Der eigentliche Punkt in Frank (F)'s Beitrag ist der, dass er da gegen eine Impfung weibelt, deren Wirkungsweise er nicht einmal annähernd versteht. Aus fehlendem Wissen heraus verbreitet er dann Falschinformation, die als Argument herhalten muss, anderen, die auch nicht ansatzweise verstehen, was die mRNA-Impfung macht, davon abzuraten, sich impfen zu lassen.
Die Geschichte mit der DNA (Desoxyribonuclein-Acid, zu deutsch dann DNS (Desoxyribonucleinsäure)) und RNA (Ribonuclein-Acid bzw. deutsch Ribonucleinsäure; das ist eine Negativkopie eines Teils der DNS, und es gibt davon etliche verschiedene Typen, von denen einer die mRNA ist, die dazu dient, den Bauplan, -->Zellkern, DNA in die Form zu bringen, mit der die Ribosomen was anfangen können. Die Ribosomen nehmen mRNA auch dann als Arbeitsvorlage, wenn sie gar nicht auf der Information im Zellkern basiert, also etwa von einem Virus oder eben aus einer Impfung stammen. Was es an mRNA zu den Ribosomen schafft, wird dort als Bauplan für Eiweisse und anderes genommen. mRNA heisst Messenger-RNA, und ist also Boten-RNA. Sie ist quasi das Telegramm, das der Zellkern an die Ribosomen schickt, damit die wissen, welche Eiweisse da als nächstes vom "Fliessband" laufen soll. Nur: Das passiert in der Zelle. Die mRNA hat keinen Absender drauf. Wenn es mRNA ist, kommt die normal vom Zellkern. Viren nutzen das aus, indem sie mRNA in Körperzellen einschleusen, die eben nicht vom Zellkern kommen. Und die mRNA-Impfung macht das gleiche. Nur dass die nur den Bauplan für die Oberflächenproteine des Virus enthält, die das Immunsystem braucht, um das Virus zu erkennen.) und dem zumindest groben Zusammenspiel der einzelnen Zellorganellen, unter anderem Auch bei der Eiweiss-Synthese, war schon vor gut 20 Jahren Schulstoff im Biounterricht am Gymnasium.
Wer davon keine Ahnung hat, sollte also vorsichtig sein. Es gibt ganz schön viele, die das mal gelernt haben, weils auf dem Lehrplan stand. Nicht alle habens verstanden, aber es ist nicht so, dass man da erzählen kann, was man will, weil man davon ausgehen kann, dass das ohnehin keiner schnallt.
Ob man Kinder Impfen soll, ist eine Frage, die damit nichts zu tun hat, und zu der ich mich nicht geäussert habe. Es bleibt aber auch in dem Zusammenhang die Frage, warum eine ohnedies unvermeidliche Covid-Infektion, der in den nächsten Jahren so gut wie kein ungeimpfter Mensch wird ausweichen können, besser sein sollte, als eine Impfung.
Was nicht stimmt, ist dass die Impfstoffe nur Notzulassungen haben. In CH sind bisher nur 3 (alle mRNA-basiert!) Impfstoffe zugelassen, und alle haben eine ordentliche Zulassung. Es ist also davon auszugehen, dass, wenn das in der EU anders ist, das an der diesbezüglich anderen Vorgehensweise der EMA liegt, und nichts mit der Sicherheit der Impfstoffe zu tun hat. Die Swissmedic ist nicht dafür bekannt, schludrig zu arbeiten. Man hat da einfach nur einen entweder-oder-Ansatz gewählt: Entweder liegen genug Daten für eine ordentliche Zulassung vor, oder nicht. Wo ja, gabs eine ordentliche Zulassung, wo nein, fehlt sie bis heute ganz.
Die EU hat mit der Notzulassung den Druck von der Sache genommen: Solange die Notzulassung gilt, kann man sich mit der ordentlichen Zulassung Zeit lassen. Daher gibts die halt noch nicht. Das heisst nicht unbedingt, dass man eine Notzulassung gemacht hat, weil eine ordentliche nie zu erreichen wäre. Das heisst nur, dass die Zeit drängte, so dass man die ordentliche Zulassung nicht abwarten konnte/wollte.
Falsch ist daher auch die Behauptung, ohne die Panik hätte die mRNA-Methode nie eine Zulassung erhalten. Das wäre schlicht eine Zeitfrage gewesen. Zeit, die Millionen Menschen allein in der EU das Leben und viel mehr ihre Gesundheit gekostet hätte.
Zur Impfung bei Kindern: Das Thema ist mir gundsätzlich egal. Ich bin kein Kind mehr, und habe keine. Zudem bin ich geimpft, fürchte also auch nicht, etwa ein Neffe oder eine Nichte könnte mich infizieren. Das könnten die zwar, aber es würde für mich sehr wahrscheinlich kein schwerer Verlauf mehr draus. Hätte ich aber Kinder, würde ich bei der Entscheidung mit einbeziehen, dass man Covid nicht mehr ausweichen kann. Wer nicht geimpft ist, hat sich entweder schon damit infiziert, oder wird das in den nächsten ein, zwei Jahren noch erleben. Und auch wenn in D nur 25 Kinder an Covid gestorben sind; das eigene, ungeimpfte Kind könnte das 26. oder 27. werden. Das ist nicht von der Hand zu weisen, und lässt sich nicht wegdiskutieren.
Stellen sich dann folgende Fragen:
1. Reicht es aus, nur das Todesfallrisiko zu betrachten?
Long Covid kommt auch bei Kindern vor. Es ist klar, dass niemand wollen wird, dass das eigene Kind stirbt, oder auch nur sterben könnte, und ich gehe mal davon aus, man will genauso wenig, dass anderer Leute Kinder sterben. Nur ist der Tod ja bei weitem nicht das einzige und auch nicht das grösste Risiko, das eine Covid-Infektion birgt. Da kann auch Long-Covid, ein Lungenschaden, ein Herz-Schaden und noch so einiges anderes dabei herauskommen. Wäre sowas, was sehr viel häufiger als der Tod ist, weniger schlimm? Akzeptabel?
2. Wie hoch ist das Risiko für jede dieser Folgen bei der Impfung, und wie hoch ist sie bei einer Infektion ohne vorgängige Impfung?
3. Wenn man doch weiss, dass die Infektion bei Älteren schwerer verläuft als bei Jungen, wie gross ist die Chance, dass ein ungeimpftes Kind erst in einem Alter infiziert wird, wo es dann einen schwereren Verlauf erwarten müsste?
4. Gibt es im Umfeld dieser Kinder Personen, die eine Infektion sehr schwer bis tödlich treffen würde? Etwa Transplantierte, Kreislaufkranke, Alte, Allergiker etc. die man auch schützen möchte?
5. Ist die stark verminderte Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs (das sind eben nicht nur die paar Promille tödlicher Verläufe) einen Preis wert? Oder ist egal, wie wahrscheinlich ein schwerer Verlauf ist?
6. Hofft man auf einen Vorteil bei der nächsten Virenvariante, wenn man sich impfen lässt? Bisher war die Impfung immer ein Vorteil, wenn wieder mal eine Variante auftauchte. Selbst wenn die Impfwirkung da schwächer war, sie war vorhanden, und zwar bisher deutlich.
7. Gehört das Kind selber einer Risikogruppe an?
...
Jedenfalls greift die Argumentation, "ich impfe mein kind nicht, weil es keinen schweren Verlauf und nur ein verschwindend geringes Sterberisiko bei einer Infektion hat" sehr viel zu kurz.
Das gleiche Phänomen, wie man bei Unfallstatistiken -->Strassenverkehr, nur auf die Todeszahlen schaut. So als wäre der Tod das einzige Risiko. Was ist mit denen, die für den Rest ihres Lebens schwer gezeichnet und beeinträchtigt überleben? Egal? Ist es egal, wenn ein Kind zwar nicht wirklich den Tod fürchten muss, aber dann dafür die nächsten Jahrzehnte mit einer kaputten Lunge oder einem kaputten Herzen dahinsiechen muss?
Spielt es keine Rolle, dass das Risiko bleibender Schäden durch eine Impfung um ein grosses Vielfaches (bis hin zu mehreren Zehnerpotenzen) kleiner ist, als das Risiko einer Langzeitfolge der Infektion, die ja auch ohne Impfung realistischerweise nicht zu vermeiden ist?