Man kann doch Glauben, und dennoch sehen, dass die Physik berechenbar ist, also dem Wissen zugänglich. Das ist doch kein grundsätzlicher Antagonismus.
Man kann doch berechnen, welche Kräfte in einem Motor wirken, und dennoch (an anderer Stelle) Glauben. Umgekehrt ist schon schwieriger. "Wenn Du nur feste dran glaubst, dass Zweitaktöl hilft, dann tut es das auch" verträgt sich schlecht mit berechneten Scherkräften, Reibungen und gemessenen Viskositäten bei ebenfalls klar definierten Temperaturen.
Descartes war das glaub ich, der gesagt haben soll: "Der erste Schluck aus dem Kelch der Wissenschaft macht atheistisch. Auf dem Grunde aber wartet Gott."
Nach meiner Lesart heisst das nicht mehr und nicht weniger, als dass jene Bereiche, die der Naturwissenschaft, der Logik und anderen wissenschaftlichen Erkenntnismethoden zugänglich sind, keinen Glauben benötigen. Man kann es da ziemlich genau wissen. Wenn man aber darüber hinaus geht, und gen die Faust'sche Frage geht, was die Welt im Innersten zusammenhält, landet man letztlich irgendwie bei einem Schöpfungsprinzip. (Descartes nannte es zeit- und kulturtypisch Gott.) Nicht, weil die Naturwissenschaft da hin zwingt, sondern weil der Mensch anders nicht fassen kann, dass die Welt, die wir kennen und die, die wir nicht ganz genau kennen, vom Grössten bis ins Kleinste nach den selben Prinzipien funktioniert, die genau so gestaltet sind, dass die Welt zu jenem universalen Wunderwerk wird, worin alles miteinander verbunden ist, und so gut zusammenspielt, und nicht anders.
Naturwissenschaft, in dem Fall Physik, und Glaube schliessen sich demnach nicht aus, sondern ergänzen sich. Der Glaube gibt aber wenns um einen Dieselmotor geht, einfach nicht genug Detailinformationen, um den verstehen zu können. Da kann man eben wissen, und muss sich nicht unbedingt auf Glauben verlassen. Deshalb ist es einigermassen komisch, daraus Glaubensfragen machen zu wollen. Das ist alles nicht so komplex, dass es der Ratio, hier in Gestalt physikalischer Formeln und Modelle, verschlossen bliebe, sondern man kann das alles messen, modellieren und berechnen. Dann weiss man. Glauben muss man nur da, wo man nicht wissen kann. Da wo man wissen kann, ist Glaube fakultativ und oft ungenauer als die Wissenschaft.