Naja, theoretisch ist das so, dass, wenn Dir der Nachweis wirklich gelingt, dass es da keinen, auch keinen teilweisen, ursächlichen Zusammenhang gibt, das kein Argument mehr für die Verweigerung der Garantieleistung sein dürfte. Allerdings wird das nicht gelingen, denn gerade dann, wenn das Verschleissargument mitspielt, kann man immer noch Zweifel anmelden und sagen, der Schaden wäre so nicht entstanden, denn das hätte man bei einer Inspektion kommen sehen und dann eingegriffen.
Das lässt aber einen wesentlichen Grund für Garantieversprechen ausser Acht. Der Kunde soll in der Vertragswerkstatt Geld ausgeben, und nicht sonstwo, und er soll auch nicht sich den Unterhalt komplett schenken. Weist man nach, dass es keinen Kausalzusammenhang zwischen Schaden und entfallener Inspektion gibt, stellt sich dann immer noch die Frage von Leistung und Gegenleistung.
Das muss man dann aber konsequent fortführen und sauber bilanzieren. Der Kunde hat ja auch Umtriebe durch Garantieschäden. Er muss auf das Fahrzeug verzichten, hat km-Anfall (bei Leasingfahrzeugen kostet das direkt und nicht zu wenig) und er muss den Schaden geltend machen und ggf. um sein Recht kämpfen. Ist das wirklich ein Sachmangel, dann müsste man, wenn man so Pingelig ist und den Verschleiss gegenrechnet, auch solche Kosten im Gegenzug abgelten. Wäre das Fahrzeug nicht mangelhaft gewesen, wären die ja nicht entstanden, und der Eigentümer hats ja nicht zu verantworten.
Bei Garantie kann man das natürlich ausschliessen. Bei Gewährleistung eigentlich nicht. Der Hersteller/Verkäufer sollte also in eigenem Interesse nicht allzu genau rechnen. Sonst kommt der Kunde auf die gleiche Idee, und dann kann das zum Bumerang werden, insbesondere, wenn dann auch noch Prozess- und Gutachtenkosten dazukommen, und der Gewährleister dann auch das löhnen muss. Und wenn er sich zu sehr querstellt, werden diese Kosten halt grösser. Schon klar, das Prozessrisiko trägt da der Kläger. Wenn der aber die Kohle dafür hat, kann sich für den Gewährleister Grosszügigkeit lohnen. Mal noch nicht davon gesprochen, dass Automobile ein Massenprodukt sind und sich die Fehlerbilder tendentiell wiederholen, so dass daraus bei entsprechender Kundenunzufriedenheit auch ein PR-Risiko entsteht. Gerade ein kleiner Gebrauchtwagenhändler braucht seine Kundschaft. Sorgt man aufgrund nachgewiesener Tatsachen, die sich für so jemanden negativ auswirken, für schlechte Presse, oder auch nur schlechte Mund-zu-Mund-Propaganda, kann das den schnell mal die Existenz kosten. Da sind ein paar Teile und ein paar Arbeitsstunden für lau das kleinere Risiko.
Irgendwoher haben ja Firmen wie Renault, PSA oder Toyota ihren Ruf. Und wenn der erstmal schlecht ist, bleibt er das tendentiell sehr lange. Das wirkt sich dann auch auf erzielbare Preise aus etc.
Irgendwo muss also auch mal Schluss sein mit der Pfennigfuchserei, auch auf Seiten der Anbieter. In deren eigenem Interesse.