Mir fehlt immer noch eine verlässliche Quelle für die Angabe, dass die ganze Problematik überhaupt an Kondenswasser liegen soll. Schliesslich entsteht bei der Verbrennung von Benzin jede Menge Wasser, und das nicht erst seit ein paar Jahren, sondern schon immer, also schon seit lange bevor es Benzinmotoren gab. Ausnahmslos JEDER Motor, und JEDES Motoröl musste und muss und wird damit zurecht kommen müssen.
Wenn man dann einen Zahnriehmen (im weiteren Sinn ein Gummiprodukt) einbaut, der das Öl nicht verträgt, aber im Öl laufen muss, dann liegt das mit Garantie nicht am Wasser. Wäre das so, dann hätten mit einiger Wahrscheinlichkeit auch andere Gummiprodukte (man denke etwa an Reifen oder Fensterdichtungen, nebst anderem) ein Problem mit Wasser.
Das Gegenteil ist der Fall: Man verwendet, seit es die Gummiindustrie gibt, Gummizeug erfolgreich als Witterungsschutz und Abdichtung gegen Wasser. Es kommt nicht von Ungefähr, dass man U-Boote erst erfolgreich baut, seit es auch Gummidichtungen gibt. Wasser ist also ziemlich sicher nicht das Problem.
Dass Gummi jedoch Erdölprodukte bzw. Öl eher schlecht verträgt, ist schon eher bekannt. Man denke an aufquellende Bremsschläuche, Bremssattelbolzen mit Gummiringen drauf, die aufquellen
, wenn man das falsche Fett verwendet, Benzinleitungen die sich irgendwann schleichend auflösen, Dieselpumpen, deren Dichtungen mit Biodiesel nicht kompatibel sind, Reifen, die aufgeben, wenn sie zu viel Benzin oder Diesel abbekommen (ich hab mal gehört, dass man bei Go-Kart Rennen sich Regenreifen macht, indem man Benzingetränkte Lappen um die Lauffäche wickelt. Das macht das Gummi weicher. Und so mancher geplatzte Reifen hat die Jahre davor ab und an mal einen Schluck Benzin aus einem überlaufenden Tankstutzen abbekommen.
Also: Wo nochmal genau steht drin, dass es das Kondensat ist, was dem Riemen zusetzt?
Auffällig ist ja, dass solcherlei Probleme Zahnriemen betreffen, die in Öl laufen. Die ohne Öl sind soweit ja problemlos, es sei denn, sie sind in einem VAG-Produkt verbaut; die haben die Dinger so dimensioniert, dass sie auch ja sofort reissen, wenn man nicht genau pünktlich wechselt, mit entsprechender Quote an vorzeitigen Ausfällen.
Die Angabe 12J./200'000km wird aus einem Wartungsplan stammen. Da steht dann vorher auch drinnen 6J./100'000km.
Danach steht dann drin: 12J/200'000km.
Wer das dann so versteht, dass der zweite Zahnriemen doppelt so lange halten soll, wie der erste, der hat den Aufbau eines solchen Wartungsplans nicht verstanden.
Da steht dann bei einem 20'000km-Intervall für den Ölwechsel nämlich auch drinnen, der zweite Ölwechsel habe nach 2J./40'000km stattzufinden. Das, ohne dass irgend ein Träumer auf die Idee käme, der zweite Ölwechsel hätte dann 40'000km nach dem ersten stattzufinden, wenn doch der erste nach 20'000km war.
Der Sinn und Zweck solcher Wartungspläne ist der praktische, vorbeugende Unterhalt von KFZ. Das muss auch dann möglich sein, wenn man die Wartungshistorie eines Fahrzeugs nicht oder nicht genau kennt. Also geht man von Daten aus, die man immer kennt. Nämlich vom Fahrzeugalter und vom km-Stand.
Bekommt eine Werkstatt ein ihr (bezüglich Wartungshistorie nicht bekanntes Fahrzeug vorgesetzt (was in der BRD täglich zu tausenden vorkommen dürfte, dann gucken die nach Hersteller, Modell und Baujahr bzw. FIN nach, was der Wartungsplan vorgibt, und orientieren sich fürs Weitere am km-Stand.
Wenn da also steht, der Zahnriehmen ist nach 6j./100'000km fällig, und dann später wieder nach 12J./200'000km, dann ergibt sich ein Intervall von maximal 6Jahren oder 100'000km, in dem der Zahnriehmen zu tauschen ist.
Kriegen die also ein Auto rein, was bei so einem Intervall bei 12 Jahren weniger als 200'000km hat, wird der Zanhriemen gewechselt. Hat das Auto keine 12 Jahre, aber 200'000km, dann wird der Riemen auch gewechselt. Hat der Wagen 300'000km, oder ist älter als 18 Jahre, wird der Riemen wiederum fällig. Auch, wenn da nach 240'000km bloss noch drei Punkte im Wartungsplan stehen sollten.
Sollte ein KFZ-ler sich auf den Standpunkt stellen, dass der erste Riemen nach 100'000km, der zweite nach 300'000km und der dritte dann nach 600'000km fällig sei, würde ich ganz schnell von da weg fahren, und nie, niem, nie wieder dort auftauchen. Es gibt nämlich ganz bestimmt in erreichbarer Nähe eine Werkstatt, wo Leute arbeiten, die wissen, wie man Wartungspläne zu verstehen hat. Hoffentlich! Falls nicht, wird Verbrenner fahren sehr teuer.