Ist jetzt aber kein so großes Geheimnis, dass wenn der direkte Ausstoß an Feinstaub durch Auspuffemissionen sinkt, der prozentuelle Anteil von Reifen-, Brems- und Straßenabrieb an der Gesamtbetrachtung steigt. Nebenbei gesagt, sind gerade strengere Grenzwerte und die Umweltzonenthematik der Hauptgrund für die sinkenden Emissionswerte der neuen Motoren. Oder glaubt hier irgendwer, das hätten die Hersteller ohnehin in diesem Ausmaß vorgehabt?
Dem E-Auto aber nun das Mäntelchen des Feinstaubbombers umhängen zu wollen, funktioniert auf Basis der dahinterliegenden Studie definitiv nicht. Schade dass auch EFAHRER diese Agenturmeldungen so plakativ übernommen hat, wie sie verbreitet wurden. Ich bin glaub ich vor ein paar Seiten hier schon darauf eingegangen, deshalb nur noch mal kurz zusammengefasst:
Die Studie bezieht sich ausschließlich auf den Feinstaub, der nicht aus dem Auspuff kommt. Rechnet man den Auspuff-Feinstaub mit, ist das Elektroauto IMMER für gut 40-50% weniger Feinstaub verantwortlich, als ein vergleichbares Euro 6dtemp Fahrzeug unter optimalen Laborbedingungen (und wir alle wissen wie gut die Abgasreinigung unter nicht optimalen Realbedingungen funktioniert). Und selbst wenn man eben wie in der OECD-Studie ausschließlich die Nicht-Auspuff-Emissionen einbezieht, ist in allen Fällen, außer bei schweren E-SUV (wobei hier die Vergleichsbasis auf Verbrennerseite unklar bleibt), das E-Auto ebenfalls im Vorteil. Die OECD-Studie zeigt darüber hinaus auf, dass E-Autos einen deutlich geringeren Bremsabrieb erzeugen.
Und: Die Annahmen der Studie, wonach Elektroautos grundsätzlich schwerer sind und deshalb für mehr Reifen- und Straßenabrieb verantwortlich seien, lassen sich zumindest auf Basis der aktuellen E-Autos nicht mehr durchgehend so nachvollziehen - das Gewicht eines modernen Diesels in einer gleichwertigen Leistungskategorie ist meistens bereits ähnlich groß, wie das eines E-Autos.
Audi Q7: 1985–2535 kg
BMW X5: 2135–2510 kg
Tesla Model X: 2391–2509 kg
Audi A4: 1395–1900 kg
BMW 3er: 1450–1965 kg
Tesla Model 3: 1610–1927 kg
Und was Corona und die Luftqualität betrifft: Gerade Corona zeigt, dass eine hohe Schadstoffbelastung in Ballungsräumen direkt mit einer hohen Zahl an schweren COVID-19-Verläufen einhergeht. Schon allein das sollte uns eigentlich zum Nachdenken bringen, ob eine strengere und konsequentere Schadstoffpolitik in den Ballungsräumen nicht dringend an der Zeit wäre. Die Zahlen der Luftgüte für Österreich sind für den Corona-Zeitraum eindeutig - zumindest bezogen auf die NO2-Werte. Beim Feinstaub ist die Sache differenzierter, weil momentane Feinstaubbelastung an deutlich mehr Faktoren hängt, als nur am aktuellen PKW-Ausstoß. Deshalb aber zu behaupten, es sei darum egal, wie viele Autos bei ungünstigen Wetterlagen und hohen Feinstaubbelastungen zusätzlich in den Innenstädten unterwegs sind, ist einfach nur absurd und physikalischer Unsinn. Natürlich reduziert jedes Auto weniger besonders die hohen Schadstoffkonzentrationen.
Corona und die Luftqualität (umweltbundesamt.at)
Aber sicher, wenn man das Thema Umweltzonen betrachtet, wird man mit zunehmend sinkenden Grenzwerten sinnvollerweise auch irgendwann die Elektroautos einbeziehen müssen, auch wenn diese keine lokalen Auspuffemissionen erzeugen. Bis das soweit ist, müssen aber konsequenterweise zuerst alle Verbrennungsmaschinen raus aus der Stadt, oder generell der motorisierte Individualverkehr eingestellt werden.