Ich kenne keinen einzigen Lockdownfetischisten. Ich kenne noch nicht mal jemanden, der gerne einen soften Lockdown verordnet oder überhaupt einen Gefallen daran hat, sich einem Lockdown welcher Art auch immer auszusetzen. Ich kenne allerdings verantwortungsbewusste Politiker*innen und Fachleute vieler Fachrichtungen, die im Interesse der Gesundheit und damit im Übrigen gleichzeitig der Wirtschaft Einschränkungen notgedrungen verordnen. Und es gibt jede Menge Leute, die wissen, was Verantwortung sich selbst und allen anderen Menschen gegenüber bedeutet. Genau deshalb halten sie sich an die bekannten Regeln, so schwer es allen auch fällt.
Mir selbst geht das alles inzwischen ganz übel auf den Wecker, aber ich halte es aus, zumal ich darauf setze, dass möglichst viele Leute geimpft werden und wir damit möglichst bald die Herdenimmunität erreichen.
Nachdem heute im Tagesschau-Coronaticker zu lesen ist, dass in Brasilien die Zahl der am Coronavirus Gestorbenen einen neuen Tagesrekord erreicht hat, ein paar Zahlen zur Entwicklung in dem Land, entnommen ZEIT-Online, einer seriösen und tagesaktuellen Quelle:
aktuelle 7-Tage-Inzidenz: 217,9
Todesfälle insgesamt: 348718
Todesfälle je 100.000 EW: 164,1
Schweden zum Vergleich in dieser Reihenfolge: 437,8 - 13.621 - 143,9
Deutschland: 128,1 - 78.927 - 94,9
Frankreich: 303,1 - 98202 - 150,4
Das sind erstaunliche Zahlen angesichts der unterschiedlichen Herangehensweise in diesen 4 Ländern. Zu berücksichtigen sind m . E.: Unterschiedliche Traditionen beim Sozialverhalten, die Bevölkerungsdichte, einsichtiges oder uneinsichtiges Verhalten, unterschiedliche Überwachungsgrade der Maßnahmen, unterschiedliche klimatische Bedingungen, unterschiedliche Impfgrade, unterschiedliche Gesundheitssysteme, unterschiedliche Sozialstrukturen.
So, das ist mal ein Versuch, hier sachlich zu argumentieren und Polemik sein zu lassen. Mir geht es nicht darum, Zahlen von Todesfällen gegeneinander auszuspielen, das verbietet sich angesichts des dahinter verborgenen Elends von selbst. Mir geht es nur darum, die dramatischen Dimensionen des Problems zu zeigen. Wer "dramatisch" dann als Panikmache versteht, der soll es so sehen, ich gehe aber davon aus, dass meine Einschätzung mit diesem Begriff realistisch ist, oder anders:
Gezieltes staatliches Handeln ist nach wie vor dringend nötig. Dabei bleibt abzuwägen, ob weitere und/oder verlängerte Lockdowns angemessen, erforderlich und geeignet sind (der klassische Grundsatz staatlichen Handelns unter rechtsstaatlichen Bedingungen).
Meine Quelle ist diese (ohne Bezahlschranke):
https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/corona-zahlen-deutschland-neuinfektionen-inzidenz-aktuelle-karte
Schönes Wochenende
fl.