Vielleicht sollte ich einmal an der Stelle die Historie dieses Autos darlegen.
Der Wagen wurde im November 1978 in Zürich von seinen Erstbesitzern gekauft. Der Tag der Erstzulassung war am 10. November 1978. Das Autohaus hieß Citroën Heussi und befand sich am Berninaplatz, in Zürich. Wer dort heute ankommt, wird dieses Autohaus vergeblich suchen. Vermutlich bestand es schon seit Anfang oder Mitte der 90er Jahre des vorherigen Jahrhunderts nicht mehr.
Die letzte im Service-Heft vermerkte Garantiedurchsicht erfolgte am 12. März 1985 bei einem Kilometerstand von 26'675 KM. Der Service war fällig für den 30'000 KM Stand. Zu diesem Zeitpunkt war ich Lehrling in Rostock und unendlich weit davon entfernt, dieses Auto einmal als mein eigenes zu erachten. Der letzte Service war am 14. Mai 1993 bei einem Kilometerstand von 36'700 km – bereits bei einem Seat-Händler in Zürich.
Alle weiteren Talons der Garantieinspektionen, die bei Kilometerständen von 45'000, 60'000, 75'000 km usw. gezeichnet werden sollten, befinden sich noch original und unausgefüllt im Serviceheft. Die Abgasuntersuchungen sind noch bis zum 22. Mai 2003 dokumentiert. Der Kilometerstand lag bei 42'486 KM.
Um den Jahreswechsel 2002/2003 habe ich meine Arbeitsstätte in die Schweiz verlegt (verlegen dürfen) und da nach ca. 2 Jahren etwas Geld übrig war, habe ich mich Ende 2004 entschlossen, einen Citroën CX zu kaufen. Der Verkäufer wohnte in Dübendorf bei Zürich und betrieb dort eine Modelltischlerei (www.formtechnik.ch/info.html). Wer sich dem Grundstück annäherte, konnte unzweifelhaft erkennen, dass dort ein Fan der Automarke Citroën wohnte. Um das Grundstück herum wimmelte es von CXen, DSen und einem Traction Avant. Der ganze Stolz war der Firmenwagen, ein DS 23 Break aus dem Jahre 1973. Mein Ziel der Reise war eigentlich der Erwerb eines CX 25 Break. Man findet den Wagen noch, wenn man die Adresse der Internetseite etwas modifiziert: www.formtechnik.ch/cx. Die Bilder dürfen so etwa 18/19 Jahre alt sein. Die Autos sind natürlich alle längst weg.
Der CX Break hatte ein großes Manko, er hatte einmal auf dem Hilfsrahmen aufgesessen und die Sache war nicht repariert worden. Daher hatte sich der Rost schon des Gurtes und der Lasche angenommen, sodass bei einem Kauf und mit der Absicht, sich lange am Neuerwerb zu erfreuen, eine fachgerechte Reparatur fällig gewesen wäre. Bereits etwas geknickt sah ich meinen Traum zerplatzen, da bot mir der Herr Pfister einen CX2400 Baujahr 1977 an. Der Wagen hatte sogar eine Klimaanlage, die auch funktionierte. Mechanisch war der Wagen i.O. - aber die Karosse! Oh je!
Da es bereits Winteranfang war und es früh dunkel wurde, wollte ich mich nach einem Rundgang durch die Tischlerei schon auf dem Heimweg machen, als ich auf der Rückseite des Gehöftes, unter einem Vordach den weißen CX2400 Pallas C-Matic entdeckte. Sofort fingen meine Augen an zu flackern und man sah im Gesicht des Herrn Pfister, wie eine Stimme im Inneren rief: Nein, nicht der!
Doch, genau der! Man sah dem guten Mann förmlich an, wie er mit sich kämpfte. Aber ich hatte eine mächtige Verbündete: Seine Ehegattin. Das Paar plante wohl eine Australienreise und damit die Reisekasse etwas üppiger ausgestattet war, mußte eines der Schätzchen zu Geld gemacht werden.
Drei Tage später, an einem Samstag, war ich wieder vor Ort, bezahlte den Restbetrag und konnte nach MFK und Abgasuntersuchung das Auto am 15.12.2004 bei einem Kilometerstand von 42‘744 km übernehmen.
Der Wagen war nach dem Tod des Erstbesitzers noch eine Weile von seiner Ehefrau gefahren worden. Da ihr das Auto aber zu groß war, hatte sie den Wagen nach der Jahrtausendwende an den o.g. Modellschreiner verkauft. Leider war ihr vorher noch ein Mißgeschick passiert und sie hatte den Wagen irgendwo touchiert. Vorne rechts, dort wo der Kotflügel den einzigen Knick hin zum Scheinwerfer hat, gab es jetzt eine zusätzliche Kante. Und richtig lackiert wurde die Stelle auch nicht, es war nur Farbe drauf.
So habe ich den Wagen bis zum Winter 2011/12 gefahren und ihn auf sagenhafte 45‘560 km hochgeschraubt. Ich merkte dann allerdings, dass der Wagen etwas Öl an der Nahtstelle zwischen Getriebe und Motor verlor – zwar nur wenig, aber man hat es in der Garage gesehen.
Wie es der Zufall wollte, war ich im Sommer 2011 in Meerane, in Südtirol und bin dort auf eine Gruppe von Citroën-Enthusiasten aus der Schweiz gestoßen. Wie sich herausstellte, war der Organisator der Veranstaltung der Chef von C-Motion aus dem Thurgau. Also habe ich mit ihm einen Termin zum Jahreswechsel vereinbart, wo er den Motor und das Getriebe herausgenommen, beiden neue Dichtungen verpasst und auch ein kaputtes Getriebelager hinter dem Momentenwandler getauscht hat. Der Wagen bekam dann auch seinen Veteranen-Eintrag.
2019 war dann wieder eine Motorfahrzeugkontrolle fällig und ich dachte, mich tritt ein Pferd. Wo die Frontscheibe sich unten zu den A-Säulen hinwölbt, war der Kleber zwischen den beiden Lagen der Verbundscheibe etwas aufgegangen. Der Bereich lag nun nicht im Sichtbereich und es war schon viele Jahre so. Dann stellte der Prüfer noch am Anschluß der Hydraulikleitung zur linken Radaufhängung fest, dass da so „ein komischer grüner Tropfen“ sei. Aber als er dann bei der Probefahrt das Auto nicht aus der Prüfhalle bekam, ist mir der Hemdkragen geplatzt.
Der Wagen wurde abgemeldet, ging zu C-Motion in den Thurgau und alles was irgendwie an dem Auto zu machen war, wurde repariert. Daher steht er auf den Bildern vor der Prüfhalle in Frauenfeld auch mit der Thurgauer Kontrollschildnummer.
Jetzt ist der Wagen seit Ende 2019 im Einsatz und ich habe es geschafft, in den 3 ½ Jahren tatsächlich ca. 7‘000 km zu fahren. Das hätte er sich bestimmt nicht denken lassen, dass er im hohen Alter noch einmal zu solchen Laufleistungen getrieben wird. Immerhin betrug die durchschnittliche Laufleistung in den 41 Jahren zuvor nur etwa 1‘300 km per anno. Genau vor 2 Jahren ist dann bei der Einkaufsfahrt die Benzinpumpe defekt gegangen, konnte aber schnell von dem Händler, bei dem ich meinen Alltagswagen warten lasse, ausgetauscht werden. Der Fehler war schnell gefunden, da kein Benzin in den Motorraum gelangte. Nachdem das Doppelrelais als Fehlerursache ausschied, konnte es nur noch die Pumpe am Tank sein.
Bis hierhin hat er sich tapfer gehalten und eine lückenlose Historie kann er auch vorweisen. Ich hatte in der Zwischenzeit einmal gedacht, ihn zu verkaufen und es gab auch schon Interessenten. Aber nein, der bleibt bei mir. Der Wagen zieht natürlich Geld. Aber wer sparen will, soll ein Bausparvertrag abschließen (gilt heute auch nicht mehr).
Zum Jahreswechsel geht er wieder in die Werkstatt und alles, was sich so finden lässt, wird revidiert. In der Zwischenzeit habe ich auch damit angefangen, mir diverse Ersatzteile und Komponenten zu besorgen. In etwa 8 oder 10 Jahren gehe ich in die Pension, da möchte ich zuvor das Auto wieder in den 1A Zustand versetzen. Man merkt dem Wagen nämlich auch den Alltagseinsatz an. Insbesondere bei dem Thema Ecken und Kanten sieht man, dass das Auto vor 45 Jahren nicht mit dem Gedanken gebaut wurde, dass er auch noch 2023 auf den Strassen unterwegs ist. Bisher steht er sehr gut da, aber es ist ein ewiger und epischer Kampf gegen die Mächte der Oxidation.
Und was mich aber richtig böse werden lässt, ist, dass es Zeitgenossen gibt, die keine Rücksicht darauf nehmen, dass ein gut erhaltenes Stück Fahrkultur einmal in der Nähe ihres Gefährtes parkt. Ich erwarte nicht, dass die Leute vor mir auf die Knie fallen, wenn sie mein Auto sehen. Ganz im Gegenteil – je weniger Aufmerksamkeit, umso lieber ist es mir. Aber kann man nicht die Tür festhalten, wenn man etwas einpacken oder auch nur einsteigen will? Man merkt die verschiedenen Sichtweisen der Generationen an diesem Thema ganz symptomatisch. Wer alle drei Jahre sein Alltagsgefährt neu least, verschwendet natürlich keine Gedanken daran, wie viel zeitlicher und monetärer Aufwand zur Erhaltung eines alten Fahrzeuges notwendig ist.