In dem Video steckt mir ein bisschen zu viel Optimismus. Es ist ja nicht so, dass sich jetzt das wirtschaftliche oder politische Grundgefüge geändert hätte.
Zur Inflation dieses: Die wird im Wesentlichen durch die Energiepreise verursacht. Das ist aber, wenn man das mal auf die letzten zwei Jahre besieht, keine Katastrophe, sondern schlicht logisch.
Ungefähr im März 2020, im ersten Lockdown, ging der Ölpreis sogar ins negative, weil die Ölförderer von heut auf morgen keine Abnehmer fürs schwarze Gold fanden. Das blieb so dann etwa eine Woche oder so, und danach ging der Ölpreis wieder auf zwischen 20 und etwas mehr als 30$, wo er für ne ganze Weile blieb. Vor der Pandemie dürfte der Ölpreis etwas über 70$ gewesen sein.
Und nun spricht man von Inflation, wenn der Ölpreis wieder da ist, wo er vorher war, bzw. höher geht? Kann ich nicht verstehen. Wenn, dann sind doch andere Dinge teurer geworden. Masken zum beispiel, die haben die gefallenen Energiepreise gut kompensiert. Klar sind die auch wieder runter im Preis, aber dann stiegen Transportkosten, angeblich, weil der weltweite Containerumschlag gelitten hat. Nur: Irgendwann sind doch Container auch wieder teuer genug, dass man entweder neue baut oder bestehende halt auch mal leer von einem Hafen in den übernächsten schippert, weil man weiss, dass man die dort sehr gut los wird? Dann der Chipmangel, als direkte Folge, angeblich, des Transportproblems wegen. Nun fehlen Mikrochips aber auch nicht erst seit gestern, sondern schon seit Pandemiebeginn. Ich hab mich mal mit jemandem unterhalten, der auch schon Mikrochips verbaut hat. Erstens meinte der, dass es nur ganz wenige Founderies gibt, die überhaupt Chips herstellen. Die alle in Asien. Also ein Kapazitätsproblem. Führt dann zur frage, wie lange in Europa und USA die Fliessbänder stillstehen müssen, ehe sich der Aufbau einer eigenen Foundery lohnt? Grosse Autohersteller könnten die Milliarden dafür bis nächste Woche auftun, wenn sie denn mal aufwachen würden. Und es ist nicht so, dass sich so eine Foundery erst lohnt, wenn man die als Betreiber mit dem Eigenbedarf auslasten kann. Heute kann man schliesslich bei jedem guten Elektronikanbieter ein Design für eine Platine oder gar einen Chip einreichen, und der sorgt dann dafür, dass das in beliebiger Stückzahl individuell produziert wird. Sprich, Founderies stellen Mikrochips immer öfter Auftragsbasiert her, und wenn dann die Lieferkette stockt, oder die Produktionskapazität knapp ist, verlängern sich die Lieferzeiten sozialismus-like.
Dabei braucht man gar nicht für jedes Steuergerätlein einen individuellen Mikrocontroller. An sich könnte man dafür auch standard-Teile nehmen, die man dann halt anders programmieren müsste, weil nicht anwendungsspezifisch verdrahtet.
Es gäbe also mehr als einen Ausweg aus dem Dilemma... und das gilt für so gut wie jedes durch die globalisiserung bedingte Pandemie-Problem. Zumal man jetzt schon zwei Jahre dran rum macht und an sich genug Zeit zur Adaption gehabt hätte. Nur dass es erstmal anderthalb Jahre dauerte, bis die betroffenen Wirtschaftsakteure überhaupt aufwachten und ein Problem wahrnahmen.
Dass dann auch noch Microsoft genau jetzt, in Zeiten angeblichen Mangels an Mikrochips, ein neues Betriebssystem lanciert, für welches sich viele einen neuen Rechner anschaffen müssen werden, kann schon fast die Frage nach einer Verschwörung aufwerfen. Vermutlich sind aber einfach nur die in Redmond so ungeschickt wie schon immer.
Blick zurück, auf die letzte grosse Pandemie: 1918 bis 1920, Influenza H1N1, irgendwann in den späten fünfzigern verschwunden, und dann wieder aufgetaucht... Wie dem auch sei: Je nach Schätzung zwischen 20 und 100 Millionen Tote, auf eine damalige Weltbevölkerung von gut 2 Milliarden. Prozentschlümpfe vor. Danach stiegen die Löhne und die soziale Durchlässigkeit zwischen den Gesellschaftsschichten. Und die Leute feierten ihr leben wieder, was den Konsum anheizte. Inflation? Ja, nicht zu knapp, in D zumindest. Allerdings hatte das mehr mit dem 1. Weltkrieg zu tun, als mit der "Spanischen Grippe".
Abgewürgt wurde das schöne Wirtschaftswachstum dann durch den black friday, der kein Freitag war. Dann kam der 2. Weltkrieg, und es ging erstmal etwa 25 bis 30 Jahre stabil aufwärts. Sollte niemanden wundern, wenn man doch buchstäblichst bei null anfing. Und nun?
Sagen wirs so: Nach Jahrzehnten, in denen man über zu wenig Inflation Jammerte, muss man sich glaub ich noch keine Sorgen machen. Jedenfalls dann nicht, wenn die Geldinstitute adäquat handeln. Falls aber doch, wäre das die Chance, wirklich mal wieder für eine Umverteilung nicht bloss von unten nach oben zu sorgen. Ansatzpunkte dafür gäbe es ja: Anpassung der Grundsicherung, wie man das in D nennt, vernünftige Grenzen für Mietwucher, vielleicht ja auch durch einen leichteren Zugang zu Wohneigentum. Ein paar andere Dinge wären da auch noch, wie endlich mal wieder einer vernünftigen und auch entsprechend finanzierten Bildungspolitik den Weg zu ebnen. Nicht zu vergessen, dass man sich schleunigst dran machte, die wirtschaftlichen Chancen der Klimaziele zu nutzen. Eine Auswirkung davon wäre, dass, was dringend nötig wird bis in sagen wir 20 Jahren, einem der Ölpreis einigermassen egal sein dürfte, samt dran hängendem Despoten-Terrorismus.