Guten Morgen Micha und den anderen Lesern ein fröhliches Hallo,
vorab, ich vergesse manchmal, wofür ich hier lese und schreibe. Der Sinn besteht für mich darin, mich mit Menschen auszutauschen, die ich sonst kaum treffen würde. Aber dann gleiten Kommentare von mir ab und ich möchte nur noch meine Wut, mein Unverständnis oder meine vermeintliche Klugheit zum Ausdruck bringen. Und ich vergesse, dass es sehr wertvoll ist, Dinge genannt zu bekommen, die man so nicht sieht, sonst nicht versteht oder für falsch hält. Wertvoll, weil es so deutlich leichter ist, eine Meinung zu festigen oder zu revidieren. Oder ganz neues dazu zu lernen. Daher danke für Deine ausführliche Antwort.
Der ich natürlich so nicht zustimmen mag 🙂
Das Nationalismus eine sehr junge Ideologie ist und wir daher aufpassen müssen, dass wir nicht aus unserem heutigem Bewusstsein die Geschichte betrachten, spare ich jetzt aus. Ich möchte Dir lieber auf zwei Punkte Antworten, die ich anders sehe.
Eine Flucht ist kein freiwilliger Akt. Natürlich helfe ich trotzdem, allerdings ist mein Bestreben eher radikal und nicht sosehr darauf fokussiert, die Folgen etwas zu mildern. Das sehe ich exakt auch so bei Flüchtlingen aus anderen Teilen dieser Welt. Der Grund für Flucht muss beseitigt werden. Das ist hier eindeutig der von Putin 2014 begonnene Krieg. Daher gibt es für mich keinen Grund einem Menschen aus der Ukraine aufzufordern die Waffe wegzulegen und zu fliehen.
"Waffen gibt es nicht, dann dauert es länger?"
Nein! Der Tod kommt nur anders und ist nicht so schnell vorbei. Wie viele Menschen sind in der Ukraine durch die UDSSR 1918-21 umgebracht worden? 4 Millionen? Dann die Millionen Tote durch den Holdomor. Dann die Menschen, die im Gulag verschwunden sind. Jetzt die Toten auf den Straßen von Butscha und der Versuch Russlands die Menschen erfrieren zu lassen etc-pp. Und warum sollte dann Schluss mit töten sein? Ist es doch heute in Russland auch noch nicht. Und diese Menschen zählen auch, genauso, wie die Menschen in den Knästen und auf den Friedhöfen von Belarus. Hier ist doch wohl eher die Kernfrage, welche Tote wir haben wollen. Die, die durch den Krieg jetzt sterben. Mit der Hoffnung, dass Russland nicht gewinnt und danach nicht Moldawien das nächste "Heim ins Reich" Land ist. Dann Georgien und dann? Oder die Toten, die die russische Politik nach einem Sieg in diesem Krieg noch kosten wird?
"Verhandlungen mit dem Ziel einer Blockfreien Ukraine ohne Nato und ohne E.U. wären möglich gewesen."
Wenn wir schon in einer Welt leben, wo souveräne Staaten das Gerüst der Ordnung bilden, dann darf doch bitteschön jedes Land dort mitmachen, wo es möchte. Wieso sollte man der Ukraine den Zugang zur EU verwehren? Weil Russland das blöd findet und nicht in der Lage ist, ein attraktiver Partner zu sein? Und Russland nicht verstehen will, dass es durchaus eine Mitgliedschaft in der EU und gleichzeitig einen Handel mit ihnen geben kann? Oder ist das der Preis für unseren Frieden und unsere Ruhe und wir schauen zu, wie sie in Abhängigkeit von Russland über die Runden kommen? Sorry, aber das klingt mir etwas zur sehr egoistisch und nur auf den eigenen Bauch geschaut. Und ein Beitritt zur Nato hat meines Wissens nie wirklich (!) zur Debatte gestanden. Genauso wenig, wie der Beitritt Finnlands und Schwedens!
Wenn Russland sich fair und nicht imperialistisch Verhalten würde, gäbe es keinen Grund für die Annäherung an z.B. die Nato. Aber das Gegenteil war der Fall: Russland hat sich massiv in die Politik (unter anderem)der Ukraine eingemischt und Vertreter russischer Politik unterstützt und ein instabiles und korruptes System aufgebaut bzw. erhalten. Aus nur einem Grund: die Ukraine abhängig zu halten und ihre Souveränität zu unterlaufen.
Das Budapester Abkommen war die Vorlage für einen neue Ordnung der gleichberechtigten Staaten in dieser Region. Russland hat das alles mit seinem Ultranationalismus zerstört und sich sehr nahe stehende Staaten zum Feind gemacht. Das war keine logisch zu begründende Handlung.
Ich fühle mich absolut nicht wohl dabei und mir geht es ausdrücklich nicht darum, dass Russland verliert. Ich will auch keine Rache oder dem Putin mal zeigen, was wir für tolle Waffen haben. Aber ich sehe nur eine Chance aus einem sehr langem und grausamen und andere Länder mit einbeziehenden Krieg heraus zu kommen. Wir müssen die Ukraine massiv unterstützen, damit Russland nicht gewinnt. Danach muss dieser Krieg als Blaupause genutzt werden, damit allen anderen Ländern klar ist, dass keine Insel dieser Welt es Wert ist, einen Krieg zu beginnen.