Wenn Kapitalismus als System zur Allokation knapper Güter verstanden wird, dann besteht seine Aufgabe eben darin, knappe Güter zu verteilen. Man könnte ja einfach jedesmal drum Kämpfen. Will man aber nicht, weil ineffizient. Das kann der Kapitalismus relativ elegant lösen. Weil er das kann, funktioniert er. Er kann die Frage nach der Verteilung von Gütern lösen, von denen es nicht so viele gibt, dass sich jeder einfach davon nehmen kann, soviel er will. Er funktioniert, wenn er knappe Güter effizient verteilt, ohne dass wir jedesmal drum kämpfen müssen.
Vor jedem Fragezeichen eine Wertung. Mithin Moral. Moral, die dem Kapitalismus fremd ist.
Kapitalismus ist eben keine Gesellschaftsform. Er organisiert wenn schon Güter. Nicht die Menschen.
Der Reihe nach: Nein, das Überleben des Menschen ist per se nicht vom Kapitalismus abhängig. Der Überlebensdrang findet immer seinen Weg. Der Kapitalismus ist nur eins von abertausenden Werkzeugen, die dieses Überleben zuweilen einfacher machen. Zumindest für die, die damit zurecht kommen. Denn wer nichts hat, dem macht der Kapitalismus das Überleben geradezu unmöglich. Die meisten können ja immerhin ihre Arbeitskraft zu Markte tragen, und so überleben. Aber nicht alle. Nur: Leben, jedenfalls menschliches, oder Gesundheit. Das hat man oder nicht, kanns aber nicht kaufen. Man kann da bestenfalls erweiterte, verbesserte Chancen kaufen. Weiter geht nicht. Um wortwörtlich keinen Preis der Welt. In dem Ausspruch steckt der ewige Limes des Kapitalismus. Welche Kelten jenseits auch immer harren mögen, dem Kapitalismus bleiben die unzugänglich, solange um keinen Preis der Welt ihrer habhaft zu werden ist.
Dass es Kultur gab? Dass es sie gab nicht. Dass sie tauschbar wurde, vielleicht. Wobei ich nicht soweit ginge, dem Kapitalismus an sich Kultur zuzubilligen. Ich glaube, die Keimzelle des Kapitalismus liegt in der Vorratshaltung. Steckt doch im Kapital, also dem Geld an sich, der Möglichkeitskonserve nicht viel mehr, als die Idee, Konsum bevorraten zu können. Statt also wenn wir Urlaub machen, Proviant für die ganze Dauer des Urlaubs, sowie darüber hinaus Tauschwaren mitzunehmen, Packt man sich ein paar Noten ein, von denen man weiss, dass sie sich gegen alles benötigte tauschen lassen, wann immer wir wollen. Nicht nur, dass wir kein Essen über den Tagesbedarf (höchstens) hinaus mitnehmen müssen. Wir bekommen dafür auch Unterkunft, Unterhaltung, Wissen, alles eben, was man kaufen kann. Vorratshaltung ist aber nicht Kultur an sich. Eher nur, aber immerhin eine der Voraussetzungen für Kultur.
Um nur eine Oberschicht gut leben zu lassen, brauchts keinen Kapitalismus. Vielmehr impliziert der Begriff Oberschicht das. Näher dem Faustrecht verwandt, als dem Kapitalismus.
Dass Frauen nichts zu sagen haben, hat eher der Kapitalismus in Frage gestellt. Geld hat nicht nur keine Moral, es hat auch kein Geschlecht. Wäre es nur nach kapital gegangen, das Patriarchat hätte sich nicht so lange gehalten, wies das tat und in manchen Gegenden noch immer tut.
Sklaven? Nichts weniger Kapitalistisch als das. Der Trick am Sklaven ist ja gerade, dass man ihm seine Arbeit eben nicht bezahlen muss. Will man Sklaverei verstehen, dann nicht über den Kapitalismus, sondern über das Wesen des Menschen. Der ist bequem, um nicht zu sagen faul. Wenn er kann, arbeitet er nicht selber, sondern vertreibt sich die Zeit damit, anderen zu sagen, was sie für ihn tun sollen. Wir können auf Sklaverei verzichten, weil wir Maschinen haben. Dampfmaschinen zuerst, aber auch andere thermische und elektrische Maschinen. Sie machen den Verzicht auf Sklaverei möglich. Maschinen nehmen uns Arbeit ab. Die kann man kaufen. Bevor man die hatte, gabs nur Tiere, oder Menschen. Und Tiere musste auch wer betreuen. Sklavenarbeit, denn welcher Herr der Oberschicht (da ist sie wieder...) will schon sein eigener Stallknecht sein, wenn er anders kann? Ja, ok, der Sklave ist Eigentum. Aber doch nur, weil er beherrscht wird, damit er nicht tut, was er will, sondern was sein Herr von ihm will. Es geht nicht darum, den Sklaven handelbar zu machen. Es geht darum, dass der einem Arbeit abnimmt, ohne dass man ihn bezahlt. Dass man ihm Kost und Logis mindestens so gut gönnt, dass er überleben kann und arbeitsfähig bleibt, liegt doch auf der Hand. Wenn er nicht lebt, arbeitet er nicht, und wenn er so schlecht lebt, dass er nicht arbeiten kann, hat er für den Herrn keinen Wert.