Eine schwer vertretbare Ansicht. Ist denn beispielsweise ein Krieg auch ein Dauerzustand, wenn er länger als ein Jahr dauert? Ich frage nur, weil eigentlich jede Verfassung dafür ein Sonderregime vorsieht, das durchaus auch nicht auf Dauer ausgelegt ist.
Genauso wie Infektionsschutz- Epidemie- und Seucheneindämmungsgesetze auch Sonderregime vorsehen, die temporären Charakter haben, sinnvollerweise aber nicht von vornherein zeitlich begrenzt sind. So nach dem Motto: Sechs Monate müssen in jedem Fall reichen, mit einer Seuche klar zu kommen. Nach Ablauf dieser Frist gilt die unwiderlegbare gesetzliche Vermutung, man könne wieder zum Normalbetrieb übergehen.
Du siehst selber, wie absurd sowas ist - hoffe ich zumindest.
Klar ist, dass die Pandemie besser gemanagt werden müsste. Daraus zu folgern, man müsse mit diesem, gegenwärtig nicht optimalen Management deshalb ganz aufhören, ist aber falsch.
Wie jetzt? Müssen die temporären Massnahmen enden, der Lockdown also aufhören, oder nicht? Wenn ja, ist eigentlich logisch, dass Kitas und Schulen zum ersten gehören, was man öffnet. Einerseits, weil je jünger umso geringer das Schadrisiko bei Infektion, und andererseits, damit die Eltern zur Arbeit können, statt sich um Kinderbetreuung und Homeschooling kümmern zu müssen. Entscheide Dich doch bitte mal, wogegen Du protestieren möchtest.
Naja, wenn man den Lehrkräften befielt, sie müssten zur - in dem Fall eben besonders risikobehafteten Arbeit, dann haben die durchaus ein Recht darauf, bestmöglich geschützt zu werden.
Logisch, dass die dafür notwendigen Impfdosen dann kein anderer bekommt. Andere verbringen aber nicht täglich 8h mit 25 möglicherweise Infizierten in einem Raum, und dürfen dieser Exposition nicht ausweichen. Nicht so logisch also, dass es wegen der umverteilten Impfung anderswo gleich viele Tote geben müsse, wie unter Lehrkräften zu erwarten. Umso weniger dramatisch, als die mit dem allergrössten Risiko bereits geimpft sind und ja trotzdem weiterhin geimpft werden.
Alle anderen, gewöhnlichen Arbeitnehmer müssen ja auch ohne Impfung auskommen. Die allermeisten von denen haben aber entweder schon Gelegenheit zur Impfung erhalten (Gesundheits- und Pflegepersonal) oder müssen sich nicht den lieben langen Arbeitstag mit Kunden herumschlagen, die keine Schutzmassnahmen umsetzen können. Zudem ist es ja nicht so, dass die ganz ohne Massnahmen auskommen müssten. Abstandsregeln gelten überall, und Schutzmasken sind auch nirgends wirklich verboten, meine ich.
Es ist nun mal nicht machbar, genug Impstoff aufzutreiben, zumindest auf kurze Frist. Da ist die Priorisierung nur vernünftig. Gefällt einem das nicht, sollte man nicht die Priorisierung angreifen, die ja einfach nur Folge und Verwaltung des Mangels ist, sondern diejenigen anpflaumen, die die schnellere Beschaffung - die anderswo möglich war - versiebt haben, und das bis heute nicht ansatzweise auszubessern versuchen.