Ganz zu Anfang des Krieges habe ich auf die Leserbriefe in der schweizerischen "Weltwoche" hingewiesen - die haben diese Aspekte noch weit offenherziger, oder sollten wir sagen unbefangener vorgetragen. Ich habe das nicht kommentiert, sondern damals nur als eine Gruppe der "Pazifisten" soziologisch benannt und zugeordnet.
Mir fällt heute, nachdem ein halbes Jahr Krieg verging, zu dem Punkt der 21-jährige Taiwanese ein, der sich freiwillig für die Frontkampf gemeldet hat. Die Beweggründe dafür kann sich jeder denken - ging so in Richtung: "Ich kämpfe für die Ukraine, für Taiwan und für meine Zukunft." Ja, so unterschiedlich können die Ansichten und die Konsequenzen fürs eigene Handeln sein.
Gestatten, Tüde, mein Vorname ist weder "Platt" noch "Atti", nein, nicht "James", sondern schlicht "E". Kommst du noch mit - dann bist du in diesem Moment ganz weit vorne, also von Klavierspieler zu Klavierspieler - wann sah man je zwei in einem Raum? - ich verstehe, dass die immergleichen zwei "F"-wörter dich nach sechs Monaten langweilen.
Ich wende eine rhetorische Figur an, gehörte bis in die 80-er zum gehobenen journalistischen Ton, fand man auch in der Werbung zur Anpreisung von Hochprozentigem, literarisch allerdings schon damals gänzlich ausgebrannt, aber als Mittel, um sich selbst und andere aus Engstirnigkeit herauszulocken, immer noch eine passable Methode.
Wenn in Tschetschenien und Syrien, wo im Grunde keine Gegenwehr vorhanden war, trotzdem von den Russen erbarmungslos getötet wurde, wenn also die Ukraine aufgäbe, dann wären gleichwohl viele gestorben, allerdings nur die Ukrainer, wenn die sprachliche Nähe der Ukraine sie nicht vor Kriegsverbrechen verschont hat, wenn ein Vertrag über Weizenlieferungen geschlossen, daraufhin aber am nächsten Morgen der Hafen von Odessa bombadiert wurde - opfern wir kurz all diese unerhörten "wenn" für die Verständlichkeit und Prägnanz, und rufen wir uns von der (ja, schon wieder eine Frau) tiefsten Putinkennerin, Catherine Belton, die aufdeckte, wie Putin in der kritischen Phase in den 90-ern in Leningrad, seine Töchter in Deutschland in Sicherheit brachte, sich mit der Mafia im Hafen zusammenrottete, um die Kontrolle über die Ölausfuhr zu erlangen. Was ist ein Mafiosi - Putin ist keiner - und worum geht es ihm?
Ein Bandit, und es geht ihm ums Geld - da trafen sich die Richtigen.
Wenn also der größte Bandit bei den Ukrainern einfällt, mordet, enteignet und raubt, wenn er dazu schon eigene junge Menschen im fünfstelligen Bereich ins Jenseits beförderte, wenn er daraufhin ahnungslose junge Männer unter der ärmsten Bevölkerungsschicht, die wegen seiner Gier in solchen Verhältnissen leben, für 2000 € in ein Himmelfahrtskommando schickt, dann frage ich, wieviel soll noch kommen, damit jemand seine immergleichen Antworten endlich ändert?
Ein großes "wenn" fehlt, und das betrifft mich selbst.
Wenn Putin vermutlich unter dem Gefühl ein "Geniestreichs" sei ihm gekommen, Gefangene rekrutiert, um sie inmitten eines Atomkraftwerkes mit Artillerie auszustatten, weil Putin davon ausgeht, dass andere nicht so wahnsinnig sein werden, wie er selbst, dann überlege ich mir allerdings auch meinen Standpunkt, weil, ein vernünftiger Mensch braucht nicht unendlich viele "wenn", um seine alten Maxime und selbstredend sein Handeln zu ändern.