Gehört wohl doch zu den "Fake News":
Begriffe sollen nicht ersetzt werden
Allerdings sind die Schlagzeilen größtenteils irreführend, denn die Universität Canberra hat gar nicht gefordert oder vorgeschlagen, bestimmte Begriffe abzuschaffen oder zu ersetzen, sondern vielmehr die Sprache zu erweitern. Das Handbuch wende sich an Pädagoginnen und Pädagogen, um "sichere und integrative Lernumgebungen" für alle zu schaffen, erklärte Professorin Fiona Jenkins vom Institut für Gender-Forschung der Universität Canberra auf Anfrage des ARD-faktenfinder.
Die Behauptung, dass das Handbuch dazu anweise, die Worte "Mutter", "Vater" und "Stillen" durch "Schwangerschaftseltern", "nicht leibliche Eltern" bzw. "Bruststillen" zu ersetzen, "entbehrt jeder Grundlage", so Jenkins. Es gebe keine Bestrebungen, die Worte "Mutter", "Vater" oder "Stillen" zu ersetzen, sondern den Rat, diese Worte durch geschlechtsneutrale Optionen zu ergänzen, wenn es angebracht oder von Menschen gewünscht sei.
"Aus dem Kontext gerissen"
Jenkis kritisiert, dass die medial verbreiteten Zitate aus ihrem Kontext gerissen worden seien. Denn das Handbuch rate Lehrenden, die in medizinischen oder naturwissenschaftlichen Fächern über die Geburt unterrichten, eine "Art von inklusiver Praxis vorzuleben, die die Studentinnen und Studenten im klinischen Umfeld" benötigten. Die Professorin weiter: Wenn Studierende später Patienten behandelten, "die sich als nicht heteronormativ verstehen, sondern als trans oder nicht-binär", dann sei die Kenntnis von geschlechtsneutralen Begriffen notwendig, um respektvoll kommunizieren und Vertrauen aufbauen zu können.
Die Professorin sagt: "Indem wir Empfehlungen für eine geschlechtergerechtere Sprache in Klassenzimmern und Uni-Sälen geben, die heute typischerweise eine erhebliche Geschlechtervielfalt aufweisen, betreiben wir keine Ideologie, sondern erkennen eine Realität an." Außerdem seien die Formulierungen kein vorgeschriebener Sprachgebrauch, wie verschiedene Medien behauptet haben, sondern lediglich Vorschläge. Sie zielten in erster Linie darauf ab, Respekt zu zeigen, indem Terminologie ergänzt werde.
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/gender-begriffe-mutter-vater-101.html