Ihr macht es Euch mit Eurer Kritik zu leicht. Der Abwehrreflex ist verständlich, aber der Film ist nach meinem Eindruck doch differenzierter als ich Euren Kommentaren entnehme. Die Energiewende wird überhaupt nicht alternativlos dargestellt, aber ihre Irrwege und die mit ihr verbundenen Probleme werden deutlich gezeigt. Am Ende wird angedeutet, dass die Weltgesellschaft den eingeschlagenen Weg weiter gehen muss - übersetzt in meine Diktion. Und, ganz wesentlich: Als wirklich alternativlose Lösung der Umweltprobleme wird vom umfassenden Verzicht auf Gewohnheiten der hochindustrialisierten Länder verweisen. Dem kann ich nur zustimmen. Auf unser Auto-Foren-Thema "Mobilität" kapriziert hieße das: E-Autos sorgen für emissionsarme, saubere Luft in den Ballungsräumen, aber sie lösen nicht das grundsätzliche Problem, dass der Klimawandel gestoppt werden muss. Lösungsansatz wäre: Auf andere umweltverträglichere Verkehrsmittel setzen (Bahn, Rad), weniger Auto fahren, weg mit SUV, wirksame, überwachte Tempolimits, größtmögliche Verlagerung des Güterverkehrs auf die Bahn (schwierig genug!), eben Energiesparen überall wo es geht.
2 Probleme, die der Film thematisiert, als Beispiel:
1. Weltweit werden bald Millionen E-Fahrzeuge unterwegs sein. Woher kommt die Elektrizität? Schwerpunktmäßig aus fossiler Energie - eben weltweit betrachtet. Das lässt sich doch nicht weg diskutieren! Der Anteil erneuerbarer Energien steigt zwar, aber weltweit gesehen viel zu langsam. Damit steigt natürlich der CO2-Ausstoß. Ich behaupte hier seit einem Vierteljahr im Übrigen, gestützt auf gut recherchierte Literatur, dass die E-Mobilität den CO2-Ausstoß auch in D vergrößert, weil in vielen Gutachten Greenwashing betrieben wird, indem vom falschen Strommix ausgegangen wird. E-Autos fahren auch bei uns mit zu viel Fossilstrom, weil nur die fossil und atomar erzeugte Grundlast Verbrauchsspitzen gerecht wird - nicht aber der Ökostrom.
2. Was mir in diesem Ausmaß nicht bewusst war: Die Batterieherstellung bzw. die Ausbeutung der Rohstoffe (für E-Autos, Solarmudule und Windräder) ist problematischer als ich gedacht habe. Ich tat das immer ab als die Kritik derjenigen, die bloß Stammtischargumente gegen E-Mobilität bemüht haben. Da liefert der Film aber Anschauungsmaterial, das hier im Forum auch schon Thema war als neulich mal eine Quelle zitiert wurde, in der die Sozialverträglichkeit der Batterieproduktion verschiedener Hersteller gegenübergestellt wurde - mit traurigem Ergebnis z. B. für die PSA-Batterieherstellung. Auch das kann man nicht weg diskutieren. Und jetzt bitte nicht mit dem Contra-Argument, mit der Ölförderung sei das alles doch noch viel schlimmer. Man kann ein soziales und ökologisches Übel nicht mit einem anderen Übel relativieren.
fl.