Ich finde solche Diskussionen immer amüsant. Eigentlich gibts da keine objektiven Kriterien, denn selbst die Tests sagen nichts.
Da werden Reifen getestet, die zu dem Zweck handverlesen wurden. Möglicherweise sogar extra für solche Tests produziert. Und die werden den Testern dann in der Regel Kostenlos gestellt, zusammen allenfalls auch noch mit Testwagen, Teststrecke oder gar der Anreise und Unterbringung der Fachjournaille zum Ort des Geschehens.
Etliche der Bewertungskriterien sind selber wieder nicht objektiv messbar. In welcher Masseinheit misst man denn Komfort? In welcher so Sachen wie Spurtreue? Und wer legt fest, dass nur möglichst geringer Verschleiss eine gute Bewertung verdient? Ich zum Beispiel war von Michelins mal grandios enttäuscht, weil die nach 40'000km immer noch 5mm oder so drauf hatten, aber auf Trockener Strasse dafür eine miserable Bodenhaftung, obschon erst 5 Jahre alt. Ein Reifen, der nach 5 Jahren schon trocken nicht mehr wirklich guten Grip hat, darf dann auch die Verschleissgrenze erreicht haben. Von mir aus auch nach 40'000km. Weg muss er nämlich dann sowieso, wenn Sicherheit ein Kriterium in der oberen Hälfte der Prioritätenliste ist. Ich war dann ein paar Jahre lang mit Nokian ganz zufrieden, weil leise, Spritsparend und nicht Langlebiger, als es die Gummimischung sinnvollerweise auch kann, vom Grip her.
Andere, denen ich davon erzählte, bemängelten, die seien zu schnell runtergefahren. So sans, d' Leit.
Dann hab ich mal wieder das Auto gewechselt, und musste mich Winters widerwillig doch wieder mit Michelins zufriedengeben, die bei dem Gebrauchtkauf halt dabei waren. Dank schneearmer Winter wars egal, ob die Reifen grip hatten oder nicht, also durften sie bleiben, sind jetzt aber auf 2.5mm runter. Nokian in der Dimension zu teuer... Also was anderes, was hier sicher keiner will: Runderneuerte. Hatte ich schonmal, und hatte noch nie Reifen mit besserem Schneegrip. Die dafür in allen anderen Disziplinen, ausser vielleicht der Nasshaftung, verloren. Egal, sind billig und kommen aus deutscher Fertigung, also nicht aus China. Der Rest wird sich weisen. Schwarz sind sie jedenfalls. Und es gibt da dann auch noch andere Kriterien auf der Habenseite, als die direkten Produkteigenschaften. Nur 30% des Materialbedarfs eines üblichen Neureifens, wobei vor allem der Naturkautschuk in den Seitenwänden eben eingespart wird. Für mich ein Argument, seit ich mal eine Doku dazu gesehen habe, wie heute Kautschuksammler leben. Kurz: Das ist moderne Sklaverei. Schuften den Ganzen Tag für ein Schälchen Reis. Wenn ich das in geringerem Ausmass mit verantworten muss, dann gern auch runderneuert... zumindest im Winter, wo ein Reifen sowieso nach 3 bis 5 Jahren entsorgt gehört, wenn er denn wintertauglich sein muss.
Sommerreifen sind momentan Toyo NanoEnergy. Leise, Spritsparend und Langlebig, ohne so unausgewogen einzig auf Langlebigkeit ausgelegt zu sein, wie die Michelin.
Reifen aus Frankreich jedenfalls haben bei mir keine Chance mehr, seit mir vor Urzeiten, das muss etwa 2008 oder so gewesen sein, mal einer geplatzt ist, bei 120km/h auf der linken Autobahnspur.
Bridgestone fand ich auch zu hart, und Dunlop hatte einmal an meinem damaligen Kleinstwagen angefangen Blasen in der Seitenwand zu werfen, schon nach 6 Jahren oder so, obschon Profilmässig noch ok. Der einzige Reifen auch, dem 58 Automaten-PS damals reichten, um zumindest ansatzweise mit durchdrehenden Rädern anfahren zu können. Zu hart eben, kein vernünftiger Grip. Aber mit dem Fronttriebler dennoch gut fahrbar, der, ohne ESP, im Zweifel über die Vorderachse schob.
Bremsweg als Sicherheitskriterium? Nur relevant, wenn man die Reifen dann nicht 10 Jahre fährt. Ein fünfjähriger China-Billigreifen wird auch nicht entscheidend schlechter bremsen, als ein >9Jahre alter Michelin... oder andere Premiums.
Was sagt das nun dem, der auf der Suche nach dem Idealen Reifen ist?
Nichts, ausser vielleicht, dass man erst weiss, ob man richtig gewählt hat, nachdem die Reifen montiert sind, und man dann selber sieht, wies sich damit fährt.
Meine Berichte beziehen sich sämtlich auf Schmalreifen mit 65er oder 70er Querschnitt, also nichts, was hier diskutiert werden muss.
Ich will nur sagen: Beratung ist da schwierig, weil nur wenig wirklich messbar, und selbst das oft auf Selbstdeklarationsbasis des Herstellers (Reifenlabel). Und wenn es gemessen wird, dann nicht an Reifen, wie wir sie beim nächsten Reifenhändler oder im Netz kaufen, sondern solchen, die extra zum Testen ausgesucht oder gar hergestellt wurden. Werbeartikel also.
Lohnt nicht, sich darüber die Köpfe einzuschlagen.