Hab letztens diesen Beitrag hier gelesen. Leider Facebook. Somit hier nur das Schriftliche.
Im Link kann man dann noch die Diagramme dazu sehen.
https://www.facebook.com/574733955/posts/10158687585438956/?d=n
Edit: Trotzdem bleibt für mich immer noch die Frage, was wäre ohne Lock Down ?
Hier nochmals ein umfassendes DIVI Zahlenupdate mit dem nun vorliegenden vollständigen Dezember 2020.
Chart 1️⃣: Das ist die Grafik, die wir seit Monaten von den Medien gezeigt bekommen. Die Anzahl der c-positiven Patienten auf Intensiv steigt. Sieht bekannterweise dramatisch aus und wird gerne medial verwendet (c-Patienten auf ITS von 01.07. auf 31.12.2020 von 329 auf 5.639 gestiegen, d.h. PLUS von ca. 5.300).
Chart 2️⃣: Das ist eine Grafik, die wir von den Medien nicht gezeigt bekommen Die Anzahl der c-negativen Patienten auf intensiv sinkt fast in gleichem Umfang und das bereits seit Juli (ich berichtete mehrfach darüber, der Trend hat sich im Dezember fortgesetzt)
(c-negative Patienten auf ITS von 01.07. auf 31.12.2020 von ca. 21.100 auf 16.200 gesunken, MINUS 4.900).
Chart 3️⃣: Hier sieht man die Gesamtschau beider Effekte. Wie sofort ersichtlich, hat die Gesamtbelegung auf Intensiv seit 01.07. kaum zugenommen (von 01.07. auf 31.12.2020 von 21.400 Patienten auf 21.800 ein Plus von überschaubaren 400 Patienten oder 2,8% innerhalb von 6 Monaten !!). Es hat also höchstüberwiegend lediglich eine Verschiebung (mehr positive, weniger negative Patienten) in der Zeit stattgefunden. Dieses wichtige Faktum wird in den Medien einfach verschwiegen.
Chart 4️⃣: Wie sieht es im Dezember aus, hat sich die Situation in den Intensivstationen in diesem Monat verschärft? Wenn man den Darstellungen in den Medien glauben mag, wurde es dort ja jeden Tag schlimmer. Daher habe ich in anhängender Tabelle die Entwicklung seit dem 01.12.2020 im größtmöglichen Detail unter die Lupe genommen:
A) Die Anzahl der in deutschen Intensivstationen insgesamt behandelten Personen ist im Dezember um 321 Patienten GESUNKEN !
B)Entgegen der landläufigen Annahme, dass die C-Patienten inzwischen die Mehrheiten auf den Intensivstationen stellen, ist es genau andersherum: Im Schnitt liegen in jedem Krankenhaus mit Intensivstation im Schnitt 4,4 C-Patienten, (1,3 mehr als vor einem Monat), aber 12,6 sonstige Patienten (1,6 weniger als vor einem Monat). Die Gesamtbelegung (c-negativ und c-positiv) liegt nun bei 17,0 Patienten pro Krankenhaus im Schnitt (nach 17,2 Patienten Anfang des Monats Dezember). Rechnerisch haben somit lediglich 27% der auf intensiv liegenden Patienten einen positiven Corona-Status.
C) Die Auslastungsquote der deutschen Intensivstationen (nur Normalkapazität, ohne Notfallbetten) liegt aktuell bei 82,1% (Zum Vergleich: 01.12. 80,2%). Wie aus dem Zusammenspiel der vorherigen Punkte sofort ersichtlich kann die gestiegene Auslastungsquote nicht am gestiegenen Patientenaufkommen liegen (dieses war ja wie aufgezeigt stabil), sondern nur an der (rückläufigen) Anzahl der gemeldeten Betten. Hierfür gibt es eine Vielzahl von Gründen.
Chart 5️⃣: Die DIVI- Intensivstatistik setzt sich aus Low Care Betten (ohne invastive Beatmung) und High Care Betten (Beatmungsbetten) zusammen. Daher schaue ich in diesem Punkt nochmals das Teil-Segment der Beatmungsbetten an (und lasse die Betrachtung der low-Care-Betten außen vor).
Hier zeigt sich, dass die Gesamtanzahl der belegten Beatmungsbetten sich im Dezember von 8.158 (01.12.2020) auf 8.334 (31.12.2020) erhöht hat. Es handelt sich also um eine Zunahme von knapp 200 Patienten in der gesamten Bundesrepublik verteilt auf 1.287 Krankenhäuser. Auch in diesem Segment stellen die C-Patienten nicht die Mehrheit, sondern die Minderheit (sie belegen ca. 26% der High Care Betten). Auch hier zeigt sich die seit Monaten zu beobachtende Verschiebung zwischen c-positiven und c-negativen Patienten. Die Auslastung in diesem für die Corona-Patienten wichtigsten Subsegment liegt (lediglich) bei ca. 71% !
Die Auslastung in den (wichtigen) High Care Betten ist also geringer als die Gesamtauslastung aller Intensivbetten. Wenn das keine gute Nachricht ist, dann weiß ich auch nicht.
Chart 6️⃣: Die Medien suggerieren, die Toten stammten höchstüberwiegend aus den überlasteten Intensivstationen. Dieser Eindruck wird auch durch Fotomontagen bzw. Symbolbildern erzeugt, welche die RKI-Totenzahl im Zusammenhang mit Bildern aus Intensivstationen zeigt. Auch hier ist die tatsächliche Lage eine andere: Im Monat Dezember stammten über 2/3 der ‚Corona-Toten‘ nicht aus den Intensivstationen. Dies bestätigt das Bild, das bereits das Durchschnittsalter der Verstorbenen (ca. 82 Jahr) zeichnet: Corona kann in den höchstüberwiegenden Anzahl an Fällen nicht führende Todesursache sein. Die einzige Erklärung ist die folgende: Die positiv getestet Verstorbenen waren bereits moribund, sie waren entweder bereits zu altersschwach bzw. zu stark vorerkrankt (oder beides), als dass ihr Allgemeinzustand noch eine intensivmedizinische Behandlung zugelassen bzw. ethisch vertretbar gemacht hätte. Dazu passen auch verschiedene Presse-Berichte, dass über 80% der „Corona-Toten“ aus Pflegeheimen stammen. Hierzu muss man sich vor Augen führen, dass rund 2/3 der Pflegeheimbewohner unter Demenz leiden und im Schnitt eine Restlebensdauer von nur noch 1 Jahr haben.
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0033-1361181
Dieses eine Jahr Restlebenserwartung IM SCHNITT bedeutet statistisch übrigens, dass es auf der einen Seite todgeweihte Bewohner gibt mit nur noch wenigen Tage oder Wochen an restlicher Lebenserwartung und auf der anderen Seite Menschen, die noch 2 Jahre zu leben haben. Rechnerisch sterben pro Monat im Schnitt rund 8% aller Pflegeheimbewohner- diese Lücke wird durch Nachrücker aufgefüllt. In den Wintermonaten liegt die Sterberate indes höher als in den Sommermonaten. Es ist also natürlich und logisch, dass die meisten Toten in Deutschland aus Pflegeheimen stammen. Das war vor Corona, mit und nach Corona der Fall.
Langer Rede kurzer Sinn: Diese nicht aus Intensivstationen stammenden Patienten sind denklogischerweise höchstüberwiegend nicht an Corona, sondern mit Corona gestorben.
Daher ist es einfach nichtzutreffend und geradewegs infantil von MP Söder das Corona-Geschehen mit täglichen #Flugzeugabstürzen zu vergleichen. Genauso schief ist das Bild, das die Kanzlerin in der #Neujahresansprache verwendete, die von 30.000 vermeidbaren Toten sprach. Ein sehr hoher Anteil dieser Todesfälle war und ist eben nicht vermeidbar. Es handelt sich um ein natürliches Sterbegeschehen, weil uns Menschen nicht das ewige Leben vergönnt ist. Dies anders darzustellen ist grob faktenwidrig.
Zur #Klarstellung
Die Intensivstationen arbeiten jahreszeitlich bedingt aktuell mit einer hohen Auslastung. Da gibt es auch nichts zu Beschönigen. Und das klinische Personal ist entsprechend absolut gefordert.
Die Lage ist aber nicht bundesweit so angespannt wie uns das vermittelt wird.
Standard-#Einwand:
Aber bei uns im Landkreis sieht es doch ganz anders
Es bestreitet niemand, dass Krankenhäuser einzelner Regionen tatsächlich sehr voll sind. Das bundesweite DIVI-Register stellt eine neu geschaffene Erfassungsmethodik dar, die erstmals am 20.04.2020 Zahlen lieferte (und für das es daher auch keine Vorjahreszahlen gibt). Es ist die einzige Datenbank, die bundeseinheitlich nach transparenten und einheitlichen Methoden Zahlen erfasst. Es wurde explizit dafür geschaffen, Disponenten in Leitstellen und Krankenhäusern, sowie Ärzten und natürlich Politikern die Möglichkeit zu geben, zu erkennen, wo freie Kapazitäten sind, um Engpässe zu vermeiden. Einzelmeldungen von erschöpften Ärzten und Pflegern sind allesamt ernst zu nehmen, ändern aber nichts an der Gesamtschau.
Mein #Fazit
Ich erwarte von Politik und ÖR eine differenzierte und sachliche Darstellung der Realitäten in diesem Land.
Diese findet aber leider nicht statt.
Ich erlaube mir zu erinnern, dass uns zunächst unser gesamtstaatliches Ziel als „flatten the curve“ verkauft wurde, dann wurde auf den (politisch festgelegten) Inzidenz-Grenzwert von 50 abgestellt, der mit der Nachverfolgbarkeit der Kontakte begründet war. Nunmehr wird seit über einem Monat ausschließlich mit der (angeblichen apokalyptischen) Situation in den Intensivstationen argumentiert. Und mit diesem Argument wurden uns immer weitere Grundrechtseinschränkungen abgetrotzt und Wirtschaft, Gesellschaft und insbesondere der Gemeinschaft der Beitrags- und Steuerzahler Milliardenschäden aufgebürdet.
Es ist daher nicht nur rechtens, sondern absolut notwendig, genau hier den Finger in die Wunde zu legen. Wenn das ITS- Argument kippt, kippt das letzte verbliebene Argumentationsglied der ‚epidemischen Lage von nationaler Tragweite‘.
Die Zeit ist gekommen, diese Argumentation ganz massiv in Frage zu stellen. Denn im Moment wird auf allen Ebenen der Verlängerung das Wort geredet – koste es was es wolle - ohne dass Medien und Politik diese kritischen und absolut berechtigten Fragen zulassen (oder selber stellen).
Es ist daher wichtig, dass möglichst viele Menschen sich mit genau diesen Zahlen beschäftigen, auch wenn das nicht der Neigung der meisten entspricht.
#Lets #spread #the #good #news! ❤️
p.s. Wie immer gilt: Korrekturen, Kommentare und Hinweise sind hoch willkommen.
Ich wünsche ein schönes Wochenende