Hier gibts noch Kinder, die tatsächlich zur Schule gehen müssen. Jawohl, gehen. Ich mein, sie dürfen auch rennen, wenn sie wollen, oder spät dran sind. Aber die werden tatsächlich nicht gefahren.
Und als ich vor etwa 30 Jahren im gleichen Schulhaus zur Schule ging, gabs sogar die Bitte, dass die, die nur ein paar hundert Meter vom Dorf her kommen, doch bitte zu Fuss kommen sollen, damit der (damals schon gedeckte) Fahrradständer für die nutzbar bleibt, die mit dem Fahrrad oder dem Mofa (Ja, das war was, wenn man mit 14 endlich mit Taschengeldverdunster unterwegs sein durfte. Da war dann schon demonstriert, dass die Eltern nicht ganz arm waren, wenns für ein Mofa reichte bei einem, der damit kein Geld verdiente, und für genug Taschengeld fürs Benzin und den Ausgang am Wochenende - denn das hing zusammen.) von ausserhalb kamen.
Damals sind wir aber auch als Kinder einkaufen geschickt worden, bevor wir rechnen konnten. ich war im Kindergartenalter, als das anfing. Man ging ja am Wochenende mit Muttern mal mit beim Einkaufen, und war so in den Läden im Dorf bekannt. Da holte man dann täglich ein Brot beim Bäcker und zwei, drei Liter Milch. Mit extra Kesselchen dafür. Die wurde dann direkt ab Milchkanne vom Bauernhof abgefüllt. Kann man heute nicht mehr machen, weil Rohmilch verkaufen geht ja nicht mehr. Man kriegte immer die paar Franken mit, dass es reichen musste, und Geld abzählen war dann halt Aufgabe des Kassenpersonals. Man kannte sich, und vertraute sich.
Das alles entlang einer viel befahrenen Hauptstrasse, mit einer Kreuzung auf dem Weg und damals schon - industriebedingt - sehr viel LKW-Verkehr. Ich war glaub ich fünf, als man anfing, mich quasi täglich zum Einkauf loszuschicken. Und schon im Kindergartenalter konnte ich sicher die genannte Hauptstrasse überqueren - ohne Fussgängerstreifen. Morgens stand da zwar meistens Vater daneben und überwachte das, aber aufm Rückweg war nicht immer jemand da. Auch wenn Nachbarn und Nachbarinnen - die kannte sogar ich damals schon namentlich - schon immer auch ein bisschen nach uns sahen, auch weil sie selber Kinder hatten. Da kriegte man von den Eltern gezeigt, bis wohin die Strasse nach beiden Seiten frei sein musste, damit man sicher genug Zeit hatte, um über die Strasse zu kommen. Und wehe, es sah (irgendein) Erwachsener, dass ein Auto oder gar ein LKW deshalb hätte bremsen müssen! Das gab dann sofort die Mahnung, bitte besser aufzupassen. Und die wirkte. Man hätte einem Erwachsenen nicht etwa widersprochen, zumal schon einem Dreikäsehoch klar war, worum es ging. Man musste damals noch kein Schulkind sein, um nicht irgendwo plattgefahrene Igel, Katzen oder Hunde mal erlebt zu haben. Ja, erlebt, denn die Freizeit verbrachte man im Sattel des Fahrrads, und drehte Runden durchs Dorf. Heute undenkbar. Viel zu gefährlich!
Heute fahr ich mein Patenkind zur Reitstunde. Weil die mit 10 Jahren angeblich noch nicht sicher genug Rad fährt, um die vielleicht anderthalb km zu dem Bauernhof auf der Nebenstrasse hinzukriegen. Sagt der Vater. Und die kleine ist natürlich bequem genug, ihn darin zu bestätigen. Die ist ja nicht blöd. Mir wird schlecht, wenn ich mir die in ein paar Jahren bei der Motorradprüfung vorstelle.
Wobei, genau das ist ja für ihre ältere Schwester als Lehrling eben keine Option. Weil eben auf zwei Rädern, und im Verkehr grundsätzlich, nicht routiniert genug unterwegs. Schon nicht mit dem Fahrrad...
Was haben wir früher bloss falsch gemacht? Wir fuhren die anderthalb km früher lieber, als Hausaufgaben zu erledigen... Da musste man noch nicht mal 10 sein für, um da drauf zu kommen.