Ja, zum Teil, und zwar deshalb, weil wir jeden Strom benötigen, um die gesamte Transformation der Ökonomie umzusetzen. Oder anders: Der über PV-Anlagen erzeugte Strom wird dringend anderweitig benötigt, solange wir keine ausreichend leistungsfähigen Speicher haben. Ich habe irgendwo gelesen, dass in England die E-Ladestationen abgeschaltet werden können wenn der Strom benötigt wird, um Blackouts zu verhindern. Das Beispiel zeugt doch, wie eng der Rahmen ist, in dem sich die Energiewende bewegt. Wie teuer die Speicher alleine für die dezentralen PV-Anlagen sind, sehe ich an der Anlage, die mir demnächst aufs Dach gebaut wird. Ich bin froh, dass ich meinen eigenen Strom dann nicht verfahren muss, dafür reicht eine 7,2 kWp-Anlage gar nicht aus, und für eine größere ist auf dem Dach meines Hauses kein Platz.
Die E-Mobilität muss hoch gefahren werden, da stimme ich Dir zu. Das darf aber nicht die Energiewende bremsen, also muss man sich darüber im Klaren sein, dass wir nicht enorm große Mengen Zusatzstroms verbrauchen dürfen, denn der wird nun mal (Achtung, Physik, da hat Lindner recht) fossil/atomar erzeugt, allen Greenwashing-Studien zum Trotz. Das habe ich hier schon gebetsmühlenartig beschrieben, und Ihr habt mir heftig widersprochen, und diesen Dissens halten wir dann eben fest. Hochfahren heißt nach meiner Einschätzung: E in Städten einsetzen: Städtischer Kurzstrecken-/Lieferverkehr (Pflegedienst, Post, Taxi, dhl usw.) könnte gut bedient werden. Das wäre gut fürs Stadtklima, und die Technik könnte entwickelt werden.
Ich habe kürzlich mal mit ein paar Leuten über BEV im potenziellen praktischen Einsatz geredet. Wir haben alle mal darüber nachgedacht, welche Strecken wir innerhalb der letzten 4 Wochen mit dem Auto gefahren sind. Das war für manche derartig komplex und nicht planbar, dass alleine daran der Einsatz von BEV gescheitert wäre (lückenhafte Lade-Infrastruktur, zu lange Ladezeiten, zu geringe Reichweiten).
Man komme mir nicht mit Moral. Ölförderung und -Verbrennung ist genauso katastrophal wie der Abbau von Lithium und Kobalt, und das Zeug würde trotz aller Bemühungen um reduzierten Einsatz in den zukünftigen Batterien bei einem weltweit schnellen Hochfahren von E-Mobilität nach allem, was ich zuletzt gelesen habe, mehr gebraucht als jetzt. Ich weiß, dass in meinem Smartphone auch Lithium verbaut ist, aber Autobatterien in groß angelegter Massenproduktionen sind doch noch einmal ne ganz andere Hausnummer.
Wir sind uns im großen Ziel der Dekarbonisierung völlig einig, wir streiten uns bloß über den Weg. Genau dieser ist voller Paradoxien. Die zu sehen und danach zu handeln - darum geht es mir.
Gruß von Martin