Wie schön kann doch ein Tag ohne funktionierendes Internet sein....
Ich habe mir den Text jetzt ein zweites Mal durchgelesen und kann seine Aussagen für mich nur bestätigen. Mit etwas Abstand stelle ich fest, dass ich auch dazu neige, die Medien zu lesen, dessen Inhalt ich auch hören möchte. Natürlich würde ich es immer damit begründen, dass mir andere Zeitung zu sehr instrumentalisiert und "auf einem Auge" blind sind. Es fällt mir sehr schwer zu akzeptieren, dass dem nicht so ist.
Auch muss ich gestehen, dass ich Meldungen unterschiedlich bewerte. Ein Artikel aus der FAZ findet bei mir sehr schnell das Prädikat "Arschkriecherjournalismus", die gleiche Aussage in Die Zeit bringt mich eher zu einem "hat mal einen schlechten Tag" gehabt.
Das ist eine Tendenz, häufig merke ich durchaus diese Fehlfunktion. Im besten Fall kann ich dann über mich lachen oder ich denke mir ein "aber trotzdem". Grundsätzlich kann ich mich allerdings davon auch lösen, da mich "Recht haben" oder nicht, nicht wirklich interessiert und ich darin nichts positives erkennen kann. Allerdings übersehe ich deutlich häufiger, das ich von vorne herein eine Auswahl getroffen habe und somit überhaupt nicht soweit komme, wie es für eine gute Beurteilung notwendig wäre.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich irgendwann mal komplett gelöst von diesem Verhalten Informationen aufnehmen kann. Grundsätzlich bin ich sehr pessimistisch: der Mensch ist nicht gut oder böse. Er ist ziemlich blöd und glaubt dabei auch noch, die Spitze der Schöpfung zu sein. Da hatte mich auch Schwinge gestern nicht richtig verstanden (oder ich mich ungenau ausgedrückt): Unsere Fähigkeiten sich von dem gerade vorherrschendem Denken zu lösen, sind sehr eingeschränkt. Wir glauben frei und ungebunden denkende Menschen zu sein und schaffen es gerade mal eben, dem gesellschaftlichem Konsens einen Hauch zu entkommen. Schaut man in die Geschichte sehe ich großartige Menschen. Ihre Vorstellung von Freiheit hat sie damals aufs Schafott gebracht. So unglaublich gefährlich waren ihre Ideen, so unvorstellbar und weit weg - liest man heute z.B. Thomas Morus muss man sich sehr anstrengen um darin den Begriff Freiheit überhaupt zu erkennen. Übersehen wir dabei nicht, dass diesen Sprung aus dem gesellschaftlichem Konsens so kaum einer von uns leisten könnte?
Ich habe immer daran geglaubt, dass uns ein gewissen Maß an freiem und selbstständigem Denken die Chance gibt, sich auf eine andere Ebene zu katapultieren. Dass das kein Selbstläufer ist, ist mir klar. Dieses Forum bzw. die Art der Diskussion hier zeigt allerdings auf, dass wir nicht die kleinste Möglichkeit davon nutzen. Wir bleiben weit hinter den uns gegebenen Möglichkeiten und fühlen uns trotzdem klug, intelligent und überlegen. Welch fatale und grandiose Selbstüberschätzung!
Es gibt hier nie eine Frage, "wie hast du das gemeint, erkläre es mir doch noch einmal, damit ich dich verstehen kann". Herzchen werden bei dem letzten idiotischem Beitrag gesetzt, weil der Schreiber grundsätzlich eher meine Meinung vertritt. Der Sinn ist nicht die Information, sondern die Bestätigung meiner eigenen Meinung. Dabei sollte doch jeder Danke schreien, wenn einem ein Fehler aufgezeigt wird. Erst dass gibt mir die Möglichkeit einen anderen Fehler zu begehen, mich von alten Fehlern zu trennen. Weiter zu kommen und mich zu entwickeln, schlauer zu werden und leichter durch das Leben zu kommen.
Aber was machen wir? Lieber den gleichen Fehler immer wieder aufs neue als einmal einen anderen, noch fremden Weg zu gehen. Lieber die bekannte Katastrophe als einmal etwas neues auszuprobieren. Intelligenz bzw. intelligentes Verhalten ist etwas anderes!
Was hat das jetzt mit dem Artikel zu tun? Er beschreibt sehr gut eine Fassette unseres sehr kruden Denken und Handeln, exakt diese Verhaltensweisen, die wir alle kennen, die wir hier sehen und die uns nichts bringen und fast nur schaden.
Ihr habt Glück, mehr Zeit habe ich nicht. Ich muss zum Essen
Grüße Ralph