Um nicht falsch verstanden zu werden: Der Cactus fährt sehr gut. Bei aktuellem Kilometerstand 103.000 sind bislang null Defekte aufgetreten. Doch, Moment, eine Klappe der Heizung/Lüftung hing und das Auto wurde nicht warm. Das Fahrwerk ist komfortabel und für so eine recht simple Konstruktion geradezu perfekt. Der Innenraum ist beinahe unverschlissen. Da geht er als Jahreswagen durch. Das ist natürlich auch auf mein moderates Körpergewicht und eine gewisse Sorgfalt im Umgang zurückzuführen. Der Motor ist ohnehin einer der besten Kleindiesel. Das alles hilft aber nicht, wenn alle vier Türen gammeln (Kosten Türentausch etwa 6000€). Da reden wir beinahe von wirtschaftlichem Totalschaden.
Aber ein neuer Citroen mit Wow-Effekt? Die Hoffnung habe ich aufgegeben. Da fällt in meinen Augen dem Cactus (Ur-Cactus) die Rolle des letzten seiner Art zu. Kein revolutionäres Konzept aber ein sehr praktisches Gefährt mit einem Aufsehen erregenden Design.
Für die Großcitronisten war dagegen schon 2012 mit Einstellung des C6 Schluss. Oder, je nach Sichtweise, 2021, als deutlich wurde, dass der CXperience als C5-Nachfolger nie auch nur annähernd realisiert wird.
Den großen Wurf der Neuzeit im Automobilbau hat Tesla mit dem Model S hingelegt. Denn das erste Großserienfahrzeug mit Elektromotor, das als echte Konkurrenz für die etablierten Oberklassemodelle wahrgenommen wird, hat die Autowelt nachhaltig verändert. (Ich weiß, dass der Nissan Leaf früher auf dem Markt war. Er hat aber als Imageträger bei weitem nicht die Wirkung entfalten können wie Tesla).
Also echte „Klasse Citroen“ wird es wohl nicht mehr geben, insbesondere wenn man sich anschaut, wo die Marke im Stellantis-Universum verortet wird: Einstiegs- und Nutzfahrzeuge. Das kann wirtschaftlich funktionieren (siehe Dacia), hat aber mit Citroen, wie wir es kennen, nichts mehr zu tun.