Ich will dem Hohnpriester nicht das Wort reden. Mein erster Gedanke nach dem Lesen der Klammerbemerkung am Schluss war aber folgender, und da kann man drüber durchaus geteilter Meinung sein; es ist aber nichtsdestotrotz mein erster Gedanke, und die haben manchmal ja was Wahres, die ersten Gedanken:
Der europäische Denkansatz wäre ja der, dass man sich im Zweifel wenigstens keine Familie anschafft, solange man davon ausgehen muss, die dann nicht versorgen zu können. Und schon müssten die Minenarbeiter nicht mehr ganz so elend leben.
Geht aber natürlich nicht, wenn die Katholische Kirche in Afrika noch immer predigt, Kondome zu benutzen sei Sünde. Wo sowas doch auch HIV wenigstens etwas bremsen könnte... Insofern muss ich mich wohl bei der eigenen Nase fassen, solch eine Kriminelle Vereinigung noch immer durch Mitgliedschaft zu unterstützen. Aber wir sind da wieder beim Thema Familie. Ich suche mir meine Eltern ja nun nicht aus.
Zyniker wie meine Verwandtschaft mütterlicherseits würden entgegnen, man müsse sich ja nicht in den Schatten setzen. (Für die weniger aufmerksamen Leser: Das ist auch bei denen als Witz gemeint. Ob es zwischen der Güte der Witze und jener der Unzucht auch Zusammenhänge gibt? - Nun, es hat zum Zeugen von Nachwuchs jedenfalls genügt...)
An sich wäre es an den Gebern, das so zu organisieren, dass das Geld da ankommt, wos hin soll. Hat man aber seit dem letzten Weltkrieg mehr oder weniger bewusst nicht hinbekommen. Dann muss eine Gewohnheit draus geworden sein. Kosten sind so ein Thema: Wenns um Länder geht, wo Menschen von einem $ oder wenig mehr leben pro Tag, dann müsste eigentlich nicht so viel Geld nötig sein, um die Situation derer zu verbessern.
Manchmal hab ich aber eben den Eindruck, es sind gerade nicht die ärmsten, die sich auf den Weg machen, sondern die, die irgendwie die Mittel locker machen können, Schlepper zu bezahlen. Wenn ich so höre, dass eine Überfahrt in so nem Seelenverkäufer übers Mittelmeer ab ca. 5'000$ pro Kopf kostet, dann tun sich mir eben schon auch Fragen auf. Als Sozialhilfeempfänger in Europa jedenfalls wüsste ich nicht auf Anhieb, wo ich solche Summen hernehmen sollte. Es können also kaum die allerärmsten sein, die herkommen. Fraglich also, ob der Migrationsdruck merklich weniger wird, wenn den ärmsten in den Herkunftsländern geholfen wird.
Fraglich auch, ob der Fachkräftemangel so schlimm ist, wie immer gesagt wird. Solange man Schulabbrecher hat, hätte man noch einheimisches Potential, nur mal ganz grob festgehalten. Solange Menschen über 45 grundsätzlich nur schwer Arbeit finden, kann es irgendwie auch nicht sein, dass so viele Fachkräfte fehlen. Kann ja nicht schwieriger sein, einen Europäer umzuschulen, als irgend einen Analphabeten aus anderen Weltgegenden.
Natürlich wird das nicht reichen. Man sollte da aber anfangen, wenn das in den letzten 35 Jahren konstant erzählte Märchen vom Fachkräftemangel glaubhafter werden soll. Ja Hergott nochmal, wenn Mangel herrscht, behebt man den! So ist das in einer Marktwirtschaft! Jahrzehnte sind dafür mit jeder Garantie Zeit genug. Wenns nicht reicht, dann ist der Mangel hausgemacht. Zu tiefe Löhne, unattraktive Arbeitsbedingungen oder schlicht übersteigerte Qualifikationsbürokratie. Mir ist zum Beispiel schleierhaft, wie ein frisch eingewanderter, der nicht einmal die Landessprache spricht, einen Ausbildungs- oder gleich Arbeitsplatz findet, der ausgebildete Lehrabgänger aber ohne Stelle bleibt. Kostet der zu viel, oder kennt der nur seine Rechte zu gut? Oder ist er einfach zu faul? Jedenfalls, es ist eben nicht einfach nur ein Fachkräftemangel. Der hat Gründe. Koch beispielsweise, das wären so gesuchte Fachkräfte. Stress bis zum Zusammenbruch für einen Mindestlohn und dann am liebsten auch noch Stundenweise angestellt, weil im Gastgewerbe ja im wesentlichen ein- bis zweimal am Tag Nachfrage nach Essen ist, und dazwischen Flaute.
Ich sag nur: Es liegt eher nicht daran, dass es keine Köche gäbe, wenn man die, welche es mal gab, solange so schlecht behandelt, dass sie den Beruf wechseln. Ähnliches gilt für Pflegeberufe. Da ist dann auch klar, warum man Fachkräfte aus Übersee anwerben muss. Darf einen eigentlich nicht wundern, wenn es um einen Schulberuf geht, wo die Ausbildung statt ein Lehrlingsgehalt einzubringen, Geld kostet. Und dann darf man später für ein Trinkgeld Schicht arbeiten und ist dann etwa zu zweit auf der Station nachts. - Wen wunderts ernsthaft, dass sich das zu wenige geben wollen?
Aber kein Problem: Afrika und Südamerika haben genug Menschenmaterial. Wir diskutieren dann lieber nachfolgend migrationsinduzierte Probleme. Und nein, damit meine ich nicht in erster Linie Rassismus. Der ist nur die unsrige Seite des Problemgefüges. Man hats als des öfteren sozial relativ isolierter Einwanderer auch ohne den nicht leicht. Schichtarbeit hilft auch nicht dabei, resilienter gegen all die Probleme zu sein, die einem dann begegnen.