Sie ist grösser, als ich dachte. Die zitierte Botschaft ist Jahrzehnte alt, und schon da gings um fast eine Milliarde Franken im Jahr, und das sind nur die Exporte. Die Rüstungsfinanzierung ist eine andere Frage, mit der ich mich noch überhaupt nicht befasst habe. Die direkte und indirekte Finanzierung verbotenen Kriegsmaterials ist jedenfalls bei Strafe verboten. Siehe Art. 7 bis und mit 8c KMG. Das betrifft aber nicht die gängigen, international nicht besonders geächteten und damit erlaubten konventionellen Waffen.
So wie ich die Schweizerische Neutralität aber bisher im Ukrainekrieg erlebt habe, hat man kein Interesse daran, Kriegsmaterial zu finanzieren, sondern wirkt auf allen Ebenen zu Gunsten der Europäischen Interessen, die eben mit Waffen nichts zu tun haben, insbesondere mit Sanktionen und humanitärer Hilfe. Beachtlich ist dabei, dass schon die Sanktionen ein Schritt sind, der nach der Lesart vieler im Lande eigentlich nicht strikte neutral ist. Es gibt dazu aber kaum mehr, als das, was ich hier schon einmal verlinkt hatte. Das sind die Worte von Bundespräsident Cassis, der sinngemäss sagte, einem Agressor in die Hände zu spielen, sei nicht neutral. Da selbst das schon eine Verzögerung zum Anschluss an die Sanktionen ergab, die auch hier kritisiert wurde, rechne ich nicht damit, dass auch nur die Finanzierung von Waffenlieferungen besonders zügig umsetzbar wäre, wenn denn überhaupt.
Wie schon einmal angemerkt, die Neutralität der Schweiz kann eigentlich niemanden Überraschen. Bis anhin erkenne ich auch keine Tendenz, die mehr als situativ unumgänglich zu konkretisieren. Man hält sich, wie schon in anderen Konflikten, gepflegt heraus, soweit es eben möglich ist. Das bereits seit 1815, wobei die Neutralitätserklärung der Schweiz nicht ausführt, wie die zu verstehen sei, sondern auf den Pariser Frieden und den Wiener Kongress bezogen ist. Es geht da mehr darum, die Neutralität im Zuge des Wiener Kongresses von den teilnehmenden Mächten offiziell anerkennen zu lassen, im Sinne einer Garantie, sich aus Konflikten heraushalten zu können, und etwa auch mit der Gewährung von Durchmarschrechten an Fremde Mächte keine territorialen Ansprüche jener fürchten zu müssen.
Man ist seither einfach von Krieg zu Krieg stabil bei der Neutralität geblieben, und hat immer mal wieder überlegt, was das im Einzelfall heisst. Jedenfalls, wenn ich das richtig verstanden habe.
Für moderne Fachliteratur zum Thema Neutralität müsste ich in die Bibliothek, und ein online verfügbares PDF zu dem Thema, ein Buch aus dem ausgehenden 19.Jh., hat nicht weniger als 450MB und etwa 1300 Seiten. So schnell bin ich dann mit lesen auch nicht, und man hätte damit nur den Stand des Begriffs etwa 10 Jahre vor Ausbruch des 1. Weltkriegs.