Jetzt dachte ich eigentlich, ich ersetze mit dem e-C4 den C6 und nun hab ich plötzlich statt einem gleich drei Autos am Parkplatz
Heute habe ich für unser Carsharing einen ID.3 abgeholt, deshalb will ich hier ein paar Unterschiede anführen, die mir sofort aufgefallen sind. Das Modell nennt sich Pro Performance Basis - das klingt zwar nach viel, ist aber so ziemlich die billigste Modellvariante. Hat 150kW Spitzenleistung und 58kWh-Nettoakku. Der Unterschied zum C4 ist deutlich spürbar - sowohl in punkto Leistung als auch in punkto Reichweite. Der ID3 kommt im Realbetrieb ca. 100km weiter, würde ich ad-hoc einschätzen. Und er schießt mit seinen 150kW ab wie eine Rakete, selbst im Eco-Modus. Da ist der C4 doch eine etwas lahme Gurke dagegen im direkten Vergleich.
Die Lenkung ist furchtbar schwergängig im Vergleich zum e-C4, und beim Bremsen glaubt man, man tritt ins Leere, so reaktionslos wirkt sie. Man braucht einen ordentlichen Tritt ins Pedal, damit sich die Bremswirkung zeigt. Auch hier ein großer Unterschied zum C4, der beim Bremsen sehr direkt anspricht.
In punkto Abmessungen wirkt der ID3 deutlich kleiner, ist aber in Wirklichkeit höher und nur etwas kürzer. Der Kofferraum ist ähnlich groß, wirkt beim ID3 etwas besser nutzbar, weil tiefer. Der Innenraum fühlt sich beim C4 geräumiger an und deutlich komfortabler. Von der Materialanmutung ganz zu schweigen. Die Bediensatelliten beim ID3 und die reduzierte frei positionierte Tachoeinheit gefallen mir zwar, der Rest des Innenraums wirkt allerdings äußerst bieder und altbacken.
Bei der Federung tun sich Welten auf. Kein Vergleich möglich. Im C4 sitzt man leicht erhöht, souverän auf der Straße, der ID3 holpert dagegen, dass es fast schmerzt.
Dann aber der große Pluspunkt, den der ID3 definitiv besser kann: Die Software ist wesentlich besser auf E-Mobilität ausgerichtet - sowohl jene, die man als Nutzer am Display vorfindet, als auch jene, die das Auto im Fahrverhalten charakterisiert. Die Rekuperation beispielsweise ist faszinierend intelligent - je nach Abstand zum Vordermann, rekuperiert das Auto dynamisch mal stärker, mal weniger stark und lässt das Fahrzeug auch mal rollen, wenn die Straße frei ist. Die Rekuperation ist insgesamt viel stärker als im C4, aber dieses intelligente Verhalten macht wirklich viel Sinn im Fahrbetrieb. Ladekabel sind sowohl Typ2, als auch Schuko-Notladekabel selbstverständlich an Bord.
Auch die Satelliten am Lenkrad sind gut gelungen. Das wirkt leicht und erinnert mich an i3 und CX. Man steigt ein und das Auto ist mit dem Tritt aufs Bremspedal einsatzbereit. Kein Startknopf drücken, nichts. Sehr bequem.
Im Fahrzeug und der App lassen sich zahlreiche Einstellungen für das Ladeverhalten vorgeben, beispielsweise eine flexible Begrenzung des maximalen Ladestands (gut für die Akkuschonung), eine automatische Entriegelung des Kabels (ein freundlicher Zug für wartende Ladekunden, wenn man mit dem Auto noch nicht sofort von der Säule wegfahren kann), ein reduzierter AC-Ladestrom, eine Regelung der Klimatisierung (Sitzheizung separat, Temperatureinstellung), eine routenabhängige Reichweitenanzeige - all das hat der C4 nicht und das geht mir wirklich ab.
Wo Licht, da auch Schatten: Die Software umfasst so derart viele Einstellmöglichkeiten, dass sich selbst der Händler nicht zurechtfindet. So gut wie alles lässt sich regeln und einstellen über den Touchscreen, aber keine Ahnung wo und wie man dann ein zweites Mal dort hin findet. Nicht mal die Einstellung der Seitenspiegel gelingt ad-hoc, weil die Pseudo-Touchknöpfe und -rädchen sehr unlogisch in der Handhabung sind. Die Darstellung am Display ist mir zu verspielt und wirkt wie ein iPhone der ersten Generation mit seinen überdimensionierten bunten Kacheln und verspielten Grafiken. Da mag ich das schlichte Grafikdesign im C4 mehr. Die Verbindung zur App funktioniert mittelprächtig, es dauerte mehrere Versuche bis es letztlich geklappt hat. Der Touchscreen selbst reagiert langsam und ungenau. Das kann der C4 besser. Stolz hat der Händler außerdem erklärt, dass das letzte Software-Update ganze fünf Tage in der Werkstatt gedauert hat, bis es erfolgreich war. Man verliert zudem etwas den Überblick, ob man gerade über Fahrzeug, WLAN oder Smartphone mit dem Internet verbunden ist und ob das Auto dem Smartphone die Internetverbindung freigeben hat, oder umgekehrt, oder ob Bluetooth verwendet wird oder WLAN. Für jemanden, der mit Smartphones schon nicht allzu befasst ist oder das auch nicht sein möchte, sind diese Tiefen der Konnektivität definitiv ein Graus.
Alles in allem zwei sehr unterschiedliche Fahrzeug-Philosophien der gleichen Fahrzeugkategorie. In punkto Design, Komfort, Platzgefühl, Verarbeitung hat der e-C4 für mich die Nase vorne, bei Leistung, Reichweite und E-Mobilitäts-Funktionalität eindeutig der ID3. Vor allem die nützlichen Funktionen für den Ladevorgang würde ich mir beim e-C4 doch sehr wünschen. Aber vielleicht kommt das ja noch, wenn man bei PSA selbst mal herausfindet, wie praktisch das im Alltag ist.