Die Theorie geht so:
Die Sektoren »Industrie« und »Landwirtschaft« sind stark geschrumpft. Also Branchen, die tatsächlich etwas produzieren beschäftigen immer weniger Leute. Stattdessen arbeiten immer mehr im Dienstleistungssektor, also da, wo man gar nicht richtig überprüfen kann, ob überhaupt etwas produziert wird. Irgendwo müssen die ganzen Leute ja beschäftigt werden, deswegen wird alles, was Dienstleistung, Organisation oder Management ist, so weit aufgeblasen, dass die Leute, die früher Arbeiter geworden wären, da ein Auskommen finden können.
Es gibt aber gar nicht so viel zu organisieren und zu managen, weshalb die meiste Zeit mit Wind machen und sabbeln verbracht wird. Konzepte schreiben, Projekte pitchen, Webpräsenzen relaunchen und sicherheitshalber nochmal anrufen und wegen jedem Scheiß ein Meeting ansetzen. Es wird nur viel Geld in den Äther geblasen, damit es aussieht, als würde da was passieren, und am Ende gibt’s eine Powerpoint-Präsentation mit ein paar schicken Tabellen. Für die zahlt irgendein Kunde ein horrendes Geld und erfährt dabei etwas, was er ohnehin schon wusste oder was er gar nicht braucht.
Aber ihm geht’s ja genauso: Er muss auch eine Tätigkeit vortäuschen. Deshalb hat er einen externen Berater bezahlt, der ihm eine Tabelle zeigt. Irgendeiner beschließt dann irgendwas, und dieser ganze Kram befördert die Geschwätzigkeit. Mehr als geschickt zu sabbeln muss man doch nicht können. Und wer am gescheitesten sabbelt, macht sich unentbehrlich.
In einer Wirtschaft, in der viele Firmen gar nichts mehr verkaufen, sondern nur noch mit Fantasieprodukten handeln, muss man natürlich zusehen, dass man auf einem sicheren Stuhl landet. Und wer lange genug Quatsch sabbelt, der glaubt ihn am Ende auch. Man könnte ja gar nicht jeden Morgen aufstehen, wenn man nicht irgendwie glauben würde, dass es eine Berechtigung hat.
Und deshalb werden Leergesabbel und Bullshitbingo die Sprachen der Zukunft.