Danke für die schöne Story, weshalb B&O irgendwann von einem respektablen Hersteller für Hifi-Geräte zum Produzent von modernen Tonmöbeln verkommen ist. Sie mögen damit eine Weile gutes Geld verdient haben, also aus unternehmerischer Sicht nachvollziehbar. Perfiderweise taten diese Möbel genau das, wofür die gut betuchten Kunden sie gekauft hatten: Schön aussehen, Besucher beeindrucken, und zur Not auch mal eine CD abspielen oder etwas Hintergrundgedudel aus dem Radio. Doch selbst dafür wurde meistens lieber der noch zwei Meter daneben stehende Mono-Henkelmann (Universum, Palladium, Telefunken....) genutzt, weil der zuverlässig mit einem einzigen Knopf eingeschaltet werden konnte, während man für das schicke Tonmöbel erstmal suchen mußte, wo denn nun die verdammte Fernbedienung wieder ist, denn das gleichförmige Meer aus Knöpfen, beschriftet mit kryptischen Symbolen entgegen jeglicher Konventionen, erforderten einen unbeugsamen Entdeckergeist, um die gewünschte Funktion zu finden. Und wehe, man wollte mit dem schicken Ding gar etwas aufnehmen. Die Ergebnisse waren derart blamabel (für Eingeweihte: Man konnte nicht einmal manuell aussteuern), daß man lieber doch nur ab und zu mal eine CD auflegte, wenn man denn die Fernbedienung fand. Vielleicht eine Art von subversivem Kopierschutz?
Ich weiß, wovon ich rede. Bei einem guten Schulfreund hing so ein Beocenter an der Wand. Wir wurden mit dem Ding nie warm, und seine Eltern warfen es nach maximal zehn Jahren sporadischer Nutzung entnervt raus, weil sich das Sesam aus Glas-Schiebetüren nicht mehr öffnen wollte, und das Teil derart verbaut war, daß Reparaturversuche eines nicht speziell auf das Gerät ausgebildeten Technikers ziemlich schnell gescheitert sind.
Zum Glück gab es noch Firmen wie Revox, ASC, Nakamichi. Deren Geräte waren genauso teuer, aber sie taten wenigstens mit Bravour das, wofür sie gebaut wurden: Musik-Wiedergabe und Aufnahme auf allerhöchstem Niveau. Manche Mitbewohner*innen im Haushalt mögen diese als "nicht wohnzimmertauglich" abqualifizieren - das muß man einfach aushalten, zur Not irgendein kleines, abspielfähiges, preisgünstiges Tonmöbel in selbiges Zimmer stellen, und dann in einer hemmungslos eingerichteten Hifi-Ecke woanders im Haus der Symbiose aus Musik und Technik frönen. Und sei es nur, um mal wieder ein paar Aufnahmen für die alten Autos mit ihren Casettenradios zu machen. Drag and Drop auf dem Smartphone kann jeder. Die Zeremonie aus Entmagnetisieren, Putzen, Einmessen und Aussteuern für eine gute Bandaufnahme ist hohe Kunst.