Zylinderkopf und Auspuffkrümmer
Der BX hat schon seit dem Kauf vernehmlich Abgase abgeblasen. Nachdem er jetzt recht ordentlich läuft, ist dieses Gepatsche erst so richtig in den Vordergrund getreten. Sebastian meinte gleich, es kommt vom Auspuffkrümmer. Ich wollte zunächst die etwas einfacheren Möglichkeiten ausschließen. Also mit dem Verbindungsstück zwischen Hosenrohr und Auspuffrohr angefangen. Die sah recht abenteuerlich aus und hatte auch nicht mehr gar zu viel Abdichtfunktion. Nach dem Einbau eines Original-Ersatzteils sah das Ganze schon deutlich vertrauenserweckender aus ... Abgeblasen hat er immer noch.
Sebastian meinte, es kommt vom Auspuffkrümmer. Mir war die Brillendichtung vom Hosenrohr lieber. Getauscht, keine Verbesserung. Sebastian meinte ... ich hatte jetzt das Hosenrohr im Verdacht. Getauscht, und das Auspuffrohr gleich mit, keine Verbesserung. Ihr wisst ja, was Sebastian meinte ... also haben wir uns endlich unter mittelschweren Verrenkungen an die Prüfung der Dichtungen des Auspuffkrümmers gemacht. Viel zu prüfen gab es nicht - bei genauerem Hinsehen war schnell klar, dass ein Stehbolzen des Auspuffkrümmers im Zylinderkopf abgerissen war.
Tja ... und damit war klar, was die Ursache des Abblasens war - und dass der Zylinderkopf runter muss. Wie schön!
Nachdem der Ventildeckel runter war, kam uns das Ölsprayrohr mehr oder minder schon entgegengeflogen. Alle 5 Aufnahmen waren abgebrochen. Ich vermute, dass sich beim letzten Zahnriemenwechsel jemand ganz elegant auf dem Rohr abgestützt hat, das dann ganz elegant abgebrochen ist, und der Schaden ganz elegant nicht behoben, sondern das Rohr einfach irgendwie wieder reingesteckt wurde. Das führte dann dazu, dass 3 Nocken der Nockenwelle schon um mindestens 2 mm eingelaufen waren, weil die Ölversorgung fehlte.
Der nächste Brocken war das Lösen der Kopfschrauben, ohne sie abzureißen. Wir haben die Schrauben mit dem Schlagschrauber gelöst; das hat auch bei 7 Schrauben relativ (!) problemlos funktioniert. Zwei waren recht widerspenstig ... und eine hat sich so merklich gedehnt, dass ich mir sicher was, dass sie gleich abknallt. Zum Glück ist das nicht passiert, sonst hätte der Motor vollends ausgebaut werden müssen - und darauf hatte ich ehrlich gesagt keinen Nerv.
Wenn der Kopf schon mal unten ist, kann er auch gleich zum Motorinstandsetzer. Der hat den Kopf geplant, die Ventilschaftdichtungen erneuert, die Ventile eingeschliffen und das Ganze auf Dichtigkeit geprüft. Und natürlich den abgerissenen Stehbolzen ausgebohrt und ein neues Gewinde gesetzt.
Der Auspuffkrümmer ist zu einem Spezialbetrieb gegangen, der das Teil einspannen (das konnten ein paar andere Betriebe nicht) und planen konnte.
Tja ... und dann kam mein ganz persönliches Waterloo: Warum auch immer habe ich beim Einsetzen der neuen Nockenwelle die Lagerschalen vertauscht. Da ich dachte, ich schraube gegen den Wiederstand der Ventile, ist mir auch nicht aufgefallen, dass da etwas nicht stimmt - und kurz vor fest kam ab. Kein Problem dachte ich, tauscht Du eben die Lagerschale. Falsch gedacht ... die Teile sind motorspezifisch und nicht untereinander tauschbar. Das war dann der Punkt, an dem es mir für einen etwas längeren Moment wirklich gereicht hat 🤮
Ich habe die Lagerschale zum Laserschweißen geschickt. Das Ergebnis sah auch ganz gut aus, hat aber letztlich doch nichts gebracht, weil das Maß im Zehntel-Miliimeter-Bereich nicht mehr stimmte / zu groß war. Damit wäre mir an der Lagerschale vermutlich der gesamte Öldruck flöten gegangen. Also hat der gerade frisch instandgesetzte Kopf noch Schrottwert, und ich habe einen neuen gesucht. Wie es der Zufall wollte, wurde gerade ein anderer überholter Kopf in Frankreich angeboten. Schön! Nur wollte der Besitzer nicht nach Deutschland verkaufen. Versenden nach Deutschland schon gleich gar nicht. Und Zahlung nur per Scheck. Also habe ich einen Freund in Frankreich gebeten, den Kopf zu kaufen, ihn zu sich schicken zu lassen, den Verkäufer mit Scheck zu bezahlen, und den Kopf schließlich an mich zu schicken. Kaum 3 Wochen später war der neue Kopf schließlich da. Was ein Aufriss!
Aktuell ist der Kopf auf dem Motorblock und die Schrauben sind mit 60 NM vorangezogen, nachdem wir das Ventilspiel eingestellt haben (ein schönes Meß-Spiel mit vielen kleinen Shims 🙃). Heute habe ich begonnen, die Peripherie wieder zusammenzusetzen. Wenn das fertig ist, kommt als nächstes der Zahnriemen drauf, dann kann der Motor laufen und es geht weiter mit dem Anziehen der Zylinderkopfschrauben.