Klimakleber schaden ihrem Anliegen inzwischen mehr, als sie ihm nützen. Sie habens nur noch nicht gemerkt.
Ist ja auch ein im Wesentlichen deutsches Phänomen... Was auch wieder vielsagend ist.
Trotzdem haben die in der Sache Recht. Beim Klimaschutz muss es mit siebenmeilenstiefeln vorangehen, und so langsam gibts auch Wirtschaftsakteure, die Begriffen haben, dass der Klimaschutz auch wirtschaftliche Chance ist. Und seis nur, weil man für eine Windturbine oder ein Solarkraftwerk keinen Treibstoff heranschaffen muss, ganz anders als bei Gas, Kohle und Öl.
Denen, die meinen, man dürfe es ruhig sein lassen, weil Deutschland alleine das Klima ja eh nicht retten könne, sei gesagt, dass Europa und Nordamerika gerade an dem Punkt stehen, wo sie die globale Funktion als Technologievorbild verlieren. So war diese Woche bei "Schweiz Aktuell" zu sehen, dass man per CO2-Zertifikatehandel die Umstellung auf Elektrobusse in Asien fördert. Als Zuschauer hab ich mich ja gefragt, warum man damit nicht in Zürich, Bern, Luzern, Zug Aarau, Genf, Neuenburg und La-Chaux-de-Fonds anfängt. Gerade so, als ob wir Diesel nicht über den Rhein, der immer öfter Niedrigwasser führt, importieren und zu dem Zweck in Rotterdam und anderswo einkaufen müssten.
Früher war man vernünftiger: Nach der Kohlenot im und nach dem Ersten Weltkrieg hat man Bahnstrecken mit Topspeed elektrifiziert. Wasserkraft für Strom hat man im Land. Kohle für Dampfloks nicht. Das ging so weit, dass die Hauptstrecken, vor allem die Brennstoffhungrigen Bergstrecken, noch während des ersten Weltkriegs soweit möglich "Notelektrifiziert" wurden. Wenns sein musste, nahm man als Masten roh zugeschnittene Baumstämme und für den Fahrdraht erstmal Alu oder Stahl, ehe man an genügend Kupfer herankam.
Im Zweiten Weltkrieg gings mit dem gleichen Pragmatismus weiter, als der Gotthard mit seinen Krokodilen aus den 1920er-Jahren an die Kapazitätsgrenze kam. Man musste schneller werden, und brauchte dafür leistungsfähigere Loks. Die wurden, mitten im Zweiten Weltkrieg, mit seinem allgegenwärtigen Rohstoffmangel, konstruktiv eher nach dem Motto "Quick and Dirty" erschaffen Während bei der BLS schon die ersten Laufachslosen modernen Schnellzugloks in der Pipeline war, konnte man am Gotthard nicht solange warten, und baute deshalb Sechsachsige Monstren, mit Öldurstigem Vorkriegsantrieb auf den 4 grossen Triebrädern. Mangels Kupfer wickelte man die Transformatoren mit Alu. Beliebt waren die Maschinen nie, weil nicht sehr gleisschonend und die Ölgefüllten Getriebegehäuse nie dicht, so dass Führergehilfen zum Kannenweise Ölschleppen verurteilt waren. Aber sie taten wertvolle Dienste, beginnend noch vor Kriegsende bis weit in die siebziger Jahre. Um dann, als "Schandfleck" der schweizer Bahngeschichte, ganz schnell und restlos verschrottet zu werden. Überlebt hat nur ein Teil eines Führerstandes, im Sinne eines musealen Schaustücks.
Nichts da von - wir allein schaffens nicht. Die Räder mussten rollen, auch wenn die Umstände fast unmöglich waren.
Das sollte heute auch gelten. Angesichts des Ukrainekriegs genauso wie angesichts der Herausforderungen der Klimaveränderung. Es hängt ohnehin beides miteinander zusammen.
Dass einen das anpisst, ist klar. Man hätte lieber funktionierende Technik weiter genutzt. Nordstream nicht weniger als den eigenen SUV mit Verbrennungsmotor. Alles verständlich. Trotzdem ist beim Klimaschutz scheitern keine Option. Bei den Amis und ihrem Appollo-Programm (Vorgestern war Jubiläum für Apollo 11) hat der Spruch damals unmögliches buchstäblich möglich gemacht.
DEN Geist müssten wir bei der Energiewende haben! Nicht dieses wohlstandsverweichlichte Arsch platt sitzen beim warten aufs nächste Softwareupdate - welches der Software-Macher gefälligst unaufgefordert und gratis zu schicken hat...
Es gibt diese Annekdote, dass bei der Nasa einmal einer der Manager einen Mann, der da eine Halle auffegte mit seinem Besen, fragte, was er da mache. Der soll geantwortet haben: "Sir, I'm helping to bring a man on the Moon!"
Grossartig.
In dem Geiste müsste eigentlich auch der Heizungsbauer sich nach Kräften (wobei immer im Rahmen der Vernunft) so langsam weigern, noch Gas- und Ölbrenner verkaufen zu wollen. Gefragt, was er da tue, könnte er antworten: "Werter Kunde, ich arbeite daran, Ihre und die Lebensgrundlagen ihrer Kinder, Enkel und Urenkel so gut es eben noch geht, zu erhalten." Oder alternativ: "Ich sorge dafür, dass sie ihre Heizkosten auch noch nach 2030 bezahlen können."