Der Break und ich hatten einen - um es vorsichtig auszudrücken - etwas holprigen Start. Auf himmelhoch jauchzend folgte zu Tode betrübt. Aber wie bei jeder guten Geschichte wird am Ende alles gut. Aus dieser Perspektive (nicht am Ende, aber alles gut! 😉) ein Rückblick:
Begonnen hat es mit diesem Anzeigentext, auf den ich 2016 in einem Verkaufsportal gestoßen bin:
Ein 1986er CX 20 RE Break. 2. Serie. 106 PS-Douvrin (oder "Alu")-Motor. Rund 215.500 km. Brot- und Butter mit einer Innenausstattung in einem sehr guten bis sensationellen Zustand - sehr gepflegt, nicht verwohnt oder gar heruntergeritten. Sehr selten für einen einfachen Break, der zumindest dem Klischee zur Folge als Gebrauchtfahrzeug entweder von Handwerkern oder von jungen Familien als preiswerter Lastenesel verbraucht wurde. Außen präsentierte sich der CX mit einer angenehmen Patina ... man sah ihm seine 30 Jahre dezent an, aber das macht den Charme des Fahrzeugs aus. Er war lange Zeit in Erstbesitz in Frankreich, wurde dann nach Luxemburg verkauft und ist dann an den jetzigen Verkäufer in Deutschland gegangen, der ihn jedoch in Deutschland noch nie zugelassen hatte.
Über die relativ hohe Kilometerleistung habe ich mir lange Gedanken gemacht. Weniger Kilometer machen mehr her ... sind aber auch nicht immer besser, wenn das Auto ewig irgendwo herumgestanden hat. Außerdem nutzen weniger Kilometer nicht viel, wenn der Gesamtzustand schlecht ist. Weiterhin fahren auch aus meiner eigenen Erfahrung zum Beispiel gepflegte D-Modelle mit deutlich mehr Kilometern noch sehr aktiv durch die Lande - warum sollte das bei diesem Break anders sein? Bei diesen Überlegungen wäre es sicherlich klug gewesen, einen genaueren Blick darauf zu werfen, wie das Fahrzeug technisch auf dem Weg zu dieser Kilometerleistung technisch gepflegt wurde. Dazu weiter unten mehr.
Das sind die ersten Bilder, die ich im September 2016 vom weißen Wal gemacht habe:
Der wirklich bestechend gute Eindruck hat mich einen Fehler machen lassen, den ich mit Sicherheit nicht nochmal machen werde: Ich habe nicht genau hingeschaut. Der Preis von 11.200 € schien durch den Zustand gerechtfertigt. Ich kannte den Verkäufer, und der Verkäufer hatte durchaus Ahnung von CXen. Nur hat er vermutlich den gleichen Fehler gemacht wie ich - auch er hat sich vom ersten Eindruck leiten lassen und hat ebenfalls wahrscheinlich nicht genau hingeschaut.
Während der Probefahrt war noch alles prima. Aber bereits auf der Heimfahrt nach dem Kauf fingen die Probleme an - schlechte Gasannahme, Ausgehen im Leerlauf, ruckeln. Also wieder retour in die Werkstatt des Verkäufers. Dort ließ sich der Fehler nicht reproduzieren, bei mir ist er wieder aufgetreten. In den ersten Wochen bin ich X-Mal liegengeblieben und wurde einmal vom ADAC abgeschleppt. Nach Tausch der üblichen Verdächtigen (Zündkerzen, Zündkabel, Zündmodul, Zündspule ... ) habe ich mir das erste Mal in meinem Leben einen Vergaser näher angeschaut. Aha. So sieht das also aus. Puh!
Auch ein NOS-Ersatzvergaser war allerdings nicht die Lösung des Problems. Also stand ich da (im wahrsten Wortsinn) mit einem wirklich tollen CX, der mich allerdings nicht zuverlässig von A nach B gebracht hat. Da ich zu der Zeit auch noch mit einem XM gesegnet war, der nach Belieben in voller Fahrt einfach ausgegangen ist, und ich nicht selber schrauben konnte (Zeit, Erfahrung), blieb noch der Weg zur Werkstatt meines Vertrauens im schönen Münsterland. Uwe hat dann genauer hingeschaut ... und dann wurde es bitter.
Das ist die Ausbeute nach sehr intensiven Arbeiten an Motor und Karosse:
Auf dem letzten Bild zu sehen ist der Bodensatz an Sediment, der sich im Motor befand. Dies zum Thema Pflege im laufenden Betrieb.
Im Zeitraum von Oktober 2016 bis Mai 2017 wurden folgende Arbeiten ausgeführt / Teile getauscht:
Kupplung
Pleuellager
Motordichtsatz
Auslassventile
Einlassventile
Zahnriemen und Spannrolle
Wasserpumpe
Thermostat
Ölstandssonde
Nockenwellenlager
Pilotlager Schwungscheibe
Getriebesimmering Differntial
Getriebelager
Motorlager unten
Motorkühler
Lichtmaschine
Lichtmaschinenspanner
Keilriemen LiMa und Hydraulikpumpe
Rückfahrlichtschalter
Handbremsbeläge
Handbremsseile links und rechts
Bremsscheiben und Bremsbeläge vorne und hinten
Bremssatteldichtungen
Spurstangen links und rechts
Motoröl, Getriebeöl, LHM, Kühlflüssigkeit
Luft- und Benzinfilter
Gasfedern Heckklappe
AHK Westfalia
Fahrersitzhöhenverstellung
Kofferraumabdeckung
Ausbau Motor- und Getriebe
Instandsetzung Motor
Tank instandgesetzt
Schweissarbeiten Stoßstangenecke vorne, Stoßstangenecke hinten, Radausschnitt Kofferraum
Das hätte man zum Beispiel sehen können, wenn man genauer hingeschaut hätte:
Ein paar Eindrücke von der Instandsetung:
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Im Mai 2017 auf der Heimfahrt nach sehr, sehr viel Arbeit:
Sieht von außen nicht viel anders aus als vorher, oder? 😉
Grüße
Michael