Den richtigen Tag für einen Ausflug zum Nürburgring zu finden ist gar nicht so einfach. Ist eigentlich wie mit einem Freizeitpark. Bei schönem Wetter ist es so voll, dass es keinen Spaß macht und bei Regen ist es so nass, dass es keinen Spaß macht. Aber wenn man den richtigen Tag erwischt, ist es einfach genial.
Deshalb macht es auch absolut gar keinen Sinn, dass wir (René und Yannick) letzten Sonntag in früher Morgenstunde losgefahren sind, um ein paar Runden Nordschleife zu fahren. Nicht nur, dass es schönes Wetter war. Die Strecke hatte auch nur halbtags geöffnet und es war der Tag der Biker.
Anlassen 2016/Saisoneröffnung/Motorradgottesdienst. Wie man es auch nennen will, es gab Biker ohne Ende. In den Gegenverkehr fahren, Wheelies im Straßenverkehr. Das kann ja heiter werden
Am Abend vorher noch in der Dunkelheit die Sommerreifen aufgezogen, es soll ja Spaß machen. Ich war etwas Misstrauisch bei einer DOT Nummer die auf 04 endet, aber bevor ich neue Reifen bestelle, wollte ich zumindest mal ausprobieren wie der Wagen sich auf den Zender Challenge anfühlt.
Auf der Strecke war es dann überraschend leer. Die Biker haben sich erstmal auf ihr Treffen besinnt und die Strecke größtenteils den Autos überlassen. Ich halte es immer so, dass ich direkt nach der Ankunft eine Runde fahre und dann erstmal Pause mache. Dann ist die Anspannung weg und man kann den Tag genießen. Also schnell eine 4-er Karte gekauft und raus auf die Strecke
Einfahrt Hatzenbach
Wehrseifen
Steilstrecke?
Nach der ersten Runde hält der Freizeitpark-Vergleich auf jeden Fall stand. Ich habe auch geschrien wie auf einer Achterbahn. Dafür, dass ich das Auto zum ersten Mal am Grenzbereich bewegt habe und die Reifen nicht kannte, war es eine gute erste Runde. Ein paar Schockmomente dabei, aber im Großen und Ganzen alles ok.
Ganz ordentliches und überraschendes Übersteuern beim Einlenken und bei Lastwechseln, für einen jahrelangen nicht-Activa Fahrer kommt das so richtig überraschend. Die Bremsen sind für solche Abenteuer eindeutig unterdimensioniert. Nach einer halben Runde bereits deutlicher Gestank und nachlassende Wirkung. Auf den Runden danach sind wir die Kurven etwas entspannter angefahren und konnten uns die Bremsen besser einteilen. Und was auch ganz schnell klar wird, auch mit dem Activa gehört man zu den langsamsten auf der Strecke. Die Megane, M3, 911er, Golf R und Nissan GTR fliegen weiterhin vorbei. Nicht nur auf den Geraden, auch in den Kurven werden wir Regelmäßig kassiert. Die direkte Konkurrenz zur damaligen Zeit, Volvo 940, Mercedes C-Klasse, haben wir allerdings ganz gut im Griff.
Anschließend sind wir zum Frühstück zum Abschnitt Brünnchen, von wo man immer eine gute Sicht auf die Action hat. Frisch gestärkt wollte ich René dann auf Runde 2 mal so richtig zeigen wie man fährt...
"Den Kleinwagen hängen wir doch bestimmt ab..." => So sollte man wirklich nicht denken. Etwas übereifrig in Hocheichen und den ersten Dreher meines Lebens fabriziert. Ist zum Glück nichts passiert, wir sind zum stehen gekommen ohne ein Stück Leitplanke zu kaufen. Aber eine sehr gute Erinnerung es nicht zu übertreiben. Der Activa ist nicht die gutmütige Familienkutsche, die jeden Fehler verzeiht.
Leichte Kampfspuren auf den Reifen. Das ist wohl ein mini-Bremsplatten.
Danach sehe ich etwas unentspannter aus Im Laufe der Runde wird das Auto immer unberechenbarer, der Grenzbereich immer schwerer auszumachen. Rene schlägt vor, dass wir die Tankstelle ansteuern und uns den Reifendruck vornehmen. Vorne 2,70 Bar, hinten 2,60. Das ist wirklich zu viel, die Reifen haben ordentlich Temperatur. Wir regulieren rundum auf 2,30 und wagen den nächsten Versuch.
Das Ergebnis war wirklich phänomenal. Auf einmal war alles berechenbar, intuitiv, harmonisch. Runde 3 war wirklich sehr, sehr gut. Das zeigt aber auch, wie empfindlich der Activa auf Reifen(druck) reagiert. 0,x Bar machen den Unterschied zwischen neutralem Handling und unberechenbar aus.
Für Runde 4 hieß es Fahrerwechsel. Ja, ich teile meinen Activa auf der Nordschleife... Ich muss verrückt sein.
"Ich glaube ich warte lieber im Fahrerlager... achso du bist noch nie hier gefahren? Du kennst die Strecke nicht... Nagut ich komm lieber mit"
oooh ooooh
In der Rechtskurve vor dieser hat mich vor zwei Runden noch das Heck überholt. René macht das sehr souverän
Wir hatten uns vorher darauf geeinigt, dass ich den Rallye-Beifahrer gebe. Ich habe also immer beschrieben was als nächstes kommt. Das hörte sich ungefähr so an: "Fuchsröhre, vierter Gang, lieber nicht voll, danach links über Curb und direkt Bremsen für Adena...langsam....langsam LANGSAM! AAAH"
Ich kam einfach nicht hinterher und René nähert sich dem Limit gerne von oben. Der Junge weiß auf jeden Fall wie man fährt!
Insgesamt ein sehr schöner Ausflug, hat richtig viel Spaß gemacht. Es werden sicherlich noch einige folgen!
Die Tankfüllung übrigens einen Schnitt von 11,57L/100Km geschafft (470 Km, davon 80 auf der Nordschleife).
Was die Zender Challenge angeht bin ich sehr unentschlossen. Klar, sie toll aus. Aber irgendwie passen sie nicht zum Charakter des Xantia. Ich glaube das wird mir im Alltag schnell zu hart, zu laut. Also 205er oder 225er Sommerreifen kaufen? Würde mich auf jeden Fall über eure Meinung freuen.
Grüße,
Yannick