberbefehlshaber über die Armee... Gabs bislang dreimal, und jedes Mal war das nur ein vorübergehend undemokratischer Zustand. Die letzten beiden Male dauerte der Jahre. Und da fängt man jetzt, beim Pandemiefall, schon nach monaten an zu nöhlen, obschon offensichtlich die Pandemie weitab von vorbei ist?
Ich kann euch sagen, dass die unmittelbaren Pandemiebekämpfungsmassnahmen auch in der Schweiz (auf Bundesebene) auf einem einzigen, dürren Gesetzesartikel (Art. 6 EpG [CH]) mit zugehörigen, sich darauf stützenden Verordnungen, fussen. Bei der noch undemokratischeren Ausserordentlichen Lage (wie im März/April 2020, während des "shutdown") wärs dann Art. 7 EpG (CH).
Es gibt daneben ein Covid-19-Gesetz (CH), das sich aber mit den zum Ausgleich notwendigen Modifikationen der Altersvorsorge und den Kompensationszahlungen, Kredithilfen und allem anderen drum und dran befasst, was das Epidemiegesetz nicht vorgesehen hatte.