Roland, was schreibst Du da? Ich kann absolut verstehen, dass viele Menschen in Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Co angepisst davon waren (sind), wie die Wende stattgefunden hat. Aber hat uns jemand gefragt? Glaubst Du im Ernst, dass alle Menschen im Westen es genau so haben wollten? Und dass diese Ängste, wie es weitergehen soll, in der Nachwendezeit für massive Verunsicherung und für Frust gesorgt haben, dass diese neue Gesellschaft brutale wirtschaftliche Gesetze mit sich brachte, Arbeitsplätze und damit Existenzen vernichtet wurden (ohne zu bedenken, dass da Menschen hinter stehen), dass kann ich total verstehen. Aber heute so zu tun, als ob sich die Mehrheit direkt vor der Wende frei gefühlt hätten, dass ist eine Verdrehung der Tatsachen. Die Mehrheit war froh, dass das alte Regime endlich weg war und ich bin froh und glücklich darüber, mit welchem Mut die Bewohner der DDR sich ihre Freiheit erkämpft haben. Das bitteschön, sollte auch so stehen bleiben. Wieso waren denn sonst die Millionen auf der Straße, in einem Moment, wo niemand wusste, wie sich das Militär und die Polizei verhalten würden? Sie waren da, weil sie sich nicht frei gefühlt haben, weil sie einfach ein anderes Leben haben wollten. Davor ziehe ich meinen Hut! Auch wenn es nicht die meine Freiheit war und wir den Kohl dann weitere Jahre an der Backe hatten. Shitt druff.
Auch erstaunt es mich, wie heute die russische Besatzung verklärt wird. Ich kann mich noch sehr gut an die Gespräche in Brandenburg 1990 erinnern und mein Erstaunen, mit welchem Hass über die Russen geredet wurde. Das konnte ich alles verstehen, auch wenn die Verallgemeinerung immer problematisch ist. Aber das jetzt ein Verständnis für Putin sich breit macht, dass die Zeit vor der Wende verklärt wird und die Russen damals ja doch nicht so schlimm wären, widerspricht einfach dem 1990 erzählten Geschichten. Ich kann es mir nur damit erklären, dass der Frust und die Ängste der 90er Jahre so tief sitzen, dass im nachhinein, vorher als schlimm gesehene Dinge, passend gemacht werden. Auch dafür habe ich tiefstes Verständnis, halte es aber für falsch.