Wir hatten wohl alle damit gerechnet, in den letzten Tagen. Trotz allem sitze ich fassungslos vor meinem Rechner und frage mich, ob die Vorstellung einer Generation anzugehören, die keinen Krieg erleben wird, heute Morgen im Größenwahn einer kleinen Gruppe machtgeiler und skrupelloser Menschen untergegangen ist.
Ich befürchte uns ist im Moment noch nicht wirklich klar, dass die Welt, in der wir leben und die wir lieben, seid heute Morgen Vergangenheit ist. Es ist nicht nur die Ukraine, die Menschen in der Ukraine, die nichts anderes wollen, als wir es hier auch wollen. Es ist die Zerstörung einer fragilen Ordnung, die zwar kein echter Frieden (wie soll das mit so vielen Waffen Frieden sein) war, aber zumindest Ruhe und die Hoffnung gab, dass die Vernunft siegt und wir uns den eigentlichen Problemen dieser Welt zuwenden.
Und jetzt? Erst die Ukraine, dann die Baltischen Staaten und dann den Rest der Welt? Alles schon mal gehört, alles schon durchlitten: am Ende bleiben abertausende von Toten, Elend und Zerstörung und die Putins dieser Welt sind dann doch alle ihren letzten Gang gegangen und konnten nichts mitnehmen. Die Folgen wiegen länger. Und heutzutage wahrscheinlich für immer.
Es geht bei diesem Krieg nicht nur um jeden einzelnen Menschen in der Ukraine, nicht um die arme Sau, die zu blöd oder weil chancenlos, für die russische Armee kämpft: es geht schlicht und einfach um die Gefahr eines letzten großen Krieges, der Zerstörung unserer Zivilisation. Das Ende der Hoffnung.
Ja, die Frage steht im Raum: wer ist der nächste Staat, die nächste Gesellschaft, die untergeht? Wer sucht in der Situation seine Chance? Taiwan, Estland, Südkorea, wer ist der nächste Platz für Brettspiele? Oder wird die Situation genutzt und gleich alle alten Rechnungen beglichen? Wenn schon, denn schon.
Mir bleibt der Tee im Halse stecken, aber ich weiß es nicht besser. Wir haben verloren.
Im einfachsten Fall wird nur ein Teil der Ukraine besetzt, nur ein paar Millionen Menschen flüchten, nur ein paar zehntausende Verrecken. Dann wird es eine massive Militarisierung geben, kein Geld und keine Möglichkeiten mehr, für die eigentlich wichtigen Dinge auf diesem Planeten. Keine Bekämpfung der Armut, keine Energiewende, keine weitere Demokratisierung. Scheißt auf Eure Rente.
Länder wie Nordkorea oder der Iran werden sich zu Recht fragen, warum sie auf Verträge setzen sollen und ihre Atomwaffen abgeben, wenn am Beispiel der Ukraine gezeigt wird, dass Macht nicht Verantwortung, sondern gnadenloses Ausnutzen bedeutet und ein Vertrag den Schiss am Morgen nicht Wert ist.
Ich bin zu tiefst frustriert, enttäuscht und verängstigt und frage mich, wie es möglich ist, dass so wenige Menschen auf dieser Welt für nichts, so viel Elend und Zerstörung bringen können. Und ich frage mich schon ein Leben lang, warum es so viele Arschkriecher auf dieser Welt gibt, die diesen Menschen erst die Möglichkeiten dazu geben.
Die Zeiten werden unlustig. Falls wir nicht direkt in einen Krieg rutschen (was für ein scheiß Wort für eine aktive Handlung), werden uns heftige wirtschaftliche Krisen und massive ökologische Veränderungen an den Rand unserer Existenzen bringen.
Mein Tee ist leergetrunken, mein Kopf ist leer. Nur eine unbändige Wut ist in mir. Und eine sehr große Verzweiflung.
Ich wünsche den Menschen in der Ukraine alles Glück der Welt
R.