Martin, seines Zeichens magoo, der Katholizismus verleit Flügel und ihn zu verstehen, ist nicht jedem gegeben. Schau, es gibt nur zwei Möglichkeiten unfehlbar zu sein, die eine geht auf Hegel zurück und heiß Dialektik. Ein Vertreter, der das nach dem Krieg glänzend vorjongliert hat, war Adorno, im Grunde unwiderlegbar, wenn auch nur aufgrund dieses Taschenspielertricks. Die einzige andere Möglichkeit sich zu irren, aber trotzdem wahr zu sprechen, bietet der Katholizismus. Damit du das Widersprüchliche, das Freiheitliche und die Auflösung aller Denkblockaden als angewandte Lebenspraxis zumindest erahnen kannst, verweise ich dich auf Erich Kuby und seine nachgeborenen Töchter.
Mir wie aus dem Gesicht geschnitten, obwohl er schon lange nicht mehr lebt.* Seine zweite Frau 37 Jahre jünger als er, was ihn nicht abhielt zwei Kinder mit ihr zu haben, auf die Tochter komme ich noch, vorher aber auf die aus der ersten Ehe, denn das ist wichtig, um seinen Lebenskarneval nachempfinden zu können.
Der Erich war in den späten Zwanzigern des vorigen Jahrhunderts Pazifist und religiös gesehen von laffer Gleichgültigkeit. Dann kam der Böll nach dem Krieg und nannte ihn einen "Nestbeschmutzer von Rang" - das war als Kompliment gemeint. Kuby, nur weil das nicht im Wiki steht, will ich den Grund für Bölls Aussage nennen, hatte für den "stern" in den 50-zigern einen Mord an einer Prostituierten, die mit viel Prominenz in der Horizontalen lag, recherchiert und veröffentlicht. Danach kannte die BRD Kuby.
Nun, darauf will ich nicht hinaus, was hat solch ein süffisanter Schelm für Töchter, und wie schlagen wir den Bogen zum Vatikan?
Ich mache es jetzt kurz, weil ich weiß, evangelische Atheisten haben so ihre Schwierigkeiten mit einer langen Predigt.
Gabriele Kuby, seine Tochter aus erster Ehe, Wissenschaftlerin, sogar beim legendären Dahrendorf in London geforscht, lassen wir das, durchaus akzeptabel für unsere verirrten Schäfchen, wenn da nicht ihr bewusster Übertritt zu Katholizismus gewesen wäre. Näheres selbst recherchieren.
Prickelnder und provozierender die Tochter, Sophia Kuby, aus zweiter Ehe, irgendwie hat sie mich an diese junge katholische Richterin erinnert, die der Trump durchgedrückt hat, gebärfreudig, das beginnt bei meiner Zählweise ab dem 6. Kind und mit den entsprechenden Ansichten, ob nun in Dakota oder mitten in Deutschland.
Nicht dass ich die völlig teile, aber sie bilden doch eine wohltuende frische Brise, die uns aus aus Nebeln von "queeren Wettern und Welten" kurz durchatmen lassen.
*Das ist ein bonmot.