Darf man jetzt nicht mehr argumentativ auf einen Artikel eingehen? Mein Weltbild ist es übrigens nicht, dass Elektroautos die Welt retten, wenn du das meinst. Ich halte nur diese argumentative Schieflage nicht aus, wo sich Medien einfach nicht darum bemühen sich mit Originalquellen auseinanderzusetzen. Mich hat es keine halbe Stunde gekostet die OECD-Studie sinnerfassend zu lesen.
Nein, das ist eben nicht die Grundaussage. Die Grundaussage ist fett als Eyecatcher angeführt und wird so auch von allen anderen Medien via Agenturmeldung verbreitet:
"Denn jetzt sorgt eine OECD-Studie für Aufsehen, die befürchtet, dass womöglich die immer größer Zahl von elektrifizierten Fahrzeugen die Feinstaubwerte ansteigen lassen könnte."
DasDie transportierte Grundaussage ist also vielmehr, dass die Feinstaubproblematik mit Elektroautos noch viel schlimmer wird. Finger weg! Das pöse Elektroauto mit seinem enormen Feinstaubproblem, da bleiben wir lieber beim sauberen Diesel. Das ist die Message, die beim Leser ankommt.
Und das ist eben schlichtweg faktisch falsch, weil die Studie einzig die Nicht-Auspuff-Emissionen betrachtet. Und ja, so eine lückenhaft undifferenzierte journalistische Arbeit ärgert mich.
Ich habe nicht behauptet, dass diese Korrelation einzig auf Fahrzeuge zurückzuführen ist, aber natürlich spielt es bei ohnehin schwierigen Luftverhältnissen eine zusätzliche Rolle, wieviele mobile Emittenten noch zu den ohnehin bestehenden stationären Anlagen (Industrie, Hausbrand) dazu kommen.
Und nein, das betrifft nicht nur die Lombardei und New York, sondern diese Korrelation von Luftverschmutzung und Corona-Mortalität wurde vom Max-Planck-Institut in Mainz für ganz Mitteleuropa nachgewiesen:
https://kurier.at/chronik/oesterreich/luftverschmutzung-steigert-sterberisiko-bei-covid-19/401078061
Mein Punkt ist aber der, dass wir uns eher mehr um die Luftqualität in den Ballungsräumen kümmern müssen, als weniger. Und da spielt der Verkehr eine maßgebliche Rolle und trotzdem geht jedesmal ein enormes Gezeter los, wenn es um wirksame Maßnahmen für weniger Autos in Innenstädten geht, weil sich jeder in seinem heiligen Recht gestört fühlt, mit seinen privaten 10m2 direkt am Domplatz zu parken.