Wenn jeder, der gehört werden möchte auch anderen zuhörte, dann sollte sich doch ein Nutzen einstellen, nicht?
Zuhören ermöglicht es, eine andere Position zu verstehen, sie im Kern richtig wiederzugeben und mit Bezug sinnvoll darauf zu antworten - etwa so.
Die Fraktion einer zivilen Lösung berufen sich auf drei Hauptargumente:
1. "Putin mag sich geirrt haben, aber die NATO und die USA tragen ihren Teil der Schuld, als sie die ehemals kommunistischen Länder Osteuropas in das Bündnis brachten: In der Tat fühlte sich Russland dadurch umstellt."
Die Erklärung legt nahe, dass diese Länder dem Bündnis nicht aus eigenem Wunsch beitraten, weil sie eine historische Angst vor Russland hatten, sondern im Wesentlichen, weil sie von den aggressiven Zielen der Amerikaner getrieben wurden.
Es ist mir nicht bekannt, dass es in Estland, Litauen oder Polen je eine Regierung oder eine Protestbewegung gegen die Natomitgliedschaft gegeben hätte. Soll Lettland gegenüber Portugal nur aufgrund seiner geographischen Lage nicht das gleiche Recht auf Schutz haben?
2. "Putin mag zuerst angegriffen haben, aber jetzt ist dies zu einem Stellvertreterkrieg geworden, den die Vereinigten Staaten gegen Russland bis zum letzten Ukrainer führen."
Gehen wir zurück in den Vietkong, der damals massiv von Russland und auch von China durch Waffen zur Verteidigung erfolgreich unterstützt wurde. Lassen wir die Bewusstseinslage in Osteuropa beiseite, und erinnern wir uns an die massiven Proteste in ganz Westeuropa, ja, und auch natürlich an die heftigen Straßenkämpfe in den USA selbst. Nehmen wir die Meinungen zum Vietnamkrieg in den 50 Jahren danach hinzu.
Wer gilt als Verursacher des Krieges und des Leids in Vietnam - die Russen, weil sie Waffen zur Verteidigung geliefert haben?
3. "Die Ukraine sollte die Waffen niederlegen, und den Konflikt muss durch Verhandlungen lösen"
Krieg beginnt durch eine einseitige Aggression, dem Gegenteil einer Verhandlungsabsicht, das Ziel ist Unterwerfung. Wenn Russland dem neutralen Un-Generalsekretär einen Tag nach einer Unterredung in Moskau zum Zeitpunkt seines Zusammentreffens in Kiew eine Rakete als Liebesgruß aus Moskau hinterherschickt, zeugt das eher von Wahnsinn und Ausweglosigkeit im Kopf von Herrn Putin.