Jetzt aber zur Planung. Die Abfolge des Restaurations-Verlaufes mag auf den ersten Blick nicht immer kohärent erscheinen. Die Dokumentation gibt jedoch den Ablauf in weitgehend chronologischer Reihenfolge wider. Folgende Prämissen wurden zu Beginn des Projektes gesetzt:
1. Substanz
Je gesünder die Ausgangsbasis, desto überschaubarer ist der zu investierende Aufwand, und desto vorhersehbarer ist auch das finale Ergebnis. In diesem Fall war schnell ersichtlich, dass trotz teilzerlegtem Fahrzeug und viel Dreck eine sehr authentische, teilweise unberührte Basis vorhanden war - der sprichwörtliche ungeschliffene Rohdiamant. Dieser Eindruck konnte bereits während der ersten Besichtigung gewonnen werden.
2. Vollständigkeit
Einen teilzerlegten Oldtimer im Zustand 5 zu kaufen, stellt stets ein großes Risiko dar: Fehlen Teile? Entsprechen alle Komponenten dem Baujahr? Fehlende Teile können einen vermeintlich günstigen Einstandspreis* sehr schnell relativieren. Gerade bei Fahrzeugen wie dem frühen D-Modell kann das Auftreiben eines nicht vorhandenen oder nicht reparablen Teils Zeitplanung und Budget empfindlich strapazieren. Daher die Bedingung, den Wagen bei der Übergabe komplett montiert vorzufinden: Auch, wenn erneutes Zerlegen auf den ersten Blick mehr Arbeit erzeugt, ist diese Methode dem Kauf einer abgebrochenen Restauration in mehreren, womöglich unbeschrifteten Kisten vorzuziehen.
3. Technik
Eine Déesse, die mehr als 25 Jahre nicht gelaufen ist, birgt ein großes Risiko: Wie umfassend müssen Motor und Getriebe bearbeitet werden? Weist die elektrische Anlage gravierende Mängel auf? Nicht zuletzt: Wie hat die hydraulische Anlage die lange Zeit überstanden? Vor allem die Systeme, die noch mit synthetischer Flüssigkeit betrieben wurden, neigen bei längeren Standzeiten zu innerer Korrosion. Dies war auch der Grund, zunächst mit den offensichtlich defekten Bremssätteln zu beginnen. Maßgeblich war natürlich der Motor: Er ließ sich von Hand drehen, doch über seinen tatsächlichen Zustand war darüber hinaus nichts bekannt. Das Primäre Ziel war also, einen ersten Gesamteindruck von der Hydraulik zu erhalten und den Motor soweit zu bearbeiten, dass eine zeitnahe erste Inbetriebnahme möglich würde.
4. Optik
Bei einem Fahrzeug mit weitgehend erhaltener Originalsubstanz will sehr genau überlegt sein, wo eingegriffen werden muss, um die Substanz zu erhalten, und wo authentische Oberflächen lediglich schonend gereinigt, behutsam repariert und konserviert werden sollen. Es wurden daher frühzeitig Versuche mit Lacken und Poliermitteln durchgeführt, um hier eine klare Perspektive des Machbaren zu bekommen. Zudem sollte die Göttin zur ersten Probefahrt optisch ansprechend erscheinen, um eine möglichst klare Perspektive auf das fertig restaurierte Fahrzeug zu geben.
5. Struktur
Erst unter der Gewissheit technischer und optischer Wiederherstellbarkeit der DS sollte mit den substanziellen Reparaturen wie der Beseitigung von Rostschäden und grundsätzlichem Korrosionsschutz begonnen werden. Dieser Part steht bei vielen Restaurationen am Anfang. Der logistische Aspekt ist hier jedoch nicht zu unterschätzen, denn es muss viel Platz geschaffen werden, um demontierte Karosserie- und Anbauteile lagern zu können. In dieser Phase lassen sich bei eingeschränkten Platzverhältnissen kosmetische Detailarbeiten schwierig ausführen. Daher das Ziel, diese Umfänge bereits vor der Instandsetzung des Chassis weitgehend fertig gestellt zu haben.
6. Testphase
Diese Phase sollte einhergehen mit einer Abnahme durch den TÜV sowie der Zulassung des Fahrzeugs. Denn erst in diesem Stadium lassen sich Technik und Zuverlässigkeit ausführlich ausloten, ohne jedes Mal umständlich temporäre Zulassungsprozeduren durchlaufen zu müssen.
7. Finish und Konservierung
„Die letzten 5 % sind die schwierigsten.“ Der Verfasser dieses Satzes ist mir unbekannt, aber er ist zutreffend. Für die Finalisierung einer Restauration sollte man sich Zeit nehmen - viel Zeit, denn wie oft sind auf den letzten Metern vor dem Zieleinlauf Pannen und Missgeschicke passiert. In dieser Phase muss auch gründlich entschieden werden, was in eigenen Parametern geleistet werden kann, und wo Kompetenzen von außen notwendig sind.
*Der Kaufpreis der DS betrug übrigens fünftausend Euro, die ich nicht verhandelte. Da konnte man nichts verkehrt machen!